Wirtschaft

Bilanz nach zehn Jahren Euro

Aktualisiert am 01.01.2012 40 Kommentare

Als «Teuro» verteufelt, wird der Untergang des Euro heute herbeigeredet. Doch das schlechte Image wird der europäischen Gemeinschaftswährung nicht immer gerecht.

Eine neue Währung wird geboren: Zeremonie an der Frankfurter Börse zum Start des Euro. (17. Dezember 2001)

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Bild: Reuters

Schäuble fordert zum Sparen auf

Wegen der sich verschärfenden Schuldenkrise fordert der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble die Euro-Staaten für 2012 zu einem rigiden Sparkurs auf. «Die Rettungsschirme können den betroffenen Mitgliedstaaten nur die notwendige Zeit kaufen, um die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen und so das Vertrauen zurückzugewinnen», sagte er der «Bild»-Zeitung. «Die Staaten müssen die Zeit nutzen, um ihre Haushalte zu konsolidieren, also zu sparen und um die notwendigen Reformen durchzuführen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken», mahnte der Minister. (dapd)

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Chronologie der Eurokrise

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Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

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Das zehnjährige Jubiläum der Einführung des Euro als Bargeld fällt mitten in die schwerste Krise der Währungsunion. Den Architekten der Einheitswährung ist aber offenbar nicht zum Feiern zumute. Die EU-Kommission plant anlässlich des zehnten Jahrestages der Euro-Bargeldeinführung keine Veranstaltung, wie ein Sprecher kurz vor Weihnachten wissen liess.

Die Kommission betonte zwar gleichzeitig die Bedeutung des Euro und erklärte, die Bürger der Euro-Zone könnten stolz auf die Gemeinschaftswährung sein. Die anhaltenden Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise nähren jedoch das Misstrauen gegenüber dem Euro.

Bislang schwerste Krise

Im zehnten Jahr nach der Einführung des Euro-Bargelds steckt die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer bisher schwersten Krise. Inzwischen wird selbst der Zusammenbruch von den politischen Führern in der EU als durchaus reale Gefahr eingeschätzt, deren Folgen man sich aber im Detail lieber nicht ausmalen möchte.

Als Sündenfall, der die aktuelle Krise mit verursacht hat, wird heute die Aufnahme Griechenlands in die Währungsunion am 1. Januar 2001 – ein Jahr vor der Bargeld-Einführung – angesehen. Dass die Griechen die Kriterien für die Euro-Einführung nur mit Hilfe gefälschter Wirtschaftskennzahlen erfüllen konnten, wurde schon damals vermutet, aus politischen Gründen drückten die EU-Partner jedoch alle Augen zu. Der Erfolg des Euro schien ihnen auch lange Zeit recht zu geben. Nun scheint die Währungsgemeinschaft jedoch von der Vergangenheit eingeholt zu werden.

Mythos des «Teuro»

In Deutschland kamen mehrere kürzlich durchgeführte Umfrage zum Ergebnis, dass die Zustimmung zur gemeinsamen Währung innerhalb der Bevölkerung schwindet. Eine Studie des Instituts Emnid etwa kam zum Schluss, dass inzwischen 60 Prozent der Deutschen den Euro für keine gute Idee halten. 85 Prozent der Befragten sind demnach überzeugt, dass der Euro als «Teuro» im Zuge der Geld-Umstellung die Preise stark in die Höhe trieb.

Der Ruf des «Teuro» lastet der europäischen Gemeinschaftswährung seit ihrer Einführung an. Allerdings hält die weitverbreitete Wahrnehmung der statistischen Überprüfung nicht stand: In Deutschland etwa ist die Teuerung seit der Euro-Einführung nicht gestiegen, sondern im Gegenteil gesunken.

Niedrige Inflation

Von der Euro-Bargeld-Einführung im Januar 2002 bis zum November 2011 lag die jährliche Preissteigerung im Durchschnitt bei 1,6 Prozent, wie das deutsche Statistische Bundesamt kürzlich bekanntgab. In den zehn Jahren davor hatte die Teuerung der Deutschen Mark deutlich höher gelegen: bei durchschnittlich 2,2 Prozent.

Für Österreich ergibt sich ein ähnliches Ergebnis: Gemäss den Zahlen der Österreichischen Nationalbank lag die durchschnittliche Jahresinflation im Zeitraum von 1999 bis 2011 bei 1,8 Prozent. in den zehn Jahren davor waren es noch 2,2 Prozent gewesen.

Währung für 330 Millionen Menschen

Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als gemeinsame Währung von zunächst elf EU-Mitgliedsländern eingeführt, am 1. Januar 2002 wurde er als Bargeld offizielles Zahlungsmittel in zwölf Ländern der Währungsunion, zu denen bis heute fünf weitere hinzugekommen sind. In der Euro-Zone leben heute rund 330 Millionen Menschen. Dazu kommen mehrere kleine Staaten, in denen der Euro zwar offizielles Zahlungsmittel ist, die aber nicht der Euro-Zone angehören.

Zur Euro-Zone gehören offiziell Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Holland, Österreich, Portugal, Spanien und seit 1. Januar 2007 auch Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern, seit 2009 die Slowakei und seit Anfang 2011 auch Estland. (rub/sda)

Erstellt: 01.01.2012, 22:09 Uhr

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40 Kommentare

Rene Rey

01.01.2012, 23:09 Uhr
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Aha, Griechenland hat gefaelschte Wirtschaftskennzahlen angegeben, dass sie aufgenommen wurden, und das hat man dazumal sogar angenommen? Wieviel Geld floss wohl "unter dem Tisch" um so ein Betrug zu vertuscheln? Und jetzt bezahlt man sogar noch Almosen, um diesen Betrug zu unterstuetzen? So etwas kann ja auf die Dauer nicht ueberleben. Welche anderen Staaten haben dasselbe versucht, order gemacht Antworten


erich schweizer

02.01.2012, 00:00 Uhr
Melden 42 Empfehlung 0

was gerne vergessen geht, der euro war dannzumal einen dollar wert, heute immerhin 1.30. die schulden der amis stehen mit 15 billionen im gegensatz zu den 8 billionen der 17 euro länder auch immer noch einiges höher.
das problem ist eher das die drei grossen ratingagenturen in amerika sind und sehr daran interessiert dass mehr in der usa investiert und der euro schlecht geredet wird.
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