Wirtschaft

Bernanke beschert der Tokioter Börse ein Acht-Monats-Hoch

Aktualisiert am 27.03.2012 7 Kommentare

Fed-Chef Ben Bernanke will der Konjunktur auch künftig kräftig unter die Arme greifen. In Tokio haben diese Aussichten der Börse einen Schub verliehen – vor allem Exportwerte legten zu.

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Verspürt keine Eile bei der Normalisierung der Geldpolitik: Fed-Chef Ben Bernanke. (Bild: Reuters )

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Die Hoffnung der Anleger auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in den USA hat der Tokioter Börse heute zu den höchsten Kursen seit acht Monaten verholfen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte gestern signalisiert, dass er trotz der sich aufhellenden Konjunkturaussichten in den USA keine Eile bei der Normalisierung der Geldpolitik verspürt.

Dies gab vor allem Exportwerten wie Toyota, Canon und Sony einen Schub, die allesamt um rund zweieinhalb Prozent zulegten. Neben den Exportwerten zählten Finanztitel zu den grössten Gewinnern.

Nikkei-Index machte Verluste der Vorwoche wett

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index kletterte um 1,7 Prozent auf 10.192 Punkte und machte damit die Verluste der Vorwoche mehr als wett. Zuletzt hatte er im Juli vergangenen Jahres noch höher notiert. Der breiter gefasste Topix-Index rückte ebenfalls 1,7 Prozent vor auf 866 Stellen.

Börsianer zeigten sich überzeugt, dass die Tokioter Börse auch weiterhin von ausländischen Käufern profitieren wird, die ihrer Ansicht nach bei japanischen Werten insgesamt einen Aufholbedarf haben.

Ende der grossen Entlassungen

Die Arbeitslosenquote in den USA war im Februar auf 8,3 Prozent von 9,1 Prozent im vorigen Sommer zurückgegangen. Dies lag laut Ben Bernanke vor allem daran, dass die Unternehmen nach den Massenentlassungen nun ihre Belegschaftszahlen wieder normalisierten. Schliesslich passe der jüngste Rückgang der Arbeitslosenquote nicht ganz zu dem eher bescheidenen Wachstum der Wirtschaft.

«Die Produktion wie auch die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen müssen stärker zulegen, um die Arbeitslosenquote weiter spürbar zu senken», hatte Bernanke gestern gesagt. Dieser Prozess könne weiter von einer förderlichen Politik der Federal Reserve begleitet werden.

Sollte sich seine Annahme bestätigen, könnte der Fortschritt auf dem US-Arbeitsmarkt nachlassen. Der Lohnzuwachs berge noch kein Inflationsrisiko, betonte Bernanke. Er zeige vielmehr, dass der Arbeitsmarkt sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe.

Konjunktur in Schwung bringen

Das US-Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal um drei Prozent gewachsen, dürfte sich jedoch auf knapp unter zwei Prozent in den ersten drei Monaten 2012 abgeschwächt haben.

Die Fed will mit extrem niedrigen Zinsen und dem Ankauf von Staatsanleihen die laue Konjunktur in Schwung bringen. Die US-Notenbank hatte zuletzt erklärt, noch mindestens bis Ende 2014 an ihren Niedrigstzinsen festhalten zu wollen.

Doch positive Konjunkturnachrichten hatten Investoren vermuten lassen, dass eine Zinswende doch schon früher zu erwarten sei. Bernanke schien Beobachtern zufolge solche Erwartungen nun in den Hintergrund drängen zu wollen.

Kritik aus den eigenen Reihen

An der Konjunkturpolitik der Fed wird immer wieder Kritik laut – gestern auch aus den eigenen Reihen der Notenbanker. So warnte der Präsident der Federal Reserve von Philadelphia, Charles Plosser, vor einer unzulässigen Vermischung von Geld- und Finanzpolitik.

Die Zentralbanken sollten nicht unbegrenzt die Möglichkeit zum Ankauf von Anleihen haben, um die Länder in ihrem Kampf gegen Schulden nicht auf einen gefährlichen Weg ohne Haushaltsdisziplin zu leiten. Plosser sagte in Paris weiter, er rechne mit einem Wachstum der US-Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr von rund drei Prozent. Die Arbeitslosenrate werde bis Ende 2012 auf 7,8 Prozent fallen.

Zuversicht an der US-Börse

Die US-Börsen sind mit einem kräftigen Plus in die neue Handelswoche gestartet. Die Anleger richteten nach dem Kursknick in der letzten Woche den Blick wieder optimistisch in die Zukunft. Das lag vor allem an Ben Bernanke, der signalisierte, dass die US-Notenbank Fed der Konjunktur auch künftig unter die Arme greifen wolle. (kpn/sda)

Erstellt: 27.03.2012, 07:31 Uhr

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7 Kommentare

Andreas Meier

26.03.2012, 19:17 Uhr
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Jeder US Bürger der mindestens 3 Stunden pro Woche beschäftigt ist - gilt als Vollzeitbeschäftiger..;-)! Bei den immer geringeren Löhnen in den USA, gibt es logischerweise auch kaum Inflation - der US Durchschnittsverdiener mit Familie, kann sich nähmlich so oder so keine grösseren Anschaffungen leisten! Bernanke's Forderung nach mehr Konsum muss wie "Hohn" in den Ohren vieler US Bürger klingen! Antworten


Claude Humard

26.03.2012, 19:25 Uhr
Melden 12 Empfehlung 0

"Die Fed will mit [...] dem Ankauf von Staatsanleihen die laue Konjunktur in Schwung bringen." Das bedeutet, dass Fed druckt Geld und leiht es dem Staat, so dass dieser "Konjunkturspritzen" finanzieren kann. Also (einmal mehr) ein Wachstum auf Kredit. Und das wäre dann ein Quantitative Easing (QE3), wo noch vor ein paar Tagen versprochen wurde, dass keines geplant sei. Antworten



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