Wirtschaft

Auch die UNO warnt vor zu hartem Sparkurs

Aktualisiert am 30.04.2012 22 Kommentare

Die Finanz- und die Schuldenkrise haben seit 2008 zig Millionen Jobs vernichtet. Sparen sei die falsche Medizin, bilanziert die UNO – und warnt Europa indirekt vor sozialen Unruhen.

Sparmassnahmen bringen die Arbeitslosen nicht weiter: Abstehen vor dem Arbeitsamt in Spanien.

Sparmassnahmen bringen die Arbeitslosen nicht weiter: Abstehen vor dem Arbeitsamt in Spanien.
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Chronologie der Eurokrise

Chronologie der Eurokrise
Europas Wirtschaft weht noch immer ein rauher Wind entgegen. Ausser Deutschland sind bereits alle grossen EU-Länder in den Sog der Schuldenkrise geraten.

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Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nation (ILO) rechnet noch in diesem Jahr mit 202 Millionen Arbeitslosen weltweit. Obwohl sich die Weltwirtschaft langsam von der Krise zu erholen scheine, bliebe die Lage auf den Arbeitsmärkten angespannt, teilte die ILO in einem heute Montag veröffentlichten Bericht über die Welt der Arbeit mit. Ein Grund dafür sind nicht zuletzt die von der Schuldenkrise getrieben Sparmassnahmen, die auf den Arbeitsmarkt durchschlagen.

Im kommenden Jahr wird die weltweite Arbeitslosigkeit laut ILO auf 6,2 Prozent steigen, wobei vor allem junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren besonders betroffen sein werden. Seit Beginn der Finanzkrise 2008 seien bereits rund 50 Millionen Jobs verloren gegangen, teilte die in Genf ansässige Organisation mit. Die Beschäftigung in den Industrieländern werde frühestens Ende 2016 wieder ein Niveau wie vor der Krise erreichen, lautet die Prognose der ILO, einer Sonderorganisation der UN.

Weltweit alarmierende Situation

Trotz der Anzeichen eines wieder zunehmenden Wirtschaftswachstums in einigen Regionen, «ist die weltweite Beschäftigungssituation alarmierend und zeigt kein Zeichen einer Erholung in der nahen Zukunft», schreibt der Autor des Berichts, Raymond Torres. «Die einseitige Betonung von Sparmassnahmen zumal in den Euroländern vertieft die Beschäftigungskrise und könnte Europa erneut in die Rezession bringen», warnt der Direktor des ILO Forschungsinstituts.

«Länder, die sich für eine beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik entschieden haben, haben sowohl wirtschaftlich als auch sozial bessere Ergebnisse erzielt. Wir müssen uns diese Länder genau ansehen und Lehren daraus ziehen», schreibt Torres weiter.

Sparen ist das falsche Mittel

In den Krisenländern der EU seien die erhofften Ziele durch die Sparmassnahmen nicht erreicht worden, teilt die ILO mit. Sie hätten weder zu mehr Wirtschaftswachstum noch zu einer Verbesserung am Arbeitsmarkt geführt. Die Organisation rief in ihrem Bericht vor allem Europa auf, die Schaffung von Arbeitsplätzen an die erste Stelle seiner Krisenpolitik zu stellen. Das würde zu mehr Wachstum führen und ein Übergreifen der Krise auf andere Länder verhindern.

Laut dem ILO-Bericht «World of Work Report 2012 – Better jobs for a better economy» liess die Krise zudem in der Hälfte aller Industrieländer und in einem Drittel der Entwicklungs- und Schwellenländer Armut und Ungleichheit steigen. Ein von der ILO entwickelter Index, der das Risiko sozialer Unruhen misst, stieg in 57 von 106 untersuchten Ländern.

Die höchsten Risiken bestehen demnach in Afrika und im Nahen Osten. Wo hingegen die Beschäftigung und zum Teil auch die Qualität der Arbeitsplätze zunahm, ging das Risiko zurück, so etwa in mehreren lateinamerikanischen und asiatischen Ländern.

Die Ausnahmen

In den meisten Ländern haben Jugendliche besondere Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Ausserdem ist die Langzeitarbeitslosigkeit fast überall stark angestiegen. Und wo Arbeitsplätze neu geschaffen wurden, sind diese oft nur befristet oder unfreiwillig auf Teilzeitbasis. Der Bericht stellt aber auch fest, dass diese Entwicklungen nicht zwingend sind. Einige Länder, darunter Deutschland und Österreich, aber auch zum Beispiel Polen, Brasilien und Indonesien, konnten die Beschäftigungsquote steigern.

In einem eigenen Kurzbericht zur europäischen Wirtschaftslokomotive Deutschland hält die ILO fest, dass dank starker Exporte vor allem ausserhalb der Eurozone sowohl das Wirtschafts- als auch das Beschäftigungswachstum stark blieben. Dennoch sieht die Organisation auch einige Probleme – zum Beispiel den hohen Anteil von Beziehern von Niedriglöhnen und von atypischer Beschäftigung wie Mini-Jobs oder Leiharbeit. Zudem lägen die Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt immer noch unter ihrem Vor-Krisen-Niveau. Aufgrund der Eurokrise und des geringeren Wachstums in Ländern ausserhalb der Eurozone sei ein Wachstumsrückgang zu erwarten. Die ungewissen Aussichten könnten Investitionen weiter verzögern und dadurch das Beschäftigungswachstum bremsen.

Zu den wichtigsten Herausforderungen in Deutschland zählen der ILO zufolge eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für atypische Beschäftigungsverhältnisse sowie die Anpassung der Reallöhne an die Produktivitätsentwicklung. Bereits erzielte Abschlüsse in den diesjährigen Tarifverhandlungen deuteten auf weitere Reallohnzuwächse für 2012 und 2013 hin. Dies sei nach Einschätzung der ILO ein grosser Schritt in die richtige Richtung, teilte die Organisation mit. (ami/dapd)

Erstellt: 30.04.2012, 12:58 Uhr

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22 Kommentare

Sonja Inderbitzin

30.04.2012, 21:57 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

Und wann hat die UNO vor der Überschuldung gewarnt? Antworten


Helene Weisz

30.04.2012, 22:50 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

Wenn die Spanier anstatt hunderttausende unqualifizierter Wirtschaftsflüchtlinge, wie vermutlich die Person links im Bild, nur hochqualifizerte reingelassen hätten, zusammen mit Saisonarbeitern, hätten jetzt mehr Spanier Arbeit.Immigration kostet z.B. Holland über 43 Milliarden/Jahr. Geld, das für die Schaffung neuer Jobs für Einheimische hätte verwendet werden können. Den Sozialisten sei Dank. Antworten



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