Wirtschaft

Auch Frankreich muss um Topnote bangen

Aktualisiert am 29.11.2011 2 Kommentare

Steigende Zinsen für französische Bonds und die schwächelnde Wirtschaft stimmt Standard & Poor's pessimistisch. Für den Euro-Rettungsfonds hätte eine Abwertung Frankreichs dramatische Folgen.

Frankreich ist in der Defensive: Präsident Nicolas Sarkozy verwirft an einer Podiumsdiskussion entnervt die Hände. (29. November 2011)

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Bild: AFP

Zinsen Staatsanleihen (29.11.2011)

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Moody's droht mit Abstufung

Den europäischen Banken droht weiteres Ungemach von Seiten der Ratingagenturen. Nachdem zuletzt bereits einige Abstufungen einzelner Banken für Wirbel gesorgt hatten, droht die US-Ratingagentur Moody's jetzt mit schlechteren Noten für die nachrangigen Verbindlichkeiten von 87 Banken aus 15 europäischen Ländern.

Die Agentur begründete diesen am Schritt in London damit, dass die Staaten bei möglichen finanziellen Engpässen von Banken wegen der eigenen klammen Kassen gegebenenfalls nicht mehr eingreifen können.

Dadurch sei nicht es nicht mehr so sicher wie zuletzt, dass die von einer möglichen Abstufung betroffenen Banken ihre nachrangigen Verbindlichkeiten auch bedienen können. Banken haben viele ihrer Anleihen als nachrangig eingestuft, damit sie von den Aufsehern als Kapital anerkannt werden. Im Falle einer Insolvenz würden diese Schulden nach allen anderen Ansprüchen wie etwa Forderungen von Lieferanten oder Löhne bedient werden.

Moody's droht vor allem Banken aus Italien, Spanien oder Frankreich wie BNP Paribas , Santander oder Unicredit mit einer Abstufung. Aber auch die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS könnten betroffen sein. Deutsche Banken befinden sich dagegen nicht auf der Liste. Sollten die Banken abgestuft werden, könnte die derzeit ohnehin bereits schwierige Refinanzierung noch teurer werden. (sda)

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Die Ratingagenturen haben erneut Frankreich und die USA im Visier: Die Agentur Standard & Poor's könnte den Ausblick für die französische Topbewertung «AAA» schon bald von «stabil» auf «negativ» herabstufen, wie die französische Wirtschaftszeitung «La Tribune» berichtete. Die Agentur Fitch stufte indes den Ausblick für die USA herab, womit schon die zweite Rating-Agentur den USA mit dem «AAA»-Entzug droht.

Die Ratingagentur Standard & Poor's könnte den Bonitätsausblick Frankreichs schon in den kommenden Tagen herabstufen, berichtete «La Tribune» am Montag auf ihrer Internetseite unter Berufung auf übereinstimmende Quellen. Demnach sollte die Änderung bereits am vergangenen Freitag erfolgen, doch sei dies aus unbekannten Gründen verschoben worden. Ein Sprecher der Ratingagentur sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Unternehmen kommentiere keine «Gerüchte».

Kreditwürdigkeit irrtümlich herabgestuft

In den vergangenen Wochen hatten bereits die Ratingagenturen Fitch und Moody's auf Gefahren für Frankreichs Top-Bonität «AAA» hingewiesen. Als Gründe wurden vor allem die im Zuge der Euro-Krise steigenden Zinsen für französische Schuldpapiere sowie die schwächelnde Wirtschaft angegeben. Ein Verlust der Topnote Frankreichs hätte auch Folgen für den Euro-Rettungsfond EFSF, der wie seine garantiegebenden Länder ebenfalls mit der Bestnote bewertet ist.

Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit Frankreichs am 10. November irrtümlich herabgestuft und dies auf einen technischen Fehler zurückgeführt. Die Falschmeldung, dass Frankreich die Bestnote «AAA» verliert, hatte nicht nur im Nachbarland für Empörung gesorgt. Frankreich hatte seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr auf ein Prozent gesenkt. Um dennoch das Ziel zu erreichen, die Neuverschuldung 2012 von 5,7 auf 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken, hatte die konservative Regierung zwei Sparpakete in Milliardenhöhe angekündigt.

USA unter Druck

Die Ratingagentur Fitch bestätigte war vorerst die Bewertung «AAA» für US-Staatsanleihen, stufte den Bonitätsausblick aber von «stabil» auf «negativ» herab. Damit gebe es eine Chance von etwas mehr als 50 Prozent, dass die Bewertung in den kommenden zwei Jahren herabgestuft werde. Es schwinde zunehmend das Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, sich zu einer Sanierung des Haushaltes durchzuringen.

Im August hatte Standard & Poor's als erste grosse Rating-Agentur der US-Kreditwürdigkeit die Topnote entzogen und das Land auf «AA+» herabgestuft. Bei der dritten grossen Ratingagentur Moody's steht die Top-Bonität der USA seit dem Sommer ebenfalls mit einem negativen Ausblick auf dem Prüfstand.

Die Staatsverschuldung der USA war zuletzt auf mehr als 15 Billionen Dollar (11,3 Billionen Euro) angewachsen, was rund 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Im Sommer war das Land nur knapp der Zahlungsunfähigkeit entgangen, weil Demokraten und Republikaner im Kongress sich wochenlang über die Anhebung der Schuldenobergrenze stritten. Ein überparteilicher Kongressausschuss, der einen Plan zur Haushaltssanierung ausarbeiten sollte, beendete seine Mission vergangene Woche ohne Ergebnis. (miw/AFP)

Erstellt: 29.11.2011, 15:23 Uhr

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2 Kommentare

lucius mayer

29.11.2011, 17:51 Uhr
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«Führende» PolitikerInnen Europas: alles Schönwetter-Kapitäne, Berufsschwätzer, im Personal-Vakuum nach dem 2. Weltkrieg aufgewachsen, später Jahrzehnte lang prächtig auf Pump gelebt. Wenige von ihnen werden den Riesen-Tsunami des TEuro-Untergangs politisch unbeschadet überleben. Ob Frau BK A. Merkel eventuell das Format einer PM Margaret Thatcher hat, wird sich zeigen. Kaum. «The party is over.» Antworten


Werner Hebeisen

29.11.2011, 18:03 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Wiso wendet sich eigentlich die EU nicht gegen diese Ratingagenturen? Das sind private Firmen mit scheinbar unbekannten Mitgliedern oder Sponsoren.
Oder haben die grandiosen Berufspolitiker der EU - die teuer bezahlt werden und für den Moment immer noch nichts brauchbares liefern - etwa Angst um ihren Job ??
Antworten



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