Wirtschaft

Atomdrama zerstört Vertrauen in AKW

Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 15.03.2011 14 Kommentare

Die Schweiz legt Verfahren für neue Atomkraftwerke auf Eis und lässt die bestehenden Anlagen überprüfen. Deutschland will seine ältesten AKW sofort abschalten, die EU ruft ihre Energieminister nach Brüssel.

Wird überprüft: AKW Gösgen.

Wird überprüft: AKW Gösgen.

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Wegen der Atomkrise in Japan hat Bundesrätin Doris Leuthard die Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue AKW sistiert. Darüber hinaus ordnete sie die vorzeitige Sicherheitsprüfung bei allen bestehenden AKW an. Abklärungen sollen zeigen, ob Bedarf für schärfere Sicherheitsvorschriften besteht. Dabei sollen Erdbebensicherheit und Kühlung im Vordergrund stehen. Atomkraftwerke würden in der Schweiz so angelegt, dass sie einem Erdbeben mit der Stärke 7 widerstehen können, erklärte Leuthard. Vielleicht seien nach den Ereignissen in Japan Anpassungen an den Sicherheitsvorschriften der Schweiz nötig. Bis genaue Erkenntnisse vorlägen, blieben die Gesuche und auch die laufende Vernehmlassung bei den Kantonen auf Eis. Wie lange die Gesuche sistiert bleiben, ist offen.

Das Vertrauen in die Nukleartechnologie in der Schweiz sei durch die Ereignisse in Japan angeschlagen, räumte Leuthard ein. Die Schweiz benötige indessen Grosskraftwerke, wolle sie nicht in eine Stromlücke fallen. In den Vordergrund rücken hier Gaskraftwerke, die allerdings wegen des hohen CO2-Ausstosses ebenfalls umstritten sind. Das Bundesamt für Energie (BFE) will ein Szenario für eine baldige Abkehr von der Atomtechnologie entwerfen. Konkret geht es um die «Energieperspektiven», die das BFE im nächsten Jahr vorlegen wird: Sie sollen neu um ein grösseres Kapitel zu einem möglichen Atomausstieg ergänzt werden, wie BFE-Sprecherin Marianne Zünd sagt.

Die Konferenz der kantonalen Energiedirektoren begrüsste die Sistierung der Rahmenbewilligungsgesuche. Das erlaube den Kantonen, aufgrund gesicherter Kenntnisse Stellung zu nehmen. Gleich argumentierte der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. Auch SP und Grüne nahmen den Entscheid mit Zufriedenheit zur Kenntnis. FDP und SVP kritisierten den Halt hingegen als voreilig.

Derweil will Deutschland einige ältere Atomkraftwerke abschalten. Treffen könnte es die beiden ältesten Atommeiler, Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg und Biblis A in Hessen. Die Sicherheit aller deutschen Atomkraftwerke müsse vorbehaltlos überprüft werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. SPD, Linke und Grüne fordern hingegen eine komplette Abkehr von der Atomenergie. Auch die EU will ihre Sicherheitsstandards von Atomanlagen rasch überprüfen. Heute sollen deshalb die Energieminister in Brüssel zusammenkommen. In Belgien führen die Atomunfälle womöglich zu einer Revision der geplanten Laufzeitverlängerungen für drei Reaktoren.

Keine Zweifel ausgelöst hat Japans AKW-Krise in Frankreich: Die Regierung in Paris betonte die Sicherheit der französischen Atomkraftwerke. Diese seien gegen Naturkatastrophen geschützt. Auch China zeigt sich unbeirrt und setzt voll auf den Ausbau der Kernenergie: In den nächsten fünf Jahren soll mit dem Bau von 40 neuen Reaktoren begonnen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2011, 07:03 Uhr

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14 Kommentare

Urs Keller

15.03.2011, 09:40 Uhr
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Nützt nichts, die Reaktoren der KKW in Japan waren abgestellt aber alle drei Kühlsysteme sind ausgefallen, und da Kernkraftwerke Selbstläufer sind und bei kritischen Massen Spaltung verursachen, müssen sie gekühlt wrden, und das für lange Zeit. Der Ausfall aller Kühlsysteme über längere Zeit ist immer ein Gau. Alles hängt an der Kühlung. Antworten


Steve Kirschbaum

15.03.2011, 10:11 Uhr
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Deutschland kann ja zurück zur Energiegewinnung durch Kohle Verbrennung und die Luft tagtäglich verpesten und die Bürger gefährden und die Schweiz kann mit Ihrem Bünzligehabe gegen Windturbinen und Sonnenkollektoren so weitermachen wie bisher. Nur gibt uns dass keine zusätzliche Kilowattstunde Strom! Daran wird ja überhaupt nicht gedacht...verlogen sind vorallem die deutschsprachigen Länder!!! Antworten



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