Wirtschaft

Als Roosevelt am 5. März 1933 die Banken schliessen liess

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 16.05.2012 50 Kommentare

Die Griechen fürchten um ihr Erspartes und ziehen vermehrt Geld vom Bankkonto ab. Im grossen Stil nennt sich das dann Bank Run – und ist extrem gefährlich. Siehe die USA in der Vorkriegszeit.

Plötzlich war das Ersparte blockiert: Amerikanerinnen und Amerikaner vor einer Bank. (Archiv, 1933)

Plötzlich war das Ersparte blockiert: Amerikanerinnen und Amerikaner vor einer Bank. (Archiv, 1933)
Bild: Reuters

Er liess für mehrere Wochen die Banken schliessen: US-Präsident Franklin D. Roosevelt. (Archiv, 1933)

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Die schwere Wirtschaftskrise in den USA dominierte die 1930er-Jahre und war Teil bzw. Ursprung der Weltwirtschaftskrise.

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In den USA gibt es einen Feiertag, der Bank Holiday heisst. An diesem Tag wird nicht der Gott des Mammons verehrt oder um ein goldenes Kalb getanzt: Der Bank Holiday erinnert vielmehr an eine der düstersten Episoden der Grossen Depression. Am 5. März 1933 liess der frisch gewählte US-Präsident Franklin D. Roosevelt alle Banken des Landes schliessen. Nur mit dieser drastischen Aktion konnte er im letzten Moment den Zusammenbruch des US-Bankensystems verhindern. Die Amerikaner waren damals in Panik. Mehrere Bankenzusammenbrüche in kürzester Zeit hatten dazu geführt, dass das System jegliche Glaubwürdigkeit verloren hatte. Verzweifelt versuchten die Menschen, ihr Spargeld in Sicherheit zu bringen.

Einen solchen Bank Run überstehen selbst kernsolide Geldinstitute nicht. Deshalb griff Roosevelt zu dieser drastischen Massnahme und liess die Banken schliessen. Der Bank Holiday dauerte in Wirklichkeit nicht bloss einen Tag, sondern mehrere Wochen. Am Vortag der Wiedereröffnung wandte er sich in einer seiner berühmten Radioansprachen an seine Landsleute und beruhigte sie. Der befürchtete Bank Run blieb aus, der Kapitalismus war gerettet.

Fokus auf Italien und Spanien

Was sich in Griechenland derzeit abspielt, ist das Gleiche, nur scheinbar viel kleiner. Die Menschen kennen die Folgen eines «Grexit», eines Austritts Griechenlands aus der Einheitswährung: Die wieder eingeführt Drachme würde zunächst massiv abgewertet, und danach wäre eine Hyperinflation sehr wahrscheinlich. Wer jetzt seine Euros auf der Bank lässt, wird bei einem Grexit sein Spargeld verlieren. Daher die Panik und der Bank Run in Hellas.

Was sich derzeit in Griechenland abspielt, könnte aber auch der Auftakt zu etwas viel Grösserem sein. Angenommen, es kommt tatsächlich zum Grexit und die Griechen werden fallen gelassen. Was denken Sie, wenn Sie Portugiese, Ire, Spanier oder Italiener sind? Eben, dass Sie als Nächstes fallen gelassen werden. Und was machen Sie dann? Genau. Sie rennen zur Bank und wollen Ihr Geld abheben. Mit anderen Worten. Ein Grexit könnte einen Bank Run in ganz Europa auslösen. Die Folgen wären unabsehbar. Ein EU-Diplomat warnt daher in der «Financial Times»: «Es stellt sich die grosse Frage, ob alle, die derzeit über einen möglichen Austritt von Griechenland sprechen, auch die möglichen wirtschaftlichen Folgen beachten, und ob sie Pläne dafür haben, wie sie die politischen Konsequenzen in den Griff bekommen.»

Ein Schachspiel, bei dem keiner mehr den Überblick hat

Die Warnung ist mehr als berechtigt. Der Rettungswall ESM hat zwar inzwischen eine Höhe von 500 Milliarden Euro erreicht, doch nach allgemeiner Einschätzung reicht dies nicht aus, einen europäischen Bank Run in den Griff zu bekommen. Was sich derzeit in Europa abspielt, ist ein sehr komplexes Schachspiel, bei dem keiner mehr den Überblick hat und den nächsten Zug planen kann. Ein britischer Banker erklärt daher: «Es ist extrem naiv zu glauben, man könne die Folgeeffekte in den Griff bekommen. Wenn Griechenland austritt oder pleitegeht, dann wird sich die Finanzseuche mit der Geschwindigkeit einer Kanonekugel ausbreiten.»

Ebenso unberechenbar sind die politischen Konsequenzen. Die Krise ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem das Ansehen der EU an einem Tiefpunkt angelangt ist und überall nationalistisch-populistische Parteien aus dem Boden schiessen. Wie lange wird der politische Kitt für eine europäische Einheit noch halten? Das hängt zu einem sehr grossen Teil von Deutschland ab. Die Griechenlandkrise ist auch das Baby von Angela Merkel. Sie hat mit ihrer «Politik der schwäbischen Hausfrau» massgeblich dazu beigetragen, dass ein ursprünglich regionaler Konflikt zu einer Existenzfrage für die gesamte EU geworden ist.

Nur Deutschland kann es richten

Deutschland ist derzeit die unbestrittene Führungsmacht in Europa. Es ist deshalb dringend nötig, dass die Deutschen das Ruder herumreissen; denn die Eurokrise wird immer mehr zu einer Wiederholung der Grossen Depression. Und es war nicht die Hyperinflation von 1920 bis 1923, die Hitler an die Macht gebracht hat. Es war die Deflation der 1930er-Jahre. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2012, 12:32 Uhr

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50 Kommentare

Heinz Stalder

16.05.2012, 12:44 Uhr
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Das System MUSS kollabieren: Die NBs geben Geld gegen Zins raus. Z.b. 100 für 1 Prozent Zins. Also sind 100 im Umlauf. Zurück bezahlt werden müssen aber 101. Es fehlt also 1. Dieses 1 muss ich von jemandem nehmen, der dann nur noch 99 hat, aber trotzdem 101 Schulden. Schuldenwirtschaft ist schlecht. Und das System baut alles auf dieser Schuldenwirtschaft. Vor 80 Jahren hats von vorne begonnen... Antworten


Bruno Schnider

16.05.2012, 12:41 Uhr
Melden 84 Empfehlung 0

Herr Löpfe! Es kann nicht nur Ihre Lösung geben! Unser Herr EURO führte einen sehr ungesunden Lebenswandel. Er ist schon vor einigen Jahren an Krebs erkrankt und verdrängte diese Gefahr hartnäckig. Nun haben sich im Körper Metastasen gebildet und eine schwere Chemotherapie ist notwendig. Ober Herr EURO überlebt, ist fraglich... Antworten



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