Wirtschaft

Acht Millionen Jobs vernichtet

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 07.07.2010 8 Kommentare

Die US-Wirtschaft schrumpft wieder. Besonders düster sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus.

Frustriert: Hunderte Arbeitsuchende auf einer Job-Messe in Los Angeles.

Frustriert: Hunderte Arbeitsuchende auf einer Job-Messe in Los Angeles.
Bild: Keystone

Der US-Arbeitsmarkt steckt noch tief in der Krise. Grafik vergrössern

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Nobelpreisgewinner Paul Krugman sieht eine Depression wie in den Dreissigerjahren voraus und verlangt massive staatliche Ankurbelungsprogramme. In den USA ist ein Totalkollaps zwar nicht in Sicht, doch warnen Ökonomen vor einer deutlichen Abkühlung und einem schwierigen Jahr 2011. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet Präsident Obama der Arbeitsmarkt: Seit Beginn der Rezession gingen über acht Millionen Stellen verloren; und US-Firmen schaffen trotz den Milliardenzuschüssen der Regierung viel zu wenige Jobs, um allein das Bevölkerungswachstum aufzufangen.

Die ungewöhnlich labile Lage wird noch verschärft durch die Banken. Sie halten sich derart stark mit der Vergabe von Krediten zurück, dass führende Detailhändler einzuspringen beginnen. So bietet Sam’s Club, eine Filiale des weltgrössten Detaillisten Wal-Mart, seit dieser Woche Kleinkredite von 5000 bis 25'000 Dollar zu günstigen Bedingungen an, um die Nachfrage anzukurbeln. Das Unternehmen begründet den Einstieg ins Kreditgeschäft damit, dass sich ein Drittel aller Kunden – überwiegend kleine und mittelgrosse Firmen – nicht mehr mit den betriebsnotwendigen Mitteln eindecken könnten. Ein Sechstel der Unternehmer erhält keine Bankkredite mehr. Auch drei andere Detailhandelsketten – Target, Staples und Office Depot – warten mit Sonderaktionen auf und offerieren einzelne Produkte zum symbolischen Preis von einem Cent. Die gedrückte Konsumlaune spiegelt sich in einer für das Land ungewöhnlich hohen Sparquote von über 4 Prozent.

Arbeitsmarkt bleibt in Rezession

Wenn Ökonomen wie Krugman vor einer Depression warnen, dann wegen der schlimmen sozialen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit. Zwar ist die Erwerbslosenquote von Höchstpunkt von über 10 Prozent auf 9,5 Prozent gesunken, doch ist dies ein statistisches Trugbild. In der Realität ist es so, dass immer weniger Stellenlose überhaupt noch einen Job suchen, weil die Aussichten so gering sind. Dies aber senkt die Basis für die Berechnung der Arbeitslosigkeit, wie die kanadische Bank CIBC erklärt. Bei Licht betrachtet, hat die Privatindustrie in diesem Jahr erst gut eine halbe Million Stellen geschaffen, doch brauchte es jeden Monat mindestens 250'000 Stellen, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten.

Fehlentscheide der Regierung

Auch die Meldungen zur industriellen Beschäftigung und Lohnentwicklung zeigen ein düsteres Bild. Erstmals seit 62 Jahren schwächt sich die industrielle Auslastung bereits wieder ab, bevor die Löhne real zu steigen beginnen. Damit bestehe das Risiko, dass sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr noch deutlicher abkühle als derzeit sichtbar, warnt der Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius. Seinen Berechnungen zufolge legt die US-Wirtschaft bis Ende Jahr nur noch um 1,5 Prozent zu. Zudem werde 2011 ein schwieriges Jahr, im guten Fall ziehe die Wirtschaft ersten im letzten Quartal um rund 3 Prozent an. Dies aber liegt unter dem Wirtschaftspotenzial des Landes.

Das Hauptrisiko liegt gemäss Goldman Sachs darin, dass die US-Regierung die Schrauben zu eng anzieht, mit anderen Worten Steuererhöhungen durchsetzt und keine zusätzlichen staatlichen Impulsprogramme lanciert. Zudem habe der Kongress letzte Woche noch zur Krise beigetragen, indem er es ablehnte, die Arbeitslosenentschädigung für akut erwerbslos Gewordene zu verlängern.

Ob Depression, Rückfall in eine zweite Rezessionsdelle oder anhaltend tiefes Wachstum: Die Meldungen vom Arbeitsmarkt, von der Kredittätigkeit und der industriellen Auslastung sind noch zu wenig schlüssig. Die Swiss Re glaubt nicht an eine tiefe Krise, sondern geht von einer Abkühlung aus. Die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Rezession liegt gemäss dem US-Chefökonomen Kurt Karl noch bei unter 10 Prozent. In einem Punkt sind sich die Ökonomen inzwischen einig: Die Gefahr einer scharfen Inflation ist so gering, dass die Notenbanken auf absehbare Zeit die Zinsen tief halten können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.07.2010, 22:33 Uhr

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8 Kommentare

Dieter Wundrak

07.07.2010, 10:34 Uhr
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So wie es Frau Binsberger geschrieben hat, so sehe ich es auch. Und so staune ich auch, dass die beiden 2 anderen Kommentare auch so ähnlich formuliert sind wie auch ich so über dieses Thema denke. Also auch so geht es doch mit einem Kommentar. SIch einfach freuen, dass man nicht mehr ganz allein ist mit so einem Denken. Und wie ist es bei den Löhnen in der Teppichetage? Gewiss nicht anders.. Antworten


Nadine Binsberger

07.07.2010, 09:10 Uhr
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Fehlendes Wachstum wird als etwas schlechtes gesehen. Dabei braucht es gar kein Wachstum, wenn der Wohlstand ein Niveau erreicht, das nicht überschritten werden muss. Warum dürfen wir nicht einfach mal zufrieden sein, ohne dass deswegen gleich eine Wirtschaftskrise ausbricht? Der Konsument kauft einfach nicht, weil er alles hat, was er braucht. Ist das so abartig? Antworten



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