Wirtschaft
«Manche Bauern haben alles verloren»
Aktualisiert am 22.03.2012 21 Kommentare
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Eine Kältewelle überzog Europa diesen Winter. Dazu kam eine Trockenphase: Auf Teile von Frankreich, Spanien, England und Norditalien fiel dieses Jahr bis zu 75 Prozent weniger Regen als üblich. Marktbeobachter warnen deshalb: Sollten sich die meteorologischen Bedingungen nicht bald verbessern, drohen Ernteausfälle beim Weizen.
Börsianer sehen Risiken
Die Situation in Europa sei sogar alarmierend, sagt Alexandre Marie, Analyst bei der französischen Handelsfirma Offre et Demande Agricole, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg: «Manche Bauern haben alles verloren.» Laut Marie hat die Winterkälte bereits jetzt Ernteausfälle im Umfang von 5 Millionen Tonnen Weizen in der EU verursacht.
Maries Befürchtungen widerspiegeln sich an der Börse: Europäischer Weizen kostet an der Pariser Börse aktuell 15 Dollar mehr als in Chicago. Es ist das erste Mal überhaupt in der Geschichte, dass Europäischer Weizen teurer ist als Weizen aus den USA. In Europa wurden 2011 rund 130 Millionen Tonnen Weizen angebaut, das sind 20 Prozent der Weltproduktion. Der Ausblick auf 2012 ist alles andere als sicher: «Falls es im Frühling nicht ausgiebig regnet, ist es zu spät» sagt Meteorologe Jim Dale zu «Bloomberg».
Zusätzliche Importe in die EU
Besonders hart betroffen ist Spanien. Das Land verzeichnete von Dezember bis Februar die niedrigsten Regenfälle seit 1947. Für die Weizen- aber auch für den Gerstenanbau ist diese Jahreszeit ausschlaggebend. Spanien baute im letzten Jahr rund 6 Millionen Tonnen Gerste an. Bereits ein Rückgang von einer Million Tonnen wäre fatal, sagt Pierre Raye, Analyst bei der französischen Handelsgesellschaft Invivo, zu Bloomberg. «Dann müsste die EU im grossen Stil Gerste importieren.»
Bei der Credit Suisse beurteilt man die Situation etwas gelassener. «Winter kills» – also Frostschäden an den angebauten Pflanzen – gäbe es immer wieder, meint Analyst Karim Cheriff gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Besonders beim Weizen ist man hier vorsichtig mit Hiobsbotschaften. Laut Cheriff wurden vor allem die osteuropäischen Länder rund ums Schwarze Meer hart von der Kälte getroffen. «In der Ukraine haben die Bauern deshalb zugewartet oder sind auf Mais umgestiegen», so Cheriff. Die Europäische Union, üblicherweise ein Nettoexporteur von Weizen, dürfte in der Periode 2011/12 vermehrt auf Importe aus anderen Weltregionen angewiesen sein.
Mit einem anhaltenden Preisdruck nach oben rechnet Cheriff beim Weizen nicht. «Global gesehen gibt es ein Überangebot am Markt», sagt der Rohstoffanalyst. Verzeichnet Europa Ausfälle bei der Weizenproduktion, so könne dies durch Lieferungen aus den USA, China, Australien oder Zentralasien kompensiert werden.
Raps als Schweizer Sorgenkind
Auch der Deutsche Bauernverband beklagt sich über starke Frostschäden. Etwas weniger dramatisch scheint die Lage in der Schweiz: «Die Felder sind nicht wunderschön, aber in Ordnung», sagt Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes. Mit grösseren Ernteausfällen beim Weizen rechnet er im Gegensatz zu den deutschen Bauern nicht. Die Schweiz produziert jährlich rund 400'000 Tonnen Brotgetreide, 70'000 Tonnen werden zusätzlich aus Europa importiert.
Anders als beim Weizen ist die Situation allerdings beim Raps. «In Regionen unterhalb von 1600 Metern, die keinen oder wenig Schnee hatten, gibt es Ausfälle», sagt Branchenvertreter Perrin. Komme zur Kälte nun auch noch die Trockenheit hinzu, so könnten sich diese Probleme verstärken. Raps ist kälteempfindlicher als Getreide. Die Pflanze wird hauptsächlich zur Gewinnung von Speiseöl aus den Samen angebaut.
Auch die Börsianer zeigen sich beim Raps besorgt. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise für im August terminierte Rapslieferungen um 11 Prozent. Mit schwingt hier eine gehörige Portion Spekulation, denn die wichtigen Prognosen der Landwirtschaftsministerien für die diesjährigen Ernten stehen noch aus. Auch die Weizenernte ist noch zu retten: «Entscheidend werden die Monate Juni und Juli», sagt UBS-Analyst Giovanni Staunovo. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2012, 16:09 Uhr
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21 Kommentare
oh mein gott, hört das nie auf. lebensmittel werden knapp und hier ist wieder die rede von den börsianer. kann man die nicht einfach abschaffen? eine lebensmittelverknappung führt ohnehin zu höheren preisen. braucht es dann noch die börsianer, die dank ihren spekulationen die preise noch mehr in die höhe treiben? braucht es das? Antworten
Jetzt kommt die Zeit der Spekulanten - Haie! Wie lange müssen wir noch zuschauen? Könnte es vielleicht an unserem System liegen? Es lebe die Globalisierung und die sogenannte freie Marktwirtschaft und in Afrika werden immer weniger Menschen die Grundnahrungsmittel kaufen können! Dafür können wir dann etwas spenden. Antworten
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