Trotz Frauenförderung bleibt die Fenaco eine Männerwelt

Die Fenaco-Landi-Gruppe möchte mehr Frauen im Topkader haben. Bisher ist davon kaum etwas zu sehen.

Bäuerinnen gäbe es genug, aber sie sind in vielen Organisationen kaum vertreten.

Bäuerinnen gäbe es genug, aber sie sind in vielen Organisationen kaum vertreten. Bild: Keystone

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Die Fenaco ist eines der grössten bernischen Unternehmen. Sie beschäftigt fast 10'000 Angestellte – rund ein Viertel davon im Kanton Bern. Seit knapp zwei Jahren präsidiert der Bernjurassier Pierre-André Geiser die bäuerliche Genossenschaft. Am Mittwoch zog er eine Zwischenbilanz. Besonders ein Ziel gab dabei zu reden.

Geiser, der selber in Tavannes einen Landwirtschaftsbetrieb führt, sagte, er wolle mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Ein Blick ins Organigramm verrät, dass die Fenaco in diesem Punkt tatsächlich nicht brilliert. In ihrer Verwaltung, dem Pendant zum Verwaltungsrat bei einer Aktiengesellschaft, ist neben 18 Männern nur eine Frau zu finden. Karin Perraudin-Bertholet wurde an der letzten Delegiertenversammlung vor knapp einem Jahr ins Gremium gewählt. Solche Fortschritte gefallen ihm, sagte Geiser.

«Ein generelles Problem»

Nur wenig später aber gab Geiser am Mittwoch die beiden Nominierten für die Vakanzen anlässlich der kommenden Delegiertenversammlung vom 21. Juni bekannt. Es sind wiederum zwei Männer. Man habe zwar nach Frauen gesucht, sagte Geiser, aber keine geeigneten gefunden. Das Aufbauen von kompetenten Frauen brauche seine Zeit. Und für ihn gelte: Kompetenz ist wichtiger als das Geschlecht.

Dass es zu wenige interessierte oder qualifizierte Bäuerinnen gebe, dementiert Kathrin Bieri-Straumann, Co-Geschäftsführerin des schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. «Sicher gibt es Bäuerinnen, die sich für solche Aufgaben interessieren und auch eignen», sagt sie auf Anfrage. Es sei das Ziel des Verbands und der Fenaco, dass Bäuerinnen in der Genossenschaft mehr zu sagen hätten. Dafür brauche es aber auch Mut und Überzeugung in den lokalen Gremien, einen neuen Schritt zu wagen und Frauen für Ämter vorzuschlagen, sagt Bieri. Es sind die regionalen Genossenschaften, die ihre Vertreter für die Fenaco-Verwaltung nominieren.

Laut Bieri beschränkt sich das Problem nicht auf die Fenaco. «Generell sind Frauen in traditionellen landwirtschaftlichen Organisationen wenig bis gar nicht vertreten.» Deshalb sei ein Projekt lanciert worden mit dem Ziel, Frauen in diesen Organisationen zu positionieren.

Das Thema ist nicht neu

Das Thema Frauenförderung ist für die Fenaco indes nicht neu. Geschäftsführer Martin Keller sagte bereits vor zwei Jahren, es sei eine Tatsache, dass gemischte Teams mit Frauen und Männern erfolgreicher arbeiteten als reine Frauen- oder Männerteams. Deshalb messe die Fenaco der Förderung von Frauen hohe Bedeutung zu. Am Mittwoch nun fügte Keller an, es gehe letztlich nicht nur um die Zahl der Frauen in der Verwaltung und im Topmanagement – die sechsköpfige Geschäftsleitung ist ein reines Männergremium; unter den 15 Mitgliedern der erweiterten Geschäftsleitung ist eine Frau zu finden. Er betonte, es sei auch wichtig, das Denken im Konzern zu verändern.

Das sei die Voraussetzung für effektive Frauenförderung. Zudem sei das weibliche Geschlecht im mittleren und unteren Kader stärker vertreten. Allerdings sind auch unter den im Handelsregister als Management eingetragenen 145 Personen nur 10 Frauen. Ein ähnliches Bild zeigt die Analyse der Tochtergesellschaften. Die Fenaco-Landi-Gruppe ist ein komplexes Konstrukt mit über 80 Tochtergesellschaften und Geschäftseinheiten. Doch selbst dort gibt es nur eine Handvoll Frauen in Führungspositionen.

Dass es auch anders ginge, zeigt das Beispiel der Krenger FGT AG. Das im Früchte- und Gemüsehandel tätige Unternehmen aus Uetendorf ist seit diesem Jahr Teil der Fenaco-Landi-Gruppe. Mit einer Finanzchefin und einer Verwaltungsrätin sind hier zwei von sechs im Handelsregister aufgeführten Managementpositionen von Frauen besetzt. (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2017, 20:53 Uhr

Wie viel Rendite darf sein?

Die Fenaco hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Oder wie es Geschäftsführer Martin Keller ausdrückte: «Keiner der Märkte, in denen wir tätig sind, war im vergangenen Jahr im Aufwind.» Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Preisdruck machte der Sparte Energie zu schaffen, Einkaufstouristen dem Detailhandel, das Wetter dem Bereich Lebensmittel und Rabatte der Agrarsparte. So sank der Erlös um 1,6 Prozent auf 5,94 Milliarden Franken.

Unter dem Strich verdiente die Genossenschaft trotzdem mehr als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis (vor Zinsen und Steuern) legte um 0,7 Prozent auf 123,4 Millionen und der Gewinn stieg minim auf 96,8 Millionen Franken – beides ein neues Rekordergebnis.

Doch während andere Konzerne ein solches Rekordergebnis nur all zu gerne an die grosse Glocke hängen, ist im Geschäftsbericht der Fenaco davon keine Rede. Das gleiche Muster zeigte sich schon im letzten Jahr. Auch damals, als der Gewinn um über 65 Prozent zulegte und ein neues Hoch erklomm, jubelte am Hauptsitz im Berner Länggassquartier niemand – zumindest nicht öffentlich.

Woher kommt diese Zurückhaltung? Die Genossenschaft gehört den Bauern. Gleichzeitig verdient sie aber mit den Bauern auch den Grossteil ihres Geldes, indem sie ihnen Saatgut, Düngemittel, Landmaschinen, Futter, Nutztiere und vieles mehr verkauft. Wenn nun der Gewinn oder die Rendite steigen, könnte das den Landwirten sauer aufstossen.
Deshalb war Keller am Mittwoch darauf bedacht, die Marge kleinzureden. «Fenaco ist nicht gewinnorientiert; das belegt die Betriebsgewinn-Marge von nur 2 Prozent», sagte er und fügte an: «Mit einer derart tiefen Marge könnte ich mich als Chef eines börsenkotierten Unternehmens nicht sehen lassen.» Zum Vergleich: Emmi als Schweizer Unternehmen aus dem Bereich Landwirtschaft, hat letztes Jahr eine Ebit-Marge von gut 4 Prozent erreicht. Migros und Coop, die wie Fenaco ebenfalls stark diversifiziert sind, kamen auf 4 respektive 2 Prozent.

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