Wirtschaft

Wer ans Glück glaubt, ist schnell entmutigt

Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 15.11.2011 1 Kommentar

Hängt der Erfolg vom Zufall ab? Zwei Antworten aus der Wissenschaft.

Alles erarbeitet oder doch auch eine Portion Glück: Carlos Slim, der reichste Mann der Welt.

Alles erarbeitet oder doch auch eine Portion Glück: Carlos Slim, der reichste Mann der Welt.
Bild: Keystone

Ob Erfolg glücklich macht, ist eine viel diskutierte, nicht abschliessend geklärte Frage. Ebenso unklar ist, ob Talent, Fleiss und Bildung über unternehmerischen Erfolg und Misserfolg entscheiden oder ob es reine Glückssache ist, dass einer reüssiert und der andere scheitert. Es gibt sehr erfolgreiche Unternehmer, die freimütig bekennen: 50 Prozent verdanken sie dem Zufall. Mindestens. Statistisch erhärtet ist, dass sich glücklich schätzen darf, wer die ersten fünf Jahre nach der Firmengründung übersteht: Die Hälfte aller Unternehmen bleibt in dieser Zeit auf der Strecke. Was aber zeichnet die anderen aus?

Professor Claudio Loderer und sein Team vom Institut für Finanzmanagement der Universität Bern haben sich dieser Thematik unlängst angenommen. Ganz unvoreingenommen waren die Wissenschaftler in dieser Sache nicht. Denn: Sollte sich herausstellen, dass Glück ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist, warum sollten Unternehmer dann Zeit und Geld in eine universitäre Ausbildung oder einen MBA-Abschluss investieren?

Eine erste Annäherung mittels Regressionsanalyse förderte Erschreckendes zutage: Das wissenschaftliche Modell mit hundert persönlichkeits- und firmenspezifischen Variablen vermochte maximal 30 Prozent des Erfolgs einer Firma zu erklären. Setzt man den grossen nicht erklärbaren Teil mit Zufall gleich, kommt man zum Schluss, Erfolg sei hauptsächlich Glückssache. Claudio Loderer und sein Assistent Diego Liechti wollten das so nicht stehen lassen und fragten in einem zweiten Schritt rund 40'000 zufällig ausgewählte Unternehmer nach ihrer Einschätzung. Und tatsächlich fiel das Resultat nun anders aus: Zwar blieb das Glück mit bis zu einem Drittel Einfluss auf das Firmenergebnis ein wichtiger Faktor – Fleiss, Talent, Erfahrung, Ausbildung und Netzwerk wurden aber als bedeutender eingestuft.

«Das Glück bleibt ein wichtiger Faktor»

Nun könnte man einwenden, solche Selbsteinschätzungen seien trügerisch – welcher Unternehmer gibt schon gerne zu, dass er die Sache nicht im Griff hat und vom Zufall abhängig ist? Loderer und Kollegen befragten deshalb eine Kontrollgruppe, bestehend aus Angestellten. Diese bewerteten die Bedeutung des Glücks gleich.

In einem dritten Schritt fragten die Forscher, wie die Einstellung zum Glück Handlungen beeinflusst. Sie fanden heraus, dass Menschen, die glauben, Erfolg hänge wesentlich vom Zufall ab, davor zurückschrecken, Unternehmer zu werden – mit Ausnahme jener, die über wenig Bildung verfügen. Bildung, Erfahrung und ein gutes Netzwerk erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine Firma gründet – es sei denn, er arbeitet in einem Grossunternehmen. Wer schon einmal als Unternehmer gescheitert ist, gründet mit grosser Wahrscheinlichkeit nochmals eine Firma.

Und was bedeutet all das für die Praxis? «Wir können jetzt auf gesicherter Basis den jungen Menschen sagen: Investiert in eure Ausbildung und strengt euch an, das zahlt sich aus!», sagt Claudio Loderer und fügt dann an: «Das Glück bleibt allerdings ein wichtiger Faktor. Persönlich habe ich das Gefühl, dass sehr vieles in meinem Leben vom Zufall geleitet war.» Man könnte auch sagen: Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. (Der Bund)

Erstellt: 15.11.2011, 13:47 Uhr

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1 Kommentar

Christoph Vogt

15.11.2011, 15:48 Uhr
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Zum Thema eine Aussage von Curt Goetz „Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, daß die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.” Antworten



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