Frauen stecken in der Falle
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 15.06.2010 69 Kommentare
Frauen verdienen noch immer ein Viertel weniger als Männer – Grafik vergrössern
Was Frauen tun müssen, um einen höheren Lohn auszuhandeln
Interesse: Nehmen Sie Ihren Lohn wichtig. «Mir begegnen oft Frauen, die sagen, der Lohn sei nicht so wichtig, solange das Team und die Inhalte der Arbeit stimmten», sagt Kathrin Arioli, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. «Das ist gut und recht, aber trotzdem soll das Unternehmen anständig für die geleistete Arbeit zahlen.» Sie selbst wurde kaum je von einer Frau beim ersten Einstellungsgespräch gefragt, wie viel man verdiene. «So etwas erstaunt mich», sagt Arioli.
Information: Informieren Sie sich über die gängigen Löhne. Und zwar nicht nur bei Kolleginnen, wie Harvardprofessorin Hannah Riley Bowles herausstreicht, sondern auch bei Kollegen: «Sonst orientiert man sich von Anfang an an einem zu tiefen Niveau.»
Argumente: Erstellen Sie eine Liste der Leistungen, die Sie fürs Unternehmen erbracht haben. «Bloss zu sagen: Mein Kollege verdient mehr als ich, ist der falsche Weg», sagt Sabine Schmelzer vom Verband Business & Professional Women Switzerland. Der Verband hat im März den Equal Pay Day organisiert und bietet in diesem Zusammenhang Kurse für Lohnverhandlungen an.
Fettnäpfchen: Bringen Sie in den Lohnverhandlungen kein externes Jobangebot zur Sprache. Das erhöht zwar Ihre Chance auf eine Lohnerhöhung, wie Riley Bowles Forschung zeigt. Frauen machen sich dadurch aber sehr unbeliebt. Die versteckte Drohung widerspricht dem Bild der loyalen Frau. Das führt dazu, dass Chefs nicht mehr mit ihr arbeiten wollen. Männer haben dieses Problem übrigens nicht.
Nicht aufgeben: Geben Sie nicht zu schnell auf. «Man darf sich nicht gleich abschrecken lassen, wenn das erste Nein vom Chef kommt», sagt Unternehmerin Schmelzer. Statt das Nein sofort zu akzeptieren, sollten Sie verhandeln. Und sich vorher genau überlegen, wie gross der Spielraum ist. (aba)
Frauen verdienen in der Schweiz 76 Rappen gegenüber jedem Franken, den ein Mann kassiert – eine Differenz von 24 Rappen. Davon lassen sich 14 Rappen erklären: Frauen arbeiten eher in Tieflohnbranchen, haben weniger Berufserfahrung, übernehmen seltener Führungsposten oder sind schlechter ausgebildet. Die restlichen 10 Rappen verdient Frau nur deshalb weniger, weil sie kein Mann ist.
Ein Grund dafür ist: «Frauen schneiden bei Lohnverhandlungen systematisch schlechter ab», sagt Kathrin Arioli, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. Bisher ging man davon aus, dass Frauen schlechter verhandlen als Männer. Entweder, weil sie gar keine Lohngespräche führen oder zu wenig konsequent auftreten. Wären Frauen mehr wie Männer, so der Vorwurf, wäre die Lohnungleichheit behoben.
Chefs finden sie weniger nett
Eine neue Studie zeigt nun, dass das nicht stimmt. Im Gegenteil. Gerade weil Frauen sich wie Männer verhalten, stecken sie in der Falle. Das Problem: Chefs nehmen Frauen die Frage nach einer Lohnerhöhung grundsätzlich übel. Das hat Harvardprofessorin Hannah Riley Bowles mit einer ganzen Reihe von Verhandlungsexperimenten nachgewiesen. «Vorgesetzte empfinden eine Frau, die mehr Lohn will, automatisch als weniger nett und ihre Ansprüche als übertrieben. Das führt dazu, dass Frauen seltener eine Lohnerhöhung bekommen und ihre Vorgesetzten weniger gern mit ihnen arbeiten», sagt Riley Bowles.
In den Augen der Chefs übertreten die Frauen eine Grenze: «Sie ritzen das gesellschaftliche Rollenbild», sagt die Amerikanerin. Demnach müssen sich Frauen um andere kümmern. Männer hingegen müssen ihre Familie ernähren. Vor diesem Hintergrund macht es laut Riley Bowles sogar Sinn, dass Frauen seltener höhere Löhne verlangen. «Sie nehmen das Risiko instinktiv wahr und gehen dem Konflikt aus dem Weg.»
«Frauen verhalten sich nicht einfach falsch»
Für Kathrin Arioli von der Gleichstellungsstelle ist die Studie eine Bestätigung: «Die wertvollste Erkenntnis ist: Frauen verhalten sich nicht einfach falsch.» Die Verwirklichung der Lohngleichheit sei nicht Aufgabe der Frauen, sondern der Chefs und Firmen. Auch Sabine Schmelzer vom Verband Business & Professional Women Switzerland weiss aus Erfahrung, dass eine Frau, die dasselbe tut wie ein Mann, anders angesehen wird: «Wird eine Frau laut, ist sie hysterisch. Wird ein Mann laut, ist er energisch.»
Riley Bowles empfiehlt daher, dass die Frauen ihren Ton und ihre Strategie im Lohngespräch sorgfältig wählen: «Frauen machen einen besseren Eindruck, wenn sie ihren Chefs vermitteln, dass ihnen das Unternehmen wichtig ist.» Das allein bringt aber noch keine Lohnerhöhung. Darum rät die Professorin den Frauen, gleichzeitig zu erklären, wieso ihre Ansprüche gerechtfertigt seien. Zwei Szenarien hat sie in Experimenten erfolgreich getestet. Erstens: Die Frauen sagten, ihr Teamleader habe sie angewiesen, mehr Lohn zu verlangen. Zweitens: Die Frauen stellten ihre Verhandlungsfreudigkeit als eine Fertigkeit dar, die ihnen im Job hilft.
Wissen zunutze machen
Auch Schweizer Expertinnen raten den Frauen, sich das Wissen um die Reaktionen der Chefs zunutze zu machen. «Einen Teamleiter vorzuschieben, finde ich aber daneben», sagt Arioli. «Wenn sich die Frauen nur noch innerhalb von Stereotypen bewegen dürfen, ist das ein Rückschritt für die Sache.»
Riley Bowles widerspricht: «Jedes Mal, wenn eine Frau erfolgreich mehr Lohn aushandelt, ebnet das anderen Frauen den Weg.» Denn je mehr Frauen gut verdienten, desto schneller ändere sich das Rollenbild. Und damit sei am Ende allen geholfen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.06.2010, 22:50 Uhr
Kommentar schreiben
69 Kommentare
Schön, dass sich hier bis jetzt fast nur Männer melden, die erklären, wieso es gerechtfertigt ist, dass Frauen weniger verdienen. So lange solche Meinungen offenbar gang und gäbe sind, ist es kein Wunder, dass Frauen lohnmässig diskriminiert werden. Viele Frauen würden vielleicht gerne 100 Prozent arbeiten, aber wenn der Mann viel mehr verdient, stecken sie halt zurück, sobald Kinder da sind! Antworten
Wirtschaft
- 16:18Noch mehr Konkurrenz für Nespresso
- 13:54Spanien will seine Banken selber sanieren
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
Wirtschaft
- 16:18Noch mehr Konkurrenz für Nespresso
- 13:54Spanien will seine Banken selber sanieren
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
3308 Stimmen

















































































