Wirtschaft

«Aus Chinesen Schweden machen zu wollen, wäre falsch gewesen»

Mexiko, USA, China: Ikea-Manager Sascha Zahnd weiss, was es für eine internationale Karriere braucht. Und er möchte sein Knowhow an Nachwuchsmanager weitergeben.

Als Ikea-Divisionsleiter in Shanghai hat er seinen Horizont exponentiell erweitert: Sascha Zahnd.

Mentoring-Programm

Der «Tages-Anzeiger» stellt in loser Folge Persönlichkeiten aus der Schweizer Wirtschaft vor. Diese begleiten und fördern im Rahmen des Mentoring-Programms Young Leader des Swiss Leadership Forum, des Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie und von Alpha.ch je eine junge Nachwuchs-Führungskraft. Heute stellen wir Sascha Zahnd, Manager beim Möbelkonzern Ikea, vor. Bereits erschienen sind Beat Schwab, Geschäftsführer von Wincasa; Hans-Peter Fässler, früherer Geschäftsführer von De Sede; Roland Rigoni, Verkaufsleiter bei 3M Schweiz; Christian Hafner, Geschäftsführender Teilhaber bei der Privatbank Wegelin; Gabriela Manser, Geschäftsführerin der Mineralquelle Gontenbad; Roger Lamm, Geschäftsführer Region Zürich der Securitas. Die Mentoren suchen ihre Schützlinge aus den Bewerbungen aus. Gemeinsam vereinbaren die beiden, wie die Zusammenarbeit ablaufen soll. Interessenten finden auf www.alpha.ch/youngleader ein Bewerbungsformular. Neben Angaben zur Motivation, am Programm teilzunehmen, und zu eigenen Erfolgen ist ein Lebenslauf einzureichen. Der TA und der Tamedia-Kadermarkt Alpha.ch sind Medienpartner des Swiss Leadership Forum. (vin)

Stichworte

Sascha Zahnd wusste schon früh, was er will. «Ich möchte die HWV machen und dann Unternehmer oder Manager werden», liess der Primarschüler seinen Lehrer wissen. Heute, 25 Jahre später, arbeitet der HWV-Absolvent als Manager für den schwedischen Möbelgiganten Ikea. Nach Lehrjahren und ersten Managementerfahrungen im damaligen Hauptsitz Südeuropas, bei Ikea Basel, wirkte er die letzten acht Jahre in Mexico City, New York und Shanghai.

Sascha Zahnd hatte bewusst nach Jobmöglichkeiten im Ausland gesucht. «Von der Erfahrung in einer Führungsposition in verschiedenen Kulturen und Märkten habe ich mir erhofft, persönlich und beruflich zu wachsen und mich weiterzuentwickeln», sagt der 35-jährige Ikea-Manager. «Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.»

Ikea-Divisionsleiter in Shanghai

Er spricht von einem Lerneffekt, den er in der Schweiz nie erlebt hätte. «Das Wort Komplexität bekommt eine neue Bedeutung, und der Horizont wird exponentiell erweitert.» Es seien ganz andere Dimensionen, ob man in einem Markt mit 7 Millionen, 300 Millionen oder 1,3 Milliarden Menschen arbeite. Auch funktionierten Beamtenstellen, Medien und Arbeitnehmermärkte ganz anders als in der Schweiz.

Mit dem Wechsel nach China ging für Sascha Zahnd vor vier Jahren ein Traum in Erfüllung. Shanghai, die rasant wachsende Wirtschaftsmetropole, wurde sein Arbeitsort. Dort war vor zwölf Jahren das erste Ikea-Möbelhaus Chinas eröffnet worden. Als Divisionsleiter Supply für Asien war Sascha Zahnd verantwortlich für den Aufbau einer effizienten Organisation mit besonderem Augenmerk auf die kulturelle Situation. Dabei verfolgte er das Ziel, die schwedische Firmenkultur von Ikea mit der chinesischen Mitarbeiter- und Marktkultur so gut wie möglich zu verschmelzen.

«Aus Chinesen Schweden machen zu wollen, wäre der falsche Weg gewesen», sagt Sascha Zahnd. Im Umgang mit den Chinesen sei es wichtig, Vertrauen für eine langfristige Beziehung aufzubauen. Chinesen seien zunächst skeptisch und zurückhaltend gegenüber Ausländern, sie seien auch an kurzfristigen Vorteilen orientiert, sagt der Ikea-Manager. Darum müsse man ihnen klar machen, dass sie erfolgreicher sein können, wenn sie langfristig kooperieren.

Das Billy-Regal als Luxusartikel

Eine weitere Aufgabe von Sascha Zahnd war die Optimierung der sogenannten Wertschöpfungskette – vom Einkauf des Rohmaterials bis zum Verkaufsplatz im Regal des Endprodukts.

In den ersten Jahren in China hatte Ikea mit einem Hochpreis-Image zu kämpfen. Schon ein Billy-Regal war für den chinesischen Durchschnittsverdiener ein Luxusartikel. Dies hat sich inzwischen geändert, weil Ikea die Preise massiv gesenkt hat und weil die Durchschnittslöhne der Chinesen gestiegen sind. Vor allem die jüngere Generation kauft gerne bei Ikea ein. Und jetzt gibt es eine grosse Mittelschicht, die Ikea als Zielgruppe braucht. Der schwedische Möbelkonzern macht in Asien einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro – das ist etwa fünf Prozent des Weltumsatzes. Das ist aber erst der Anfang, denn in China erscheint überproportionales Wachstum möglich.

Acht Einrichtungshäuser in China

Die Idee, den chinesischen Markt zu erobern, stammt von Ingvar Kamprad, dem legendären Gründer von Ikea, der trotz seines Alters von 84 Jahren immer noch die prägende Figur des Unternehmens ist. «China ist unerhört interessant», sagte Kamprad 1995 in einem Interview mit der Zeitung «Svenska Dagbladet». «Ein noch so kleines Bücherregal für jeden Chinesen macht schon ziemlich viel Umsatz», scherzte der Ikea-Patron. Inzwischen betreibt Ikea acht Einrichtungshäuser in China.

Vor ein paar Wochen hat sich Sascha Zahnd von Shanghai verabschiedet. Nach zehn Jahren Ikea gönnt er sich eine Auszeit von sechs Monaten, ehe er in einer neuen Funktion die Arbeit beim Möbelkonzern wieder aufnimmt. Zur Diskussion stehen Schweden, Italien oder die Schweiz. So viel ist schon sicher: Es wird eine strategische Aufgabe mit Führungsverantwortung.

Offenheit und Ausdauer

Ein paar Jahre im Ausland zu arbeiten, kann Zahnd nur empfehlen. Klar, es falle nicht leicht, sich für längere Zeit von Familie und Freunden zu trennen. Zudem müsse man je nach Land auf Gewohntes verzichten – das gehe vom Essen über frische Luft bis zur freien Meinungsäusserung. Wer sich im Ausland und insbesondere in einem kulturell anderen Land durchsetzen wolle, müsse Offenheit, Ausdauer und Einsatzwillen mitbringen.

Sein Knowhow will er nun als Mentor jungen Führungskräften zur Verfügung stellen (siehe Box links). «Wenn man eine internationale Karriere machen will, muss man entweder viel Glück haben oder sehr konzeptionell ans Werk gehen», sagt Sascha Zahnd. «Dabei kann ich mit meinen Erfahrungen und Kontakten helfen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2010, 17:03 Uhr

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