Franken und Rappen sind Ausländer

Weshalb nennen wir eine Bank Bank? Wie kam Liechtenstein auf den Franken? Und bei welchem Punktestand startete der Dow Jones? Ein neues Büchlein klärt diese und andere Fragen.

Erst 1907 gab die Nationalbank ihre ersten Noten heraus.

Erst 1907 gab die Nationalbank ihre ersten Noten heraus. Bild: Adrian Moser

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Mit der Bank verhält es sich einfach: Im Althochdeutschen war damit der Tisch eines Geldwechslers gemeint. Der Tisch stand ursprünglich nicht in einer Filiale, sondern im Freien. Auf ihm stapelten sich die zum Tausch bereiten Münzen, wie Thomas Weibel in seinem jüngst erschienenen Büchlein «Bare Münze» schreibt. Der frühere «Bund»-Redaktor und heutige Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur erzählt in 49 Episoden verschiedene Geschichten rund um das Geld. Zur Urform der Bank gibt es noch anzufügen, dass die Gläubiger diese im Falle eines Bankrotts zu Kleinholz schlugen. Davon zeugt die italienische Wortschöpfung banca rotta, die vom italienischen Verb rompere (zerbrechen oder zerschlagen) abgeleitet ist.

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Nachdem mit dem Römischen Reich auch das einheitliche Währungssystem untergegangen war, kam es in Europa zum Münz-Wildwuchs. Karl der Grosse wollte dem ein Ende bereiten. Er ordnete im Jahr 739 ein neues System an: 12 Silberpfennige ergeben einen Schilling, 20 Schillinge wiederum ein Pfund. Der Name war Programm: Aus einem damaligen Pfund Silber wurden genau 20 Schillinge bzw. 240 Pfennige geschlagen. Autor Weibel nennt die Währung den «Euro des Mittelalters». Mit der Zeit wurde sie jedoch von Währungen im Dezimalsystem abgelöst – nur in Grossbritannien konnte sich das umständliche System bis 1971 halten. Das Pfund lebt bis heute weiter, und auch mit Schillingen wird in Kenia, Somalia, Tansania und Uganda immer noch bezahlt.

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Wenn es in den Medien heisst, ein Unternehmen verkaufe sein Tafelsilber, dann ist das ein Sprachbild. Gemeint sind etwa Immobilien, die zu Geld gemacht werden können. Den Ausdruck konnte man früher aber auch wörtlich verstehen: So musste der römisch-deutsche König Maximilian I. im Jahr 1496 sein silbernes Besteck aus Geldnot verpfänden. Der preussische König Wilhelm I. wiederum liess aus seinem Tafelsilber Münzen prägen, wenn die Staatskasse leer war.

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War Napoleon Bonaparte ein Tyrann oder ein Modernisierer? In Falle der Währung trifft Letzteres zu: Nach der Eroberung der Eidgenossenschaft 1798 sollten die kantonalen Währungen wie Batzen oder Taler durch den Franken ersetzt werden. Doch das Projekt scheiterte, weil zu wenig Silber für die neuen Münzen vorhanden war. Erst nach der Gründung des Bundesstaats 1848 wurde die Schweizer Einheitswährung Realität. Den Rappen gab es hierzulande bereits länger. Das kam so: In Freiburg im Breisgau wurden Pfennigmünzen mit Adlerkopf geprägt. Das Volk bezeichnete den Adler aber als Raben, woraus der Rappen entstand. 1387 beteiligten sich verschiedene Schweizer Kantone, darunter auch Bern, am Rappenmünzbund. Dieser sollte den Handel erleichtern. «Der Franken aus Frankreich, der Rappen aus Süddeutschland – die Schweizer Währung ist eine Ausländerin», schreibt Weibel.

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Nicht nur bei den Münzen, auch bei den Banknoten herrschte in der Schweiz Wildwuchs. Denn die Nationalbank gab ihre ersten Noten erst 1907 aus – vorher waren die Banken frei, ihre eigenen Banknoten zu drucken. Die allererste Bank, die diesen Schritt machte, war die Deposito-Cassa der Burgergemeinde Bern, heute bekannt als DC Bank. Die Bank gab in ihrem Gründungsjahr 1825 eine Note im Wert von 500 französischen Francs aus. De facto handelte es sich um einen Gutschein für die Aushändigung des entsprechenden Betrags. Andere Banken zogen nach, so 1834 die Berner Kantonalbank. Doch im Alltag spielten die Münzen noch lange die grössere Rolle.

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Das Nachbarland Liechtenstein fühlte sich Österreich lange näher als der Schweiz. Und so zahlte man in der Mini-Monarchie mit der Währung der Donaumonarchie. Doch mit dem Ersten Weltkrieg begann in Österreich-Ungarn die Inflation, die auch Liechtenstein empfindlich traf. Viele Bürger gingen nach und nach dazu über, inoffiziell mit dem Schweizer Franken zu zahlen, um der Geldentwertung zu entgehen. Und so beschloss der liechtensteinische Landtag am 11. April 1924, den Franken zum offiziellen Zahlungsmittel zu machen. Die Referendumsfrist verstrich ungenutzt, und so wurde der Wechsel der Landeswährung am 26. Mai 1924 Realität.

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Wer in den USA Geld anlegt, wirft gerne einen Blick auf den Dow-Jones-Index. Was nur wenige wissen: Der Börsenindex der 30 grössten US-Unternehmen wird für seine Aussagekraft oft kritisiert. Denn die Zusammenstellung des Indexes obliegt nicht der New Yorker Börse selbst, sondern dem «Wall Street Journal». Das geht auf den Journalisten Charles Dow zurück, der den Index 1884 ersann. Zusammen mit seinem Kollegen Edward Jones gab er das Vorgängerblatt des «Wall Street Journal» heraus. Der erste Index enthielt Aktien von elf Unternehmen, neun davon Eisenbahngesellschaften. Und er enthielt noch keine Gewichtung, was später korrigiert wurde. Zwei Jahre später entwickelte Charles Dow den Dow Jones Industrial Average. Der Index startete bei knapp 41 Punkten – heute, 131 Jahre später, steht er bei 20 900 Punkten.

Thomas Weibel: Bare Münze. Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt. 2017, 132 Seiten, 24 Fr (Der Bund)

Erstellt: 02.05.2017, 07:35 Uhr

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