Wirtschaft

Verdreifachter Lohn für neuen SNB-Direktor

Von David Vonplon. Aktualisiert am 19.04.2012 78 Kommentare

Mit reichlich Vorschusslorbeeren setzt sich Fritz Zurbrügg an die Seite von Thomas Jordan. Obwohl parteilos, zeigt sein Smartvote-Profil eine bestimmte Gesinnung.

Wurden an der gestrigen Medienkonferenz für ihre Ämter ernannt: Fritz Zurbrügg (links) als Mitglied des dreiköpfigen Nationalbank-Direktoriums und Thomas Jordan, Präsident der SNB.

Wurden an der gestrigen Medienkonferenz für ihre Ämter ernannt: Fritz Zurbrügg (links) als Mitglied des dreiköpfigen Nationalbank-Direktoriums und Thomas Jordan, Präsident der SNB.
Bild: Keystone

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Vor allem wegen seiner exzellenten Beziehungen zu Zentralbankern, Starökonomen und US-Wirtschaftspolitikern schien Philipp Hildebrand als Nationalbank-Präsident nur schwer ersetzbar. Jetzt aber rückt mit Fritz Zurbrügg ein Mann ins dreiköpfige Direktorium der Nationalbank (SNB) nach, dem ebenfalls beste internationale Kontakte nachgesagt werden: Der äusserst sprachgewandte Vorsteher der Finanzverwaltung hat sich als langjähriger Exekutivdirektor im Schweizer Büro beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein herausragendes Beziehungsnetz zu hochrangigen Beamten der USA sowie IWF und Weltbank erarbeitet.

Der 52-Jährige Berner wechselt nach nur zwei Jahren als oberster Kassenwart des Bundes ins SNB-Direktorium; und das in einer Phase, in der er sich eben erfolgreich daranmachte, aus dem Schatten seines Vorgängers Peter Siegenthaler herauszutreten. «Mich überrascht, dass Zurbrügg nach nur so kurzer Zeit die Finanzverwaltung verlässt», sagt deshalb Kurt Grüter, Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle und früherer Weggefährte. Zurbrügg selber erklärte, er nehme eine Chance wahr, die sich ihm nicht alle Tage biete. Zumal er sich als Makroökonom beim IWF lange Zeit mit geldpolitischen Fragen beschäftigt habe.

Kein Spezialist für Finanzmarktregulierung

Was dem Berner den Wechsel wesentlich erleichtern dürfte: Als SNB-Direktoriumsmitglied kommt Zurbrügg auf eine jährliche Vergütung in der Höhe von ca. 880'000 Franken, zuzüglich Pensionskassenbeiträgen in der Höhe von 170'000 Franken. Als oberster Kassenwart des Bundes verdient er ungefähr ein Drittel dieses Betrages.

Mit Zurbrügg kommt ein Mann zur Nationalbank, dem grosse Fähigkeiten nachgesagt werden: Ein ehemaliger Spitzenbeamter der Finanzverwaltung sagt, Zurbrügg zeichne sich nicht nur durch seine «Loyalität» und «Integrität» aus. Er finde auch leicht Zugang zu anderen Menschen und verfüge ausserdem über eine aussergewöhnlich rasche Auffassung. So habe sich dieser innert kürzester Zeit in die Geheimnisse des Bundeshaushalts eingearbeitet. Das Gleiche werde Zurbrügg auch bei der Nationalbank gelingen. Ein Defizit sei allerdings, dass ihm Kenntnisse aus dem kommerziellen Bankgeschäft fehlten. Auch sei Zurbrügg kein Spezialist für Finanzmarktregulierung. Man könnte auch sagen: Hatte die SNB mit Hildebrand einen ehemaligen Hedgefonds-Manager im Direktorium, fehlt dem SNB-Führungstrio nun der Praxisbezug. Es setzt sich aus zwei Wissenschaftlern und einem früheren Beamten zusammen.

«Noch nicht krisenerprobt»

Auch im Parlament ist keine Kritik zu vernehmen. SP-Nationalrätin Margrit Kiener Nellen hat Zurbrügg als «hoch kompetent» und «zuverlässig» bezeichnet. CVP-Fraktionspräsident Urs Schwaller lobt ihn als «Autorität», die im Finanzdepartement längst anerkannt sei. Auch SVP-Finanzpolitiker Hans Kaufmann haben Zurbrüggs fachliche Fähigkeiten überzeugt. Jedoch müsse dieser noch den Nachweis erbringen, sich auch in Krisen zu bewähren.

Zurbrügg selbst ist parteilos und bezeichnet sich als «Technokraten». Gemäss Smartvote-Umfrage steht er politisch den Grünliberalen am nächsten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2012, 21:52 Uhr

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78 Kommentare

Rita Vögeli

19.04.2012, 09:11 Uhr
Melden 204 Empfehlung 0

Beziehungen zu.... das ist wohl das Wichtigste? Wenn es allen schlecht geht die Bankiers schwimmen immer obenauf. Wenn man alles in Betracht zieht sind es nicht die 'faulen' Bürger welche die Krise verursacht haben- sondern die geldgierigen und verantwortungslosen Bankiers und Politiker. Aber die Bankiers belohnt man und das Volk geht zugrunde. Antworten


Philipp Rittermann

19.04.2012, 09:00 Uhr
Melden 142 Empfehlung 0

prima...nun haben wir einen überbezahlten, pseudo-liberalen technokraten an der spitze der snb. nicht gut. Antworten



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