Und wieder gehts abwärts

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 08.09.2010 16 Kommentare

Die Hoffungen auf den neuen Monat haben sich zerschlagen. An den Börsen hat die keimende Hoffnung wieder Ängsten Platz gemacht.

Auch die jüngsten Daten schaffen keine Klarheit: Händler an der New Yorker Börse.

Auch die jüngsten Daten schaffen keine Klarheit: Händler an der New Yorker Börse.
Bild: Keystone

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Im September wird alles besser: Das hofften die Anleger nach dem tristen August. Die Wünsche schienen sich zu erfüllen, exakt zu Monatsbeginn haben die Börsen weltweit wieder zugelegt. Doch schon gestern wurde die Glückssträhne wieder unterbrochen, die Kurse gaben nach, heute Morgen geht der Abwärtstrend weiter. Unmittelbarer Grund dafür sind erneut aufgekommene Ängste um die europäischen Banken. Deren Aktien sind es denn auch, die am deutlichsten Federn lassen müssen. Auch heute Morgen liegt die UBS erneut 2 Prozent im Minus, die Credit Suisse rund 1 Prozent.

Die jüngste Entwicklung der Aktienkurse ist typisch für das ganze Jahr: Sie schwanken zwischen Hoffnung und Angst. Weder die Optimisten noch die Pessimisten können sich mit ihren Szenarien durchsetzen. Doch jede neu eintreffende Kennzahl, die Wasser auf die Mühle des einen oder des anderen Lagers ist, treibt kurzfristig die Kurse.

Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage

Am Freitag waren es vor allem Daten aus den USA, die an den Börsen bis zum Montag wieder Mut gemacht haben. Die grösste Bedeutung kam dem ISM Manufacturing zu: einer Indexzahl zum verarbeitenden Gewerbe, die auf einer umfassenden Umfrage unter Einkaufsmanagern von Unternehmen beruht. Die Zahl ist deutlich besser ausgefallen als erwartet. Bei Analysten keimt dadurch die Hoffnung auf, dass die US-Wirtschaft doch nicht, wie von vielen befürchtet, erneut in eine Rezession zurückfällt. Ebenfalls positiv aufgenommen wurden auch die neusten Daten zum US-Arbeitsmarkt, die ebenfalls am Freitag veröffentlicht worden waren. Sie sind zwar ebenfalls besser als erwartet, doch diese Erwartungen waren extrem tief. Eine deutliche Erholung der US-Konjunktur zeigen sie jedenfalls nicht an.

Weil aber die Märkte vom tiefsten Pessimismus dominiert waren, hat auch der geringste Optimismus ausgereicht, um die Kurse nach oben zu drehen. Umgekehrt hat aber bereits ein Artikel im «Wall Street Journal» gereicht, um die Stimmung wieder zu kippen. Im Artikel werden Zweifel am Stresstest geäussert, mit dem die EU-Staaten die Stabilität ihrer Finanzinstitute belegen wollten. Die Zweifel haben vor allem den Banktiteln zugesetzt, aber auch dem Euro. Gegenüber dem Franken ist die Gemeinschaftswährung auf einen erneuten Rekordtiefststand unter 1.28 gefallen.

Die Schwankungen halten an

Nichts spricht dafür, dass die Aktienbörsen demnächst von diesen Unsicherheiten befreit werden. Letztlich spiegeln sie nur die Unsicherheit der Konjunkturbeobachter zum weiteren Wirtschaftsverlauf. Da halten es viele für die beste Taktik, bei erneuten Tauchern zuzukaufen, viele Institute empfehlen das ihren Kunden auch. Die Kehrseite ist, dass bei jedem Zwischenhoch die Finger der Anleger auf dem Verkaufsknopf liegen, riskieren will man schliesslich nichts. Daraus resultieren die Schwankungen der Kurse weltweit. Für Kleinanleger ist dieses Vorgehen allerdings hoch riskant und angesichts hoher Gebühren auch teuer.

Schaut man sich die Berichte der Analysten an, zeigt sich die Unsicherheit auch da. Die Zürcher Kantonalbank zum Beispiel setzt wieder mehr auf Optimismus und hat eben ihre Aktienquote erhöht. Für Sarasin dagegen hat der Kapitalerhalt momentan die grösste Priorität, entsprechend hat diese Bank die Aktienpositionen stark reduziert. Die Credit Suisse hält kurzfristig das Abwärtsrisiko für grösser, doch mittel- und langfristig sollten die Kurse wieder steigen, die Bewertungen seien attraktiv. Die Bewertungen setzen vor allem auf die Gewinnerwartungen der Unternehmen. Die Saxo-Bank hält die Erwartungen dazu im Markt für zu hoch, da die Unternehmen ihre Produktivität kaum mehr deutlich steigern könnten. Und wenn, dann nur auf Kosten der Löhne. Im ersten Fall würden die Margen leiden, im zweiten die Nachfrage – in beiden Fällen daher die Gewinne und damit die Aktienkurse. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2010, 11:59 Uhr

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16 Kommentare

ueli raez

08.09.2010, 12:36 Uhr
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Der Marktmechanismus ist eigentlich uralt, auch an der Börse. Bei inflationsbereinigter Stagnation, kann man einfach nicht von happigen Gewinnen an Börsen ausgehen. Die Goldgräberstimmung ist schon seit langem tot. Mit Volatilität können wirklich nur Profis Gewinne scheffeln, wie der Autor richtig schreibt. Sichere Werte sind gefragt, wie Immobilien, mit immerhin eines gewissen Inflationsschutzes. Antworten


Urs Honegger

08.09.2010, 12:30 Uhr
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Wer hört noch auf die Analysten? Jede Aussage zu einer Tendenz wird irgend wann mal wahr. Wer die Börsenzyklen analysiert, wird feststellen, dass er aus diesen klüger wird als aus den vagen Aussagen der Analysten. Antworten



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