Wirtschaft

Spekulanten investieren in Whistleblowers

Von Martin Killian. Aktualisiert am 21.05.2010 2 Kommentare

Die Anzeige wegen Steuerhinterziehung gebärt ein neues Geschäft: Hedgefonds schiessen den Informanten die Belohnung vor.

Er brachte den Fall UBS ins Rollen: Der Whistleblower Bradley Birkenfeld

Er brachte den Fall UBS ins Rollen: Der Whistleblower Bradley Birkenfeld
Bild: Keystone

In den USA erschliesst sich Investoren und Hedgefonds eine ungewöhnliche neue Spekulationsquelle: Laut einem Bericht der «New York Times» zahlen Investoren Whistleblowers, die Steuersünder anzeigen, einen Teil der erwarteten Belohnung vorab und streichen später den Grossteil der Überweisung vom Staat ein.

Früher landeten nur wenige Tipps bei den Behörden. Und meist ging es um kleine Beträge, die am Fiskus vorbeigeschleust worden waren.

Nachdem jedoch die US-Steuerbehörde IRS vor drei Jahren ihr Whistleblower-Programm erheblich ausgeweitet und die Belohnungen für das Anzeigen von Steuerhinterziehungen kräftig erhöht hatte, begann sich ein regelrechter Markt für Informanten-Futures zu entwickeln. Die IRS belohnt einen Whistleblower inzwischen mit 15 bis 30 Prozent der hinterzogenen Summe. Darauf spezialisierte Rechtsanwälte verhandeln mit Hedgefonds und anderen Investoren für ihre Klienten, die Belohnungen in Millionenhöhe von der IRS erwarten.

Credit Suisse fast mit dabei

Der «New York Times» zufolge erwog sogar die Credit Suisse, in einen IRS-Informanten zu investieren. Sie ist mittlerweile jedoch laut eigenen Angaben davon abgerückt. Der Erfolg des IRS-Programms ist unbestritten: Buchhalter und sonstige Angestellte grosser Unternehmen klopfen in Scharen bei der Steuerbehörde an, um ihre Arbeitgeber zu verpfeifen und dafür Belohnungen in Millionenhöhe einzustreichen. Viele rücken mit Festplatten und Kisten voller Dokumente an.

Erstmals erhielt im April ein IRS-Informant, der ein Unternehmen wegen Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe angezeigt hatte, im Zuge eines Deals mit einem Hedgefonds vier Millionen Dollar. Den Rest der IRS-Belohnung erhalten die Investoren des Hedgefonds, sobald die Steuerfahnder die tatsächliche Summe errechnet haben. Sein Mandant, so Eric Havian, der Anwalt des Whistleblower, habe Probleme, Arbeit zu finden, und sei deshalb bereit gewesen, auf die volle Summe zu verzichten.

Anwälte organisieren Seminare

«Die Investoren holen sich ein grosses Stück vom Kuchen, weil sie Gefahr laufen, nichts zu bekommen, wenn die IRS nicht zahlt», sagt Havian. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, dass bis zu 65 Prozent der erwarteten Belohnung an die Investoren ausgezahlt werden. Bevor die IRS ihr Whistleblower-Programm ausweitete, gingen pro Jahr etwa 80 Tipps ein. Nun erhält die Steuerbehörde in einem einzigen Monat zwischen 40 und 50 Hinweise auf Steuerhinterziehung. Etwa 10 Prozent davon befassen sich mit Steuerhinterziehungen von über 100 Millionen Dollar. Die Geschäfte mit Whistleblowers laufen so gut, dass Anwaltskanzleien bereits Seminare einrichten zur rechtlichen Betreuung von IRS-Informanten.

Einer der bekanntesten Whistleblowers ist Bradley Birkenfeld, der den Fall UBS ins Rollen brachte und nun im Gefängnis sitzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2010, 11:22 Uhr

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2 Kommentare

Rudolf Elmer

21.05.2010, 13:14 Uhr
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Das Geschäftsmodell "Whistleblowing" ist nun angelaufen und es könnte sich gefährlich auch auf die Schweiz ausweiten. Ich habe bereits Anfragen aus der Schweiz wie man zu einem Whistleblower Award in den USA erhält. Ich denke, die Sache kann das schweizerische Bankwesen unterlaufen bzw einen gewaltigen Schaden verursachen. Antworten


ella lurino

21.05.2010, 13:35 Uhr
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Boni sind eben auch Anti-Whistleblowing-Prämien. Niedrige Chargen bekommen keine Boni, deshalb funktioniert das System dort nicht. Antworten



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