Japan hat Angst vor seiner starken Währung
Artikel zum Thema
- Börse in Tokio legt zu - Talfahrt vorerst gebremst
- In Japan ist ein Kampf um die Macht entbrannt
- Das Warten auf neuen Schub
Stichworte
Der Franken ist nicht die einzige Währung, die derzeit nie gekannte Höhen erklimmt. 1 Dollar kostet 84 Yen – 1 Euro 106 Yen. So stark war Japans Währung gegenüber dem Dollar seit 15 Jahren nicht – beim Euro ist es ein 9-Jahres-Hoch.
Angesichts der Unsicherheiten um den Euro und erneuter Rezessionsängste in den USA ist der Yen wie der Franken zur Rückzugswährung geworden, obwohl die japanische Wirtschaft ebenfalls lahmt und die Yen-Hausse auf die Kurse der Tokioter Börse drückt. Seit Anfang April hat der Leitindex 21 Prozent verloren. Besonders betroffen sind die Exportunternehmen. Die Aktie von Autobauer Nissan hat gleichzeitig um 24 Prozent nachgegeben – die von Maschinenhersteller Kubota um 27 Prozent.
Ein Jahrzehnt lang Nullzinspolitik
Nachdem Regierung und Notenbank noch Anfang Woche keine Anstalten machten, in die Devisenmärkte einzugreifen, deuteten sie nach der erneuten Talfahrt an, im September aktiv zu werden. Schwache Aktien, gekoppelt mit einem starken Yen, könnten das Vertrauen von Firmen und Haushalten zerstören, zitierte die Wirtschaftszeitung «Nikkei» einen Vertreter der Zentralbank. Selbst wenn die Möglichkeiten der Notenbank und ihre Wirkungen limitiert seien, müsse sie etwas tun. Das Finanzministerium will seinerseits Yen abstossen. Das dürfte aber wenig nützen, da EU und USA kaum bereit sein werden, Japan bei der Aktion zu unterstützen.
Einmal mehr rächt es sich, dass die Notenbank über ein Jahrzehnt an ihrer Nullzinspolitik festgehalten hat. Jetzt kann sie den Yen-Kurs nicht mit Zinskorrekturen beeinflussen, sondern muss die Geldmenge vergrössern. Der starke Yen belastet vor allem die Exportindustrie, und damit den Motor der japanischen Wirtschaft. Die Autoindustrie bezeichnete 84 Yen zum Dollar jüngst als Schmerzgrenze. Steige der Yen weiter, dann verringerten sich ihr Absatz oder ihre Profite, warnt sie. Denn das würde sich auch auf die Steuereinnahmen auswirken.
Grösste Gefahr in verstärkter Deflation
Unabhängige Experten halten die Warnung für übertrieben. Die Importe von Rohmaterial und Halbfertigprodukten werden mit dem starken Yen billiger – zumal der chinesische Yuan de facto noch an den Dollar gebunden ist. Japan bezieht nicht nur industriell hergestellte Güter, sondern auch viele Nahrungsmittel aus China. Zudem produziert seine Industrie längst nicht mehr nur in Japan, sondern auch in den USA, der EU, in China und Südostasien, wo der Yen-Kurs weniger auf die Profite durchschlägt.
Die grösste Gefahr der Yen-Hausse liegt in einer verstärkten Deflation. Japan ist seit den frühen 90er-Jahren immer wieder in die Deflation gerutscht. Je stärker der Yen, desto grösser der Deflationsdruck. Die Deflation bremst die Binnenwirtschaft unweigerlich.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.08.2010, 23:09 Uhr
WRITE A COMMENT
Wirtschaft
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.



