Finanzregulatoren preisen die Vorzüge verschärfter Bankenregeln

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 18.08.2010

Der Basler Ausschuss ist weniger pessimistisch als die Bankenlobby.

Schärfere Kapital- und Liquiditätsanforderungen für die Banken, die der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht derzeit unter dem Kürzel «Basel III» erarbeitet, dürften sich längerfristig positiv auf die Weltwirtschaft auswirken. Zudem sei in der Übergangsphase bis zur vollen Wirksamkeit der neuen Vorschriften mit relativ geringen gesamtwirtschaftlichen Einbussen zu rechnen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen zwei Berichte, die vom Basler Ausschuss und vom Financial Stability Board (FSB) verfasst und am Mittwoch veröffentlicht worden sind. Die beiden Institutionen sind damit betraut, Bestrebungen um eine verschärfte Finanzregulierung und -aufsicht auf internationaler Ebene durchzusetzen und zu koordinieren.

Die Aussagen der zwei Berichte widersprechen damit früher geäusserten Befürchtungen der Bankenlobby in erheblichem Masse. Das Institute of International Finance, präsidiert von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, hatte im Juni die Folgen dargelegt, falls die Minimalanforderung für die Kernkapitalquote (Verhältnis des Eigenkapitals zu den risikogewichteten Anlagen) um 2 Prozentpunkte erhöht würde: Die Wirtschaftsleistung in den USA, der Eurozone und Japan würde demnach in den fünf Jahren nach der Einführung um 3,1 Prozent sinken und dadurch entstünden 9,7 Millionen Arbeitsplätze weniger.

Wachstumslücke schliesst sich

Basler Ausschuss und FSB sind dagegen auf der Basis diverser Modellberechnungen zu folgendem Ergebnis gelangt: Eine Anhebung der Kernkapitalquote um 1 Prozentpunkt werde das Bruttoinlandprodukt (BIP) im Laufe von viereinhalb Jahren um höchstens knapp 0,2 Prozent senken. In den nachfolgenden acht Jahren, hält der Bericht ferner fest, werde sich diese Wachstumslücke annähernd wieder schliessen. Bei einer Erhöhung der liquiden Mittel um 25 Prozent wäre der Rückgang des BIP nicht einmal halb so gross wie beim Eigenkapital.

Diesen Berechnungen legt der Bericht die Annahme zugrunde, dass die Banken die ihnen aus «Basel III» erwachsenden Kostensteigerungen auf ihre Kunden abwälzen und sich dadurch die Investitionstätigkeit verlangsamt.

Unabhängig von der noch zu bestimmenden Übergangsfrist für die Banken – die nach früheren Äusserungen von Beteiligten wohl eher länger als kürzer sein dürfte – betonen Basler Ausschuss und FSB indes, entschiedenes Handeln bei den neuen Kapital- und Liquiditätsanforderungen werde das Vertrauen in die langfristige Stabilität des Finanzsystems auf jeden Fall stärken, sobald die Verschärfungen beschlossen seien.

Langfristig sind die Auswirkungen positiv

Was die langfristigen Auswirkungen von «Basel III» betrifft, haben die Autoren einen Kosten-Nutzen-Vergleich mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Produktion angestellt. Positiv schlägt unter anderem zu Buche, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit künftiger Bankenkrisen und der damit verbundenen Einbrüche in der Gesamtwirtschaft verringert werden kann. Dem stehen die höheren Zinslasten für Unternehmen und Konsumenten gegenüber, welche die Wirtschaftsleistung beeinträchtigen. Bei aller Unsicherheit in der Endabrechnung geht der Bericht von einem klaren Positivsaldo aus. Somit bestehe «beträchtlicher Spielraum» für verschärfte Kapital- und Liquiditätsvorschriften. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2010, 21:56 Uhr

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