Die UBS trennt sich von einem alten Zopf
Von Jürg Zulliger. Aktualisiert am 26.01.2010 8 Kommentare
Tausende von UBS-Kunden hatten in den zurückliegenden Jahren ihr Eigenheim mit einer komplizierten und schwer verständlichen Portfolio-Hypothek der UBS finanziert. Damit ist nun Schluss. (Bild: zvg)
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Mit der Einführung der Portfolio-Hypothek in den 1990er-Jahren wollte Marktleader UBS (UBSN 11.15 -0.89%) den Schweizer Hypothekarmarkt neu aufmischen. Die Innovation wurde als Ersatz der variablen Hypothek eingeführt, die früher geradezu den Status einer Volksfinanzierung innehatte. Jede Menge Transparenz und die Glättung von Zinsschwankungen – all dies verhiess die Portfolio-Hypothek. Gleichzeitig wurde die variable Hypothek vom Markt genommen und nur noch auf ausdrücklichen Wunsch vergeben. Später geriet die verschmähte variable Hypothek wieder ins UBS-Sortiment.
Ohne die eigenen Kunden oder die Öffentlichkeit darüber ins Bild zu setzen, vollzieht die UBS nun einen Rückzieher: Von der Website der Bank ist die Portfolio-Hypothek verschwunden, und sie wird von den Kundenberatern weder angeboten noch von der Bank aktiv beworben. Das bestätigt ein Sprecher der UBS: «Seit Mitte Oktober 2009 werden Portfolio-Hypotheken nicht mehr aktiv verkauft.» Auf ausdrücklichen Wunsch könnten sie aber weiterhin abgeschlossen werden.
Kaum Resonanz
Finanzierungsfachleute werten dies ein Stück weit als Eingeständnis, dass das Produkt die Bewährungsprobe nie bestanden hat: «Wenn es nicht mehr angeboten wird, fragt man sich tatsächlich, ob es ein Kundenbedürfnis dafür gibt», findet Adrian Wenger vom VZ Vermögenszentrum. Giampiero Brundia von der Hypothekenbörse AG rät Kunden mit Portfolio-Hypotheken, die Situation zu überdenken: «Im Einzelfall ist ein Ausstieg zu prüfen. Dabei sind aber auch die Ausstiegskosten zu berücksichtigen.» Weil die heutigen Zinsen auf dem Geld- und Kapitalmarkt tiefer liegen als die der Portfolio-Hypothek zu Grunde liegenden Festhypotheken, werden die Kunden gegenüber der UBS entschädigungspflichtig; je nach Produkt und Höhe der Hypothek summieren sich die Ausstiegskosten oft auf einige tausend Franken, teils bis zu einem Prozent des Hypothekarbetrags. Ein Kulanzangebot für bestehende Kunden gibt es aber nicht. «Weil die bestehenden Portfolio-Hypotheken unverändert weitergeführt werden», so der UBS-Sprecher.
Gemäss Statistik zu teuer
Ein Haupteinwand gegenüber der Portfolio-Hypothek sind die hohen Kosten. Diverse Statistiken seit den 1990er-Jahren zeigen, dass die Portfolio-Hypothek immer vergleichsweise teuer war. Auch der Vergleich über die letzten zehn Jahre bestätigt dies: Wer sein Haus am günstigsten finanzieren wollte, musste auf kurzfristige Libor-Hypotheken setzen (siehe Grafik). Auch die klassische variable Hypothek war durchaus konkurrenzfähig. Nur der relativ fantasielose Abschluss von zweimal zwei fünfjährigen Festzinshypotheken kam zwischen 2000 und 2009 noch teurer zu stehen als die Portfolio-Hypothek.
Der hohe Preis muss damit zu tun haben, dass die Portfolio-Hypothek an sich eine kurzfristige Finanzierung darstellt – der Zins macht quartalweise die Schwankungen am Kapitalmarkt mit. Refinanziert wird das Produkt aber über Festhypotheken. Weil in einem normalen Umfeld die kurzen Laufzeiten auf dem Geldmarkt immer günstiger sind als die längeren, verursacht dieses Modell höhere Kosten. Genau dies tritt auch in der aktuellen Situation ein: Während Libor-Hypotheken zu Zinsen ab 1,5 Prozent zu haben sind, zahlt man mit bestehenden Portfolio-Hypotheken wesentlich mehr, nämlich zwischen 3,2 und 4 Prozent. Wenn man annimmt, dass die Bank diese Hypotheken meist günstig auf dem Geldmarkt oder über Spargelder refinanziert, war die Portfolio-Hypothek für die UBS ohne Zweifel ein gutes Geschäft.
In der Welt eines kleinen Bankkunden wurde man aber das Gefühl nicht los, erst einmal einen IQ-Test meistern zu müssen. «Der Basiszinssatz», so heisst es im UBS-Prospekt, «ergibt sich aus dem Durchschnitt der Festzinssätze der zeitlich gestaffelten Kapitaltranchen eines Portfolios.» Dass die Kunden weder die hohen Preise noch die schwer durchschaubare Mechanik goutieren, scheint man nun auch bei der UBS realisiert zu haben. Die Bereinigung des Angebots entspreche dem Bestreben, «einfachere und verständlichere Produkte anzubieten», erläutert der UBS-Sprecher.
Zeit zum Handeln
Trost spendet da der Umstand, dass jetzt ein idealer Moment ist, um seine Finanzierung neu zu regeln: Kurzfristige Hypotheken auf Libor-Basis bleiben vorerst noch tief. Wer sich für diese dynamische Finanzierung entscheidet, muss aber die Zinsentwicklung sorgfältig im Auge haben und sich gegen Überraschungen nach oben absichern. Übrigens hat gerade die UBS bei den Libor-Hypotheken das beste Angebot auf dem Markt: eine Libor-Finanzierung mit kurzfristiger Kündigungsmöglichkeit. Auch langfristige Festhypotheken sind so günstig wie in den letzten 15 Jahren kaum je. Kunden guter Bonität bekommen zum Beispiel aktuell 7-jährige Festhypotheken zu Zinsen ab 2,6 oder 2,7 Prozent. (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.01.2010, 17:28 Uhr
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8 Kommentare
Gerade weil mein IQ vermutlich den Verständnisanforderungen einer Portfoliohypothek nicht standhalten konnte bin ich vor Jahren aus dieser Hypothekenform ausgestiegen. Verdient hat nur die Bank damit. Libor, variable und Festhypotheken sind einfacher nachvollzie- und vorallem vergleichbar. Dort spielt der Markt. Antworten
So negativ würde ich die Sache nun wieder nicht sehen. Niemand konnte 2000 voraussehen, dass die Zinsen so lange so tief bleiben würden. Das hat ursächlich auch mit der Geldmarktpolitik der FED zu tun, welche wiederum nicht unmittelbar, aber sicher über die Zinspolitik Mitschuld an der amerikanischen Hypothekarblase trägt. Diese stand bekanntlich am Anfang der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Antworten
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