Wirtschaft

Die Schweiz hat die schnellste Börse

Von Daniel Zulauf. Aktualisiert am 24.04.2012

Erfolgreicher Start nach massivem Kapazitätsaufbau.

Gilt seit gestern als die schnellste Börse der Welt: Die Börse in Zürich.

Gilt seit gestern als die schnellste Börse der Welt: Die Börse in Zürich.
Bild: Keystone

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Die schnellste Börse der Welt, seit gestern nimmt die Six Swiss Exchange dies für sich in Anspruch. Nach Mitteilung der Schweizer Börsenbetreiberin können Aktientransaktionen seit gestern innerhalb von durchschnittlich nur noch 37 Mikrosekunden abgesetzt und abgeschlossen werden. Bislang betrug die Durchlaufgeschwindigkeit pro Trade rund 800 Mikrosekunden. Die markante Beschleunigung hat zwei Gründe: Einerseits wurde das Handelssystem technologisch aufgerüstet, anderseits offeriert die Schweizer Börse ihren auf höchste Geschwindigkeiten bedachten Teilnehmern einen neuen, sogenannten Co-Location-Service.

Co-Location bedeutet, dass die Six Swiss Exchange ihren Server für den Aktienhandel neu nicht mehr im eigenen Haus, sondern direkt im Zürcher Datenzentrum des weltweit tätigen Anbieters von Rechenzentrums-Dienstleistungen Equinix betreibt. Dies erlaubt den Six-Teilnemern insofern eine weitere Verkürzung der Antwortzeiten, als sie die eigenen Server bei Equinix und damit in unmittelbarer Nähe zum Six-Rechner unterbringen können.

Sorgen wegen Regulierung

Der treibende Faktor für die Kapazitäts- und Angebotserweiterung der Schweizer ist das internationale Wettrüsten unter den Börsenplätzen. In den vergangenen Jahren sahen sich die ehemaligen nationalen Monopolbörsen vor allem durch neue internationale Handelsplattformen, sogenannte Multilateral Trading Facilities (MTF), herausgefordert. Gegründet wurden diese Plattformen vor allem durch Investmentbanken. Sie zwangen die etablierten Börsen damit, ihre Gebühren zu senken und die Leistungen zu erhöhen. Inzwischen sind aber auch die MTF in die Jahre gekommen und benötigen ihrerseits Investitionen zum Kapazitätsausbau. Die von den Schweizer Grossbanken mitgegründete Turquoise gehört inzwischen mehrheitlich der Londoner Börse. Christian Katz, CEO der Six Swiss Exchange, sagt deshalb selbstbewusst: «Inzwischen sind wir in der Lage, den MTF die Stirn zu bieten und auch Marktanteile zurückzugewinnen.»

Neue Herausforderungen erwarten die Börsen allerdings vonseiten der Regulatoren. Vor allem in der EU gibt es gewichtige Stimmen, die hinter dem ultraschnellen Börsenhandel, dem sogenannten Hochfrequenzhandel, ein Potenzial für Marktmissbrauch wittern. Im Rahmen der laufenden Überarbeitung der EU-Marktrichtlinie (Mifid II) sind deshalb einschneidende Beschränkungen im Gespräch. «Die gegenwärtigen Regulierungsbestrebungen bereiten auch uns, ausserhalb der EU, gewisse Sorgen, denn bei uns haben wir bis jetzt keine negativen Effekte dieser Teilnehmer auf die Marktliquidität festgestellt», sagt Katz. «Wir sind, was die Penetration des Hochfrequenzhandels anbelangt, noch weit von der aus regulatorischer Sicht kritischen Grenze entfernt.»

Schweizer Markt verfügt über eine ungewöhnlich grosse Markttiefe

So gehen in der Schweiz einem Abschluss durchschnittlich weniger als 20 Aufträge voraus. In der Diskussion der EU-Regulatoren ist von einem kritischen Verhältnis von 250 Aufträgen pro Abschluss die Rede.

Die durchschnittliche Handelsgrösse von 25 000 Franken pro Transaktion ist laut Katz in der Schweiz ebenfalls weit höher als irgendwo sonst in Europa. Auch das ist ein Indiz, dass die Hochfrequenzhändler mit ihren typischerweise in Kleinaufträge gestückelten Transaktionen hierzulande noch keine dominante Rolle spielen. Und schliesslich verfüge der Schweizer Markt auch über eine im internationalen Vergleich ungewöhnlich grosse Markttiefe. Sowohl auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite seien zu den gestellten Geld- und Briefkursen in den 30 grössten Werten Abschlüsse von durchschnittlich über einer Million Franken möglich. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.04.2012, 10:44 Uhr

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