Wirtschaft

Die Preise kennen wieder nur die eine Richtung

Von David Vonplon. Aktualisiert am 10.11.2011 265 Kommentare

Der Schweizer Franken ist immer noch massiv überbewertet. Doch die Vergünstigungen bei den Importen werden nicht an die Konsumenten weitergegeben. Im Gegenteil: Die Preisunterschiede zum Ausland nehmen zu.

«Krasse Preisdifferenz»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht im Medienzentrum des Bundeshauses.

«Krasse Preisdifferenz»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht im Medienzentrum des Bundeshauses.
Bild: Keystone

40'000 Arbeitsplätze weg?

Die Schweizer Wirtschaftsaussichten sieht Schneider-Ammann vor allem wegen der Frankenstärke und der Abkühlung der Weltkonjunktur düster. «Wir gehen auf schwierige Zeiten zu.» Das sagte der FDP-Bundesrat am Mittwochabend in Bern vor KMU-Vertretern. Im besten Fall schlage sich die schwierige Wirtschaftslage in einem Ein- Prozent-Wachstum nieder, möglich sei aber auch eine schwere Rezession.

Jedenfalls dürfte die Schweiz den Einbruch stärker spüren, als in der Krise der Jahre 2008 und 2009. Damals habe die Exportwirtschaft stark von Konjunkturpaketen anderer Staaten profitiert, gab er zu bedenken. In der derzeitigen Krise dürften solche Hilfen aber ausbleiben, weil die meisten Staatskassen leer sind.

Bei den bereits angekündigten Stellenstreichungen dürfte es nach Schneider-Ammanns Einschätzung nicht bleiben. Der Bund gehe von einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um rund einen Prozentpunkt aus: «Das wären dann 40'000 Arbeitsplätze, die verloren gingen.» (sda)

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Als das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) Anfang Juli die ersten Zwischenergebnisse seiner Studie zur Weitergabe von Einkaufsvorteilen präsentierte, beschränkte es sich auf eine magere Erkenntnis: Die Aufwertungsgewinne würden nicht stärker zurückbehalten als auch schon. Inzwischen hat Departementschef Johann Schneider-Ammann Firmen den Kampf angesagt, welche den Konsumenten Wechselkursvorteile vorenthalten.

Und plötzlich werden die Schlussfolgerungen der Studie fassbarer: «Es zeigt sich bei einer ganzen Reihe von Produkten, dass die Vergünstigung der Importe nur ungenügend weitergegeben wird», bilanziert Studienleiter Peter Balastèr, Leiter Wachstum und Wettbewerbspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Seine wissenschaftliche Arbeit hat zutage getragen, dass die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland vom 2. Quartal 2010 bis zum 2. Quartal 2011 sogar noch einmal um 15 Prozent gewachsen sind – und das trotz einer Frankenhausse in gleicher Höhe.

«Krasse Preisdifferenz»

Frappierend ist dabei auch, dass die Preisdifferenz nicht etwa kleiner ist bei Gütern mit einem hohen Importanteil. Bei den Nahrungsmitteln zum Beispiel wird der Konsum vor allem durch die Inlandproduktion gedeckt. Trotzdem ist dort gar eine kleinere Zunahme der Preise zu beobachten. Laut den Studienverfassern lässt dies die Frage aufkommen, ob günstigere Importe überhaupt einen messbaren Einfluss auf die Konsumentenpreise haben. Fallweise bezeichnet die Studie die Preisdifferenzen zu Deutschland als «krass»: Bei der Babynahrung mit Getreide etwa beträgt der Preis dort heute gerade noch 42 Prozent des Preises in der Schweiz. Letztes Jahr waren es noch 52 Prozent. Nun hat die Wettbewerbskommission (Weko) in dieser Güterkategorie Ermittlungen aufgenommen.

Dabei kommt die Studie aber auch zum ernüchternden Befund, dass das Potenzial für Preissenkungen beschränkt ist: Von einem Franken, den der Konsument ausgibt, gehen im Durchschnitt lediglich 15 Rappen ins Ausland. Eine Frankenaufwertung um 15 Prozent senkt die Konsumentenpreise unter diesen Umständen im besten Fall um 3 Prozent. Schliesslich geht von den importierten Waren bloss ein Drittel in den Konsum. Ein Sechstel wird investiert und gut die Hälfte kommt in den Export.

Auch die Konsumenten gefordert

Eine Frankenaufwertung schlägt sich dabei laut Studie – mit einer Verzögerung von bis zu einem Jahr – überhaupt nur zu 40 Prozent in einer Vergünstigung der Importpreise nieder. Kaum eine Preisreaktion auf die Wechselkursschwankung zeigte sich dabei bei Kleidern, Fahrzeugen, Möbeln, Gummi- und Kunststoffprodukten. Ebenfalls nur beschränkt weitergegeben wurde der Einkaufsvorteil bei Nahrungsmitteln und Getränken, Lederwaren und Schuhen, elektronischem Equipment, chemischen und pharmazeutischen Produkten sowie Maschinen.

Aufgrund der Studienergebnisse will man im Departement Schneider-Ammann nicht unmittelbar Massnahmen einleiten. Balastèr verweist auf die bereits beschlossenen zusätzlichen Ressourcen für Preisüberwachung und Weko, wie auch auf die vom Bundesrat vorgeschlagene Verschärfung des Kartellgesetzes. Gefordert sind laut Balastèr jedoch auch die Konsumenten und der Handel: «Sie müssen sich eben auch selber um günstige Einkäufe bemühen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2011, 06:17 Uhr

265

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

265 Kommentare

Hans Schmid

10.11.2011, 07:02 Uhr
Melden 172 Empfehlung

Die Preise der allermeisten Konsumgüter orientieren sich nicht an den Kosten sondern an der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Anders gesagt: Solange sich genug dumme Schweizer Konsumenten finden, die anstandslos Phantasiepreise für Importware zahlen, senkt keiner die Preise. Handel und Importeure verstehen nur eine Sprache: Runterhandeln, Kauf im Ausland, Kaufverweigerung. Lamentieren nützt nichts. Antworten


Andy Bissig

10.11.2011, 07:28 Uhr
Melden 83 Empfehlung

Ist doch logisch, jeder Importeur der mal ein Interview mit Schneider-Amman oder dem Preisueberwacher gesehen hat, weiss genau, von der Seite hat er absolut rein gar nichts zu befuerchten. Schampus Flasche aufgemacht, Preise nochmals 10% erhoeht und bei der SVP/FDP jammern und eine Reduktion der zollfreien Menge verlangen. Nach den Wahlen ist es auch kein Problem mehr dies durchzusetzen. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.