Die Angst der harten Rocker vor dem schwachen Euro
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 06.12.2011 40 Kommentare
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Metallica mögen über 100 Millionen CDs und Platten verkauft haben, aber noch immer gibt die Band keinen Cent unnötig verloren. Die seit 30 Jahren aktive Gruppe zieht ihre nächste Europatournee vor, weil sie befürchtet, der Euro könnte einbrechen und die Einnahmen schmälern. Ähnlich vorsichtig gehen die Red Hot Chili Peppers zu Werk. Währungsrisiken sind die letzten in einer lange Reihe von Problemen, mit denen sich Rockbands konfrontiert sehen. Da die Einnahmen aus den CD-Verkäufen seit Jahren sinken, sind sie immer mehr auf den Verkauf von Merchandise und auf die Einnahmen aus Tourneen angewiesen. Dabei ist der schwache Dollar für amerikanische Bands ein besonderer Glücksfall. Vor allem in Europa und Südamerika profitieren sie von den Einnahmen in den derzeit stärkeren Währungen.
Doch die guten Zeiten dürften sich ändern, sagt Cliff Burnstein, der Manager von Metallica. «In den nächsten Jahren wird der Dollar stärker werden und der Euro schwächer», sagte er dem «Wall Street Journal». «Deshalb will ich mehr europäische Shows buchen, solange sie noch profitabel sind.» Für Metallica hat er die für 2013 geplante Europatournee um ein Jahr auf den kommenden Sommer vorgezogen. Zudem will er in Kürze entscheiden, ob er die Band in Euro oder Dollar bezahlt haben will oder mit einem Mix aus beiden. Nötigenfalls will er die Währungsrisiken mit Derivaten absichern. «Wir wollen nicht die Verlierer sein.»
Für Europäer wirds schwierig
Die Red Hot Chili Peppers, eine seit 28 Jahren erfolgreiche US-Band mit Millioneneinkommen, zieht ihre Europapläne ebenfalls vor. Bereits diesen Herbst ging sie – trotz Protesten ihrer US-Fans – auf eine Lateinamerika-Tournee. Zudem will sie im nächsten Sommer eine zweite Serie von Konzerten in Europa einschieben; auch hier mit einem Seitenblick auf die Währungsgewinne. Metallica hatte es vor einem Jahr schon vorgemacht, indem sie ihre Tournee in Australien verlängerte. Topgruppen mit einer weltweiten Fangemeinde erzielen rund 75 Prozent ihrer Einnahmen bei Konzerten. Die Währungsrisiken machen es dafür europäischen Gruppen etwas schwerer, wie der Manager der britischen Muse, Anthony Addis, kürzlich erklärte. Wenn Muse in den USA auftreten wollten, so rechne sich das wegen des schwachen Dollars weniger als früher.
Die Sorge ums Geld ist begründet. Denn die Zeit, sich ein finanzielles Polster anzulegen, währt in der Branche nicht lange. Drei bis fünf Jahre können die meisten erfolgreichen Bands wirklich gutes Geld machen, schätzt Duff McKagan, Ex-Bassist von Guns ’N Roses. Finanzberater und Musiker überschätzten diese Gelegenheit oft. Er selber bemerkte nach einer schweren, alkoholbedingten Erkrankung, dass er keine Ahnung von seinem Einkommen hatte und wie sein Geld verwaltet wurde. Er belegte Nachhilfestunden in Finanzfragen und eröffnete vor kurzem seine eigene Beratungs- und Finanzfirma. Die Meridian Rock Capital wolle Musiker fair und angemessen beraten, sagt McKagan. Vor allem wolle er seinen Kollegen eine Alternative zu den «Big Suits», den professionellen Abzockern, anbieten.
Bonos Hedgefonds
Auf seine Weise vorgesorgt hat Bono: Der Leadsänger von U2 stieg vor sieben Jahren bei den Elevation Partners ein, einem Hedgefonds, der seinen Namen von einem U2-Song ableitete. Nicht alle Geschäfte erwiesen sich als solide. So verlor der Fonds mit Investitionen bei Forbes und beim Broadway-Musical «Spider-Man» Dutzende von Millionen Dollar. Dieses Loch aber glichen Bono und seine Partner mit Facebook mehr als aus. 2009 erwarben sie für 210 Millionen Dollar einen Minderheitsanteil am Social-Media-Unternehmen, dessen Wert inzwischen auf über 1 Milliarde Dollar gestiegen ist – und der beim Börsengang im kommenden Jahr noch einmal deutlich zulegen könnte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.12.2011, 22:10 Uhr
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