Wirtschaft

Der eingebildete Verbündete

Eine Analyse von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 03.12.2012 83 Kommentare

Die Schweizer Europagegner wollen zusammen mit den Briten gegen Brüssel losziehen. Drei Gründe, warum das keine gute Idee ist.

1/3 Zugeknöpfter Auftritt: Der britische Premier David Cameron bei den EU-Budgetverhandlungen in Brüssel. (22. November 2012)
Bild: AFP

   

Philipp Löpfe ist Autor im Ressort Wirtschaft von DerBund.ch/Newsnet.

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Das 20-Jahr-Jubiläum des EWR-Neins hat hierzulande eine absurde Diskussion ausgelöst. Ausser dem historischen Datum ist kein Grund zu erkennen, warum diese Diskussion überhaupt stattfindet. Es ist denn auch nicht verwunderlich, dass sie irrationale Blüten treibt.

Beispielsweise wird neuerdings Grossbritannien als Partner der Schweiz im Kampf gegen Brüssel betrachtet. Grund ist der Umstand, dass der rechte Flügel der britischen Konservativen einen SVP-mässigen Hass auf die EU schürt und Premierminister David Cameron neuerdings Sprüche à la Blocher klopft.

Nur wer aber über ein sehr kurzes Gedächtnis verfügt, kann das Vereinigte Königreich als natürlichen Verbündeten der Schweiz ins Auge fassen. Dafür gibt es drei Gründe:

Erstens: Das Verhältnis zwischen der City of London und dem Zürcher Paradeplatz gleicht dem Verhältnis von Hund und Katze. Die beiden Finanzplätze sind erbitterte Konkurrenten, sie verbindet eine langjährige, innige Feindschaft. Schon in den 1960er-Jahren wurden die Schweizer von den Briten als «Gnomes of Zurich» betitelt. Zur grossen Verbitterung der Schweizer Banken hat das führende Wirtschaftsblatt der Welt, die «Financial Times» (FT), in den 1990er-Jahren die Diskussion um die Holocaust-Gelder als Anlass genommen, das Bankgeheimnis infrage zu stellen. Schweizer Wirtschaftsjournalisten wurden damals von den Banken bekniet, diese angebliche Schmutzkampagne der Briten zu ignorieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Kürzlich hat die FT das Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland zum Anlass genommen, in einem redaktionellen Kommentar zu fordern, dass die Schweizer Banken generell härter angefasst werden müssten. Die City of London ist zudem für die britische Wirtschaft noch sehr viel wichtiger als die Banken für die Schweiz. David Cameron kämpft für ihre Interessen mit Zähnen und Klauen, wenn es sein muss auch auf Kosten der Schweiz.

Zweitens: Wegen ihrer einseitigen Abhängigkeit von der Finanzindustrie ist die britische Wirtschaft in einem sehr schlechten Zustand. Sie ist als erste nach Ausbruch der Krise in eine tiefe Rezession gestürzt. Trotz einer massiven Abwertung des Pfund hat sie sich bis heute nicht davon erholt. In den letzten drei Monaten ist das Bruttoinlandprodukt um gerade mal um ein mickriges Prozent gewachsen, und auch das ist bloss statistischer Zufall. Finanzminister George Osborne, vor zweieinhalb Jahren noch der scheinbar hellste Stern am britischen Polithimmel, ist inzwischen abgestürzt. Seine harte Austeritätspolitik trägt keine Früchte. Am kommenden Mittwoch wird er erneut schlechte Zahlen verkünden müssen, verbunden mit der Botschaft, dass seine Gürtel-enger-schnallen-Politik nochmals verlängert wird. Die Umfragewerte der Konservativen sind im Keller, und Osbornes Durchhalteparolen stossen allmählich selbst im eigenen Lager auf Skepsis.

Drittens: Grossbritannien ist zu einem Papiertiger geworden. Als Maggie Thatcher in den 1980er-Jahren mit ihrer Handtasche auf den Verhandlungstisch geschlagen hat, verbunden mit der Forderung «I want my money back», da hat dies noch Eindruck gemacht. David Camerons Tiraden hingegen wecken heute bloss noch ein müdes Achselzucken. Angela Merkel reagiert darauf wie eine Mutter auf ein ungezogenes Kind: mit einer Mischung aus Tadel und Verständnis, aber auch mit der klaren Botschaft, Klein-David bald ohne Nachtessen ins Bett zu schicken, wenn er sich nicht zusammenreisst. Tony Blair hat seinerzeit versucht, zusammen mit Franzosen und Deutschen die Geschicke der EU zu leiten. Heute sind die Briten in Brüssel im Abseits, und die Tatsache, dass sie auch den Status eines speziellen Partners der USA verloren haben, hilft nicht wirklich. US-Präsident Barack Obama hat wenig Interesse an den Briten. Er will die amerikanische Wirtschaft wieder auf Vordermann trimmen, und wenn er sich der Aussenpolitik zuwendet, dann sicher nicht dem Vereinigten Königreich.

Grossbritannien ist traditionell ein erbitterter Konkurrent der Schweizer Finanzindustrie, seine Wirtschaft liegt am Boden, und geopolitisch ist es irrelevant geworden. Was bitte verspricht man sich von einem solchem Verbündeten?

Erstellt: 03.12.2012, 17:29 Uhr

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83 Kommentare

Klaus Schweizer

03.12.2012, 17:54 Uhr
Melden 347 Empfehlung 77

Werter Herr Löpfe. Wenn Sie uns schon nicht verraten, wer hierzulande ein Bündnis mit GB Gegen die EU eingehen will, ist der ganze Artikel ziemlich sinnfrei. Abgesehen davon, glauben Sie allen Ernstes es gibt so eine Verschwörung? Dann würden wir erst recht gern wissen, wer die EU-Meuchler in spe sind. Antworten


guntern geoerg

03.12.2012, 18:06 Uhr
Melden 273 Empfehlung 99

Bis jetzt haben die Linken uns als Rosinenpiker, Kriegsunterstützer, Rassisten hingestellt. Es ist doch schon lange so, dass irgendjemand probiert was zu vertreten, was zu veräussern oder irgend etwas zu bilden. Ehrlich gesagt, wir sind schon lange keine Nation mehr. Wir haben überall einzelkämpfer die versuchen was zu bewegen ohne die Demokratische Ansicht des Volkes zu respektieren. Antworten



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