Die Schweiz stoppt Einfuhr von brasilianischem Fleisch

Der Gammelfleischskandal in Brasilien hat erste Konsequenzen. Mehrere Nationen stoppen ihre Importe aus dem Land – darunter auch die Schweiz.

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Nach der Aufdeckung eines Gammelfleischeklats in Brasilien blockieren mehrere Länder ihre Einfuhren aus der südamerikanischen Nation. Das brasilianische Landwirtschaftsministerium teilte am Montag mit, dass China als zweitwichtigster Abnehmer von Rind- und Geflügelfleisch Importe aus Brasilien gestoppt habe.

Die Schweiz sei vom Gammelfleischskandal kaum betroffen, erklärte Thomas Jemmi, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie Leiter Internationales, in der «Tagesschau». «Zur Zeit wissen wir von vier Betrieben, die betroffen sind und die in die EU und potenziell auch in die Schweiz liefern können. Diese Einfuhren werden gesperrt. Das ist eine vorsorgliche Massnahme», führte Jemmi aus. 80 Prozent des hierzulande angebotenen Fleisches stamme aus der Schweiz, hiess es weiter in der SRF-Sendung. Aus Brasilien komme nur 4 Prozent.

Schnelle Reaktion aus Asien

Die Regierung der Volksrepublik China teilte am Montag mit, als Schutzmassnahme Einfuhren von allen Fleischprodukten aus dem südamerikanischen Land zu stoppen. Brasilien verkauft rund ein Drittel seiner Fleischprodukte nach China.

Das südkoreanische Landwirtschaftsministerium kündigte ebenfalls an, vorübergehend den Import von Hühnerfleischprodukten des weltgrössten brasilianischen Geflügelproduzenten BRF zu verbieten. Mehr als 80 Prozent der 107'400 Tonnen eingeführten Geflügelfleisches stammten 2016 aus Brasilien und fast die Hälfte davon wurde von BRF geliefert.

EU behält sich Schritte vor

Die Europäische Union (EU), die um Aufklärung in dem mutmasslichen Gammelfleischskandal gebeten hat, behält sich Schritte vor. Ein Sprecher der EU-Kommission teilte mit, Fleischimporte aus Brasilien unter die Lupe zu nehmen. Firmen, die in den Skandal verwickelt seien, könne der Marktzugang zur EU verweigert werden.

Die Europäische Union forderte von den brasilianischen Behörden eine Garantie, kein verdorbenes Fleisch zu erhalten. Die Behörden müssten sicherstellen, dass in den Skandal verstrickte Firmen kein Fleisch in die Europäische Union liefern, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Ihnen müsse die Exportgenehmigung für die EU entzogen werden. Von den 21 Kühlhäusern, denen Unregelmässigkeiten vorgeworfen werden, dürfen vier Produkte nach Europa exportieren.

Versuch um «Schadensbegrenzung»

Zuvor hatte sich die brasilianische Regierung um Schadensbegrenzung bemüht. Die Vorwürfe beträfen nur «sehr wenige Betriebe», und die brasilianische Fleischindustrie stelle kein grösseres Problem dar, sagte Präsident Michel Temer am Sonntag bei einem Krisentreffen. Er lud eine Reihe von Botschaftern wichtiger Absatzmärkte zum Steak-Essen ein.

Der Skandal habe zwar «grosse Besorgnis» ausgelöst, gestand Temer in einer Ansprache vor den Botschaftern ein. Verdorbenes Fleisch und gefälschte Zertifikate habe es aber nur in «sehr wenigen Betrieben» gegeben. Brasiliens Inspektionssystem sei «eines der respektiertesten» der Welt, versicherte Temer. «Ich möchte unser Vertrauen in die Qualität unserer Produkte betonen.»

30 Personen verhaftet

Die Affäre war am Freitag nach zweijährigen Ermittlungen der Polizei publik geworden. Dutzende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Mindestens 30 Menschen wurden bereits festgenommen, drei Betriebe mussten schliessen.

Brasilien ist der weltgrösste Exporteur von Rind- und Geflügelfleisch und liefert in 150 Länder. Zu den grössten Abnehmern gehören Saudiarabien, China, Japan, Russland und Italien. In Deutschland wurden 2016 nach vorläufigen Angaben des Landwirtschaftsministeriums gut 114'282 Tonnen Fleisch aus Brasilien eingeführt.

Fehlende Details

Umfangreiche Details zu den verdorbenen Produkten gaben die Behörden bislang nicht heraus. Es sollen in einigen Fällen aber krebserregende Stoffe beigemischt worden sein, um den Geruch des verdorbenen Fleisches zu überdecken. Für Verunsicherung bei den Konsumenten sorgten ausserdem Berichte, dass einigen Hühnerfleischprodukten Pappe beigemischt wurde.

Das wiederum wies der von den Ermittlungen betroffene Grosskonzern BRF zurück. Es habe ein «Missverständnis» bei den Audioaufnahmen der Polizei gegeben, erklärte der Konzern. BRF startete Werbeanzeigen, um auf seine ungefährlichen Produkte hinzuweisen. Auch das betroffene Unternehmen JBS schaltete Anzeigen. (fal/sda)

Erstellt: 20.03.2017, 20:58 Uhr

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