Preiskampf lässt Turkish Airlines und Emirates straucheln

Die beiden erfolgreichen Airlines spüren den verschärften Wettbewerb – an dem sich auch die Swiss beteiligt.

Airbus 380 der Emirates in Zürich: Schwierige Zeiten für die Fluggesellschaft, die die letzten Jahre rasant gewachsen war. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Airbus 380 der Emirates in Zürich: Schwierige Zeiten für die Fluggesellschaft, die die letzten Jahre rasant gewachsen war. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Der Werbeslogan ist hochtrabend: «Die Besten fliegen mit Europas bester Airline», heisst es in einem Spot von Turkish Airlines. Fussballstar Lionel Messi und Basketball-Legende Kobe Bryant haben darin einen Auftritt. Solche Kampagnen begleiteten den Steigflug der Airline vom Bosporus. Turkish Airlines wurde neben den Fluggesellschaften aus der Golfregion zu einem neuen Faktor, der die ganze Branche herausforderte. Es entstanden neue Drehkreuze für europäische Passagiere auf ihrem Weg Richtung Osten. Auch aus der Schweiz.

Die Erfolgsgeschichte von Turkish Airlines erlitt nun einen jähen Rückschlag, wie die am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres flog die Gesellschaft einen Verlust von 463 Millionen Dollar ein. Der Umsatz sank von 8,1 auf 7,6 Milliarden Dollar. Ein wichtiger Grund für diesen Rückgang ist die Situation im Herkunftsland der Airline. Zuerst war da der Terroranschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul Ende Juni. Nur zwei Wochen später ereignete sich der Putschversuch gegen Erdogan, in dessen Folge der bis heute andauernde Ausnahmezustand verhängt wurde. Aufgrund dieser Entwicklungen begannen die Reisenden die Flüge mit Zwischenstopp in der Türkei zu meiden.

«Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen Billig-Airlines und grossen Anbietern.»Andreas Wittmer, Universität St. Gallen

Für das ganze Jahr wird bei Turkish Airlines mit einer Ausweitung des Verlusts gerechnet. Ein Minus in der Höhe von bis zu 1 Milliarde Dollar wird als Szenario herumgeboten. Als Reaktion darauf sollen nun 1500 Angestellte in die Zwangsferien geschickt werden.

Swiss unterbietet Emirates

Neben Turkish Airlines hat mit Emirates diese Woche eine weitere Fluggesellschaft ihre Zahlen offen gelegt. Auch sie erlitt einen Dämpfer. Emirates flog zwischen März und September dieses Jahres zwar nach wie vor einen Gewinn ein. Er lag mit 214 Millionen Dollar verglichen mit der Vorjahresperiode aber um 75 Prozent tiefer. Der Umsatz ging um 1 Prozent auf 11 Milliarden Dollar zurück, obwohl das Passagiervolumen um 9 Prozent auf 28 Millionen anschwoll. Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum nennt den starken US-Dollar, den verschärften Wettbewerb und die unsichere wirtschaftliche und politische Lage in vielen Teilen der Welt als Ursachen für die Entwicklung.

Für Emirates sei die Lage nicht so drastisch, meint Airline-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen. Die Auslastung der Flüge sei weiterhin hoch: «Emirates hat immer noch einen Sitzladefaktor von 75 Prozent. Das genügt, um bei einer guten Kostenstruktur und angemessenen Preisen Geld zu verdienen. Kritisch wird es oft, wenn der Ladefaktor unter 70 Prozent fällt.»

Trotzdem ist es eine Ironie der Geschichte, dass mit Emirates und Turkish Airlines nun zwei Fluggesellschaft Rückschläge erleiden, die mit ihrer Wachstums- und Preisstrategie den Markt über die letzten Jahre aufmischten.

Aus Schweizer Optik sind Turkish Airlines und Emirates zwar kleine Nummern. Am Passagiervolumen am Flug­hafen Zürich haben sie einen Anteil von unter 2 Prozent, während die Swiss einen Anteil von 55 Prozent behauptet. Dennoch konnte sich die Swiss dem Preiskampf nicht entziehen, den diese Gesellschaften auf den Langstrecken entfacht hatten. Heute unterbietet die Swiss auf der Strecke nach Dubai Emirates teilweise sogar im Preis.

Turbulente Monate in Sicht

«Grundsätzlich gibt es heute Tiefstpreise, die kaum nachhaltig angeboten werden können», sagt Airline-Experte Wittmer. Auch wenn es jeweils nur wenige Plätze seien, die zu solchen Kampfpreisen angeboten würden. Und für die nächsten Monate könnten für die Fluggesellschaften die Herausforderungen weiter zunehmen, weil mit steigenden Ölpreisen gerechnet wird. Die Kerosinkosten machen über ein Viertel des Betriebsaufwands aus.

Heute unterbietet die Swiss auf der Strecke nach Dubai Emirates teilweise sogar im Preis.

Dass die Luftfahrt in schwierigen Zeiten steckt, zeigen auch Zahlen des Luftfahrtverbandes Iata. Die Margen schwinden, insbesondere in Europa und den USA. Seit Jahresanfang haben die Aktien der börsenkotierten Fluggesellschaften rund um den Globus um 14 Prozent eingebüsst. Mit einem Minus von über 27 Prozent haben die europäischen Gesellschaften überdurchschnittlich stark verloren.

Für Aviatik-Experte Wittmer ist die Branche im Moment auf der Suche nach Orientierung und wird sich grundlegend verändern müssen: «Die Geschäfts­modelle der Fluggesellschaften vermischen sich. Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen den Billig-Airlines und den grossen Netzwerkgesellschaften.»

Was laut Wittmer bleiben wird, ist der Druck auf die Preise: «Es zeichnet sich nicht ab, dass sie demnächst wieder ­anziehen», sagt er. Für die Passagiere mögen das gute Perspektiven sein. Für die Airlines heisst es: Auch in Zukunft bleibt es turbulent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2016, 10:23 Uhr

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