Innerschweizer Börsenrevolution

Die Hochschule Luzern holt sich grosse Partner ins Boot, um den Aktienhandel zu vereinfachen – und so die Finanzbranche auf den Kopf zu stellen.

Händler an der New Yorker Börse: Ein Projekt der Hochschule Luzern will den Börsenhandel vereinfachen.

Händler an der New Yorker Börse: Ein Projekt der Hochschule Luzern will den Börsenhandel vereinfachen. Bild: Brendan McDermid/Reuters

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Der Handel mit Aktien der Schaffhauser Brauerei Falken oder der Davos-Klosters-Bergbahnen ist eine komplizierte Sache. Dies, da die Firmen nicht an der Schweizer Börse gehandelt werden, sondern sich ein Käufer und ein Verkäufer finden müssen. Ein Wertpapier zu handeln, braucht oftmals einige Telefonate mit dem Kundenberater und Nerven.

Das könnte sich dereinst ändern. Die Hochschule Luzern hat heute ein Projekt angekündigt, das den Handel mit diesen Wertpapieren vereinfachen könnte. Es basiert auf der Blockchain-Technologie, deren bekannteste Anwendung bislang die Kryptowährung Bitcoin ist. Experten gehen davon aus, dass die Blockchain das Potenzial hat, die Finanzbranche auf den Kopf zu stellen. Auch die Hochschule Luzern widmet sich der Technologie. «Wir wollen rasch einen Prototyp auf die Beine stellen», sagt Projektleiter Mathias Bucher von der Hochschule Luzern.

Mit den Plänen hat die Hochschule prominente Partner ins Boot geholt. Mit von der Partie sind unter anderem die Börsenbetreiberin SIX, der Telecomkonzern Swisscom und die Zürcher KB. Hinzu kommen weitere IT-Unternehmen und Finanzdienstleister. Die Liste der teilnehmenden Banken sei nicht abschliessend. «Das System wird als offener Standard konzipiert und wird allen in der Schweiz aktiven Finanzinstituten offenstehen», so Bucher. Nicht bei allen sei das Projekt im Vorfeld aber auf Anklang gestossen. Viele Finanzinstitute verhielten sich noch abwartend.

Blockchain-Nabel Zug

Die Blockchain erlaubt, dass Handelsgeschäfte künftig transparent abgewickelt werden können. Jede Transaktion ist für alle Teilnehmer einsehbar. Das Projekt der Hochschule Luzern basiert auf der Ethereum-Blockchain. Der Hauptsitz der Ethereum Foundation liegt in Zug. Bucher verspricht sich viel von der Nähe zum dortigen Blockchain-Cluster. «Wir sind am Nabel der Blockchain-Technologie», so Bucher. Zug ist unterdessen auch die erste Stadt der Welt, die Gebührenzahlungen in Bitcoin akzeptiert.

Das Projekt setze bewusst auf den Handel mit Aktien von kleinen Unternehmen. Die Wertpapiere seien einfach zu verstehen, und sie werden selten gehandelt. Der Handel ist daher nicht so effizient wie bei Titeln von grossen Unternehmen, die über technologisch hochgezüchtete Handelsplätze ablaufen. Später könnte die neue Technologie auch auf weitere, komplexere Finanzprodukte angewendet werden. Eine grosse Herausforderung sei es, dafür zu sorgen, dass die Kundendaten vertraulich blieben, aber gleichzeitig die für die Behörden notwendigen Daten erhoben werden könnten.

Projektleiter Bucher geht davon aus, dass das Projekt in rund einem Jahr abgeschlossen sein werde. Dann soll es auch möglich sein, erste Handelsgeschäfte mithilfe der neuen Technologie abzuwickeln. Was danach passiert, wird von den Ergebnissen abhängen. «Die Projektteilnehmer haben sich das klare Ziel gesetzt, eine praxisfähige Lösung auf die Beine zu stellen», so Bucher.

Das grosse Vorbild

Die Schweizer Initianten sind nicht allein. Vor rund einem Jahr haben mehrere Finanzdienstleister gemeinsam die Firma R3 lanciert. Unter den Gründungsmitgliedern sind auch die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS. Das Ziel von R3 ist es, die Blockchain-Technologie für die Institute nutzbar zu machen.

Im Frühjahr vermeldete das Konsortium erste Erfolge eines Tests, an dem rund 40 Banken und mehrere prominente Technologiefirmen wie Intel teilgenommen hatten. Die Aussichten von R3 scheinen gut, beinahe im Wochentakt schliessen sich dem Konsortium neue Banken an.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2016, 20:06 Uhr

Bitcoin-Technologie

Das ist die Blockchain

Eine Blockchain besteht aus einer Kette verschlüsselter und miteinander verbundener Blöcke. Darin werden Informationen transparent und manipulationssicher abgelegt. Wer eine Veränderung in einem der Blöcke vornimmt, müsste auch alle weiteren damit verbundenen Blöcke ändern, um nicht entdeckt zu werden. Dafür benötigt man eine gewaltige Rechenleistung, was eine Fälschung fast unmöglich macht. Daher braucht es keine Schaltzentrale für die Transaktionen mehr, welche die Einhaltung der Regeln überwacht und durchsetzt. So werden Transaktionen transparenter und effizienter.

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