Wie man Uhren unfälschbar macht

Wenn die chinesischen Fälscher zu gut werden, müssen Uhren mit Sicherheitsmerkmalen versehen werden – so wie Banknoten. Mehrere Schweizer Hightech-Unternehmen buhlen um Aufträge der Uhrenbranche.

Hublot-Präsident Jean Claude Biver. Die Chipkarte ist auch ein Marketing-Instrument.

Hublot-Präsident Jean Claude Biver. Die Chipkarte ist auch ein Marketing-Instrument. Bild: Archiv

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Ob sich die Luxusuhrenmarke Hublot der Ironie bewusst ist? Obwohl heute jedes Mobiltelefon über eine exakte Zeitanzeige verfügt, stellt sie mechanische Uhren her. Doch um diese gegen Fälschungen zu schützen, greift Hublot auf modernste Computertechnik zurück.

Die Uhren selbst funktionieren zwar weiterhin ohne Elektronik. Aber seit 2009 verkauft Hublot jeden seiner Zeitmesser zusammen mit einer Chipkarte. Auf dieser ist die Seriennummer der Uhr gespeichert – und mit einem zugehörigen Lesegerät kann der Kunde übers Internet verifizieren, ob es sich um eine echte Hublot handelt. Auch alle Hublot-Verkaufsstellen wurden mit dem System ausgerüstet. Wenn eine Hublot verkauft wird, aktivieren sie deren Seriennummer im System.

Auf diese Weise soll verhindert werden, dass in Uhrengeschäften falsche Hublots verkauft werden. Denn die chinesischen Fälscherwerkstätten schaffen es mittlerweile zwar, Schweizer Luxusuhren so gut zu kopieren, dass auch Experten die Modelle öffnen müssen, um ein Plagiat zu erkennen. Doch die Chipkarte und damit den Zugang zum Hublot-Verifizierungssystem können die Fälscher den Kunden nicht anbieten.Der digitale Schlüssel auf der Chipkarte ist laut Hublot-Präsident Jean-Claude Biver «unmöglich zu reproduzieren». Herstellerin des Systems ist das Genfer Unternehmen Wisekey. Es ist auf digitale Sicherheitstechniken spezialisiert und hat auch am E-Voting-System des Kantons Genf mitgewirkt. Neben Hublot haben die Uhrensparte von Dior und der kleine Bieler Uhrenhersteller HYT das System übernommen. Laut Carlos Moreno von Wisekey werden dieses Jahr sechs weitere Uhrenmarken dazukommen. Künftig soll die Chipkarte auch von Smartphones gelesen werden können.

Facebook für Uhrenliebhaber

Für Hublot hat das Sicherheitssystem noch einen anderen Aspekt: Kundenbindung. Denn durch die Registrierung der Uhren verfügt Hublot über die Kontaktangaben der Käufer. Und mit der Chipkarte gelangen diese nicht bloss auf eine Verifikations-Internetseite für ihre Uhr, sondern sie haben auch Zugang zu einer Plattform namens Hublotista, einer Art Facebook für Fans der Uhrenmarke.

Verhindern, dass Hublot-Uhren kopiert werden, kann das System jedoch nicht. Denn wer willentlich eine Fälschung trägt, dem ist das Fehlen der zugehörigen Chipkarte egal. Das ist auch der Grund, dass sich viele Schweizer Uhrenhersteller bisher zurückgehalten haben mit Fälschungsschutz-Massnahmen. Nayla Hayek, die Präsidentin der Marktführerin Swatch Group, sagte dem «Bund» am Rande der diesjährigen Jahresmedienkonferenz, dass der Konzern in Zusammenarbeit mit dem Uhrenverband und Behörden Fälschungen bekämpfe und Razzien durchführen lasse – doch die Uhren der 16 Marken der Swatch-Gruppe verfügten über keinen besonderen Fälschungsschutz.

Ein Wasserzeichen im Uhrenglas

Mit den technisch immer besser werdenden Fälschern könnte sich dies jedoch ändern. Neben dem IT-Unternehmen Wisekey widmen sich auch andere Schweizer Firmen dem Fälschungsschutz – und zwar an der Uhr selbst.

In Lausanne hat das Jungunternehmen DNA Watch eine Lösung entwickelt, bei welcher die Uhr ein Wasserzeichen erhält. Dieses ist bei Tageslicht unsichtbar, kann jedoch unter einer UV-Lampe geprüft werden. Der 42-jährige Ingenieur, Physiker und Unternehmer Nasser Hefyene ist bei der ETH Lausanne auf eine entsprechendes Technik gestossen und hat diese auf die Uhrenbranche übertragen. Die Markierung wird auf der Unterseite des Saphirglases einer Uhr aufgetragen. Es besteht aus einer speziellen Schicht, die nanotechnologisch bearbeitet wird, so dass einzelne Teilchen das UV-Licht reflektieren. So kann unter dem Uhrenglas ein beliebiges hochaufgelöstes Logo oder Bild angebracht werden – oder auch eine Seriennummer und ein ganzer Text.

Ein Hersteller hat angebissen

Das Verfahren sei für Fälscher nicht imitierbar, sagt Firmenchef Hefyene – «und der Fälschungsschutz ist für jeden mit einer UV-Lampe leicht zu überprüfen». Die Technik sei bereits industriell nutzbar, nun arbeitet DNA Watch daran, das System auf grosse Stückzahlen auszurichten. Für eine grössere Uhrenmarke laufe bereits eine Testproduktion. «Wenn alles klappt, werden nächstes Jahr die ersten Uhren mit unserem Fälschungsschutz auf den Markt kommen.» Zwei weitere Uhrenmarken möchten das System laut Hefyene dann übernehmen. «Wir möchten, dass es ein Branchen-Standard wird.»

Derzeit ist das Start-up mit fünf Angestellten noch auf der Suche nach Investoren. Sein Verhältnis zu Mitbewerbern wie Wisekey sieht Hefyene locker: «Es ist wie bei den Banknoten: Je mehr Sicherheitsmerkmale sie haben, desto schwieriger sind sie zu fälschen.»Ein anderer Konkurrent, der auf eine Antifälschungslösung direkt am Produkt setzt, ist das Thurgauer Unternehmen Swiss Authentication. Sein Verfahren funktioniert mit individuell gemischten Stoffen, die der Farbe eines Produkts, etwa einer Uhr, beigemischt werden. Von blossem Auge nicht sichtbar, reflektiert jede dieser Mischungen ein individuelles Lichtspektrum. Jeder Kunde erhält also eine individuell zusammengesetzte Mischung, die nur in seinen Produkten vorhanden ist. Die Mischung besteht aus verschiedenen Metallen aus der Gruppe der Lantanoiden. Mit einem spezifisch eingestellten Lesegerät kann der Kunde später feststellen, ob ein Produkt tatsächlich ein Original ist oder ob es gefälscht ist. Das System wird auch in der Industrie angewendet, etwa bei Maschinen und Autokomponenten, welche in Fernost gerne gefälscht werden.

Ex-Botschafter Borer mischt mit

Die Firma Swiss Authentication, die vom früheren Schweizer Botschafter Thomas Borer geführt wird, steht mit mehreren Schweizer Uhrenherstellern im Kontakt. Laut Borers Mitarbeiter Robert Pfuhler ist eine mit dem Fälschungsschutz versehene Uhr bereits auf dem Markt – um welches Modell welcher Marke es sich handelt, dürfe er aber nicht sagen. Er betont jedoch, dass die Technik der beigemischten individuellen Partikel «das sicherste Verfahren auf dem Markt» sei. (Der Bund)

(Erstellt: 01.05.2014, 07:46 Uhr)

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Lesegerät für Mikropartikel auf Uhrengehäusen. (Bild: zvg)

Nur unter UV-Licht sichtbares Logo auf einem Uhrenglas. (Bild: zvg)

Uhrenfälscher auf der Spur

Einst waren gefälschte Schweizer Luxusuhren billige Kopien, die man am Strand kaufte. Doch die Werkstätten in China haben aufgerüstet und produzieren heute hoch professionelle Imitate von Rolex, Omega und Co. Der «Bund» nahm das Geschäft mit den falschen Uhren und den Kampf dagegen in einer vierteiligen Serie unter die Lupe. Bereits erschienen: «Eine Hydra mit tausend Köpfen» (25. März), «Die ‹Risikoflüge› kommen aus Asien» (1. April), «Razzien, die nichts nützen» (16. April). Die Beiträge sind zu finden unter: www.faelschungen.derbund.ch

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