1000 neue Angestellte in einem Jahr

Die BKW wächst mit den Übernahmen von Dienstleistungsunternehmen rasant.

Suzanne Thoma gestern vor den Medien: «Jede einzelne Kennzahl ist erfreulich.»

Suzanne Thoma gestern vor den Medien: «Jede einzelne Kennzahl ist erfreulich.» Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Ganz zum Schluss, nach der Präsentation der Jahreszahlen, sagte Suzanne Thoma etwas, das viel verrät über das Innenleben der BKW. Die Chefin des Berner Energieunternehmens dankte ihren Angestellten und merkte an: «Es ist nicht einfach, mal bei der behäbigen BKW eingestiegen zu sein und jetzt in einem Unternehmen mitzuhalten und motiviert zu bleiben, das im Schnellzugstempo durch den Transformationsprozess geht.»

«Eines der Merkmale der BKW ist, dass wir eine klare Strategie haben», sagte Thoma. «Schon seit vielen Jahren», fügte sie an, und korrigierte sich dann: «Seit vielen nicht, seit mehreren.» Die Strategie, die derzeit äusserst konsequent umgesetzt wird, trägt ihre Handschrift: Thoma will aus der BKW ein Unternehmen machen, dessen Zukunft nicht nur von einem Faktor, dem Strompreis, abhängt, sondern auf verschiedenen Pfeilern basiert.

19 Unternehmen gekauft

Das Dienstleistungsgeschäft soll zu einem von drei gleich starken Pfeilern werden. Die BKW kauft zu diesem Zweck Ingenieur- und Planungsfirmen oder Gebäudetechnikunternehmen. Allein im letzten Jahr übernahm sie 19 Unternehmen mit über 1000 Angestellten. 16 der neuen Tochterfirmen sind ausschliesslich im Dienstleistungsgeschäft tätig. Die Mitarbeiterzahl der BKW stieg innert eines Jahres in Vollzeitstellen um einen Viertel auf 5000. Zwei Drittel aller Mitarbeiter arbeiten schon heute im Dienstleistungsbereich. Bezogen auf die Köpfe ist die BKW also bereits jetzt ein Dienstleistungsunternehmen.

Anders bei den Einnahmen: Bis in einigen Jahren soll das Dienstleistungsgeschäft zwar ein Drittel zum Betriebsergebnis (Ebit) beitragen. Heute sind es erst acht Prozent. Vor einem Jahr waren es lediglich viereinhalb Prozent. Das starke Wachstum des noch schwächsten Standbeins war einer der Hauptgründe, weshalb die BKW unerwartet gute Zahlen vorlegen konnte. Thoma, deren Gehalt von 1,2 auf 1,3 Millionen Franken stieg, sagte über den Jahresbericht: «Jede einzelne Kennzahl ist erfreulich.» Und die Reaktion der Börse zeigte, dass dies nicht nur die Chefin so sah: Der Aktienkurs der BKW stieg auf den höchsten Stand seit Mitte 2011.

Das liegt wohl auch daran, dass nicht allzu viel erwartet wurde. Denn das Unternehmen kann seinen Strom nicht zu höheren Preisen verkaufen als bisher. Entsprechend sank das Betriebsergebnis des Geschäftsbereichs Energie deutlich. Dass der Rückgang im Kerngeschäft nicht noch gravierender ausfiel, liegt am Stromhandel. Dieser erzielte ein gutes Ergebnis. Er profitierte unter anderem von Strompreisschwankungen im letzten Winter, als der Ausfall mehrerer französischer Atomkraftwerke die Preise steigen liess. Kostensenkungen trugen ebenfalls zur Ergebnisverbesserung bei. Ebenso ein höherer Ertrag des dritten Bereichs, des Netzgeschäfts. Dessen Chef Christophe Bossel wird die BKW auf Ende Jahr verlassen, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Die Nachfolge werde in den kommenden Monaten geklärt.

Nicht auf Erholung wetten

Mit Blick in die Zukunft sagte Thoma, man hoffe auf eine Erholung der Energiepreise ab 2020. Darauf wetten will sie nicht: «Wir führen die BKW so, dass sie auch profitabel ist, wenn die Erholung nicht kommt», sagte sie und verwies damit einmal mehr auf ihre mehrere Standbeine umfassende Strategie. (Der Bund)

Erstellt: 16.03.2017, 21:23 Uhr

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