Wahlen 2011
Die Grande Dame der Kapitalismuskritik
Von Jan Derrer, Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 14.10.2011 30 Kommentare
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Smartspider von Smartvote: Susanne Leutenegger Oberholzer. (Bild: Smartvote.ch)
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Lange wohne sie noch nicht in der grosszügigen Wohnung in Augst, sagt die mondänste Erscheinung der Schweizer Sozialdemokratie, als sie das Videoteam von DerBund.ch/Newsnet bei sich zu Hause empfängt. Im eleganten Zweiteiler und mit Vehemenz erläutert Susanne Leutenegger Oberholzer während 60 Sekunden, für was sie und die SP einstehen.
Susanne Leutenegger Oberholzer ist eine der amtsältesten Volksvertreterinnen in Bundesbern. Seit 1987 politisiert sie nun schon im Nationalrat. Während der ersten Legislaturperiode noch für die Poch, danach – mit einem Unterbruch von vier Jahren – für die SP Basel-Land.
Ist Wahlkampf zur Routine geworden, wenn man bereits zum fünften Mal kandidiert? «Für mich ist immer Wahlkampf, nicht nur zwei Monate vor dem Entscheidungstag und während der Session», gibt sich die Rechtsanwältin kämpferisch. Ihr gefalle es besonders, an Standaktionen zu sein, im direkten Kontakt mit den Menschen. Und sie schreibe jeweils nach der Session eine Zusammenfassung und Einschätzung der behandelten Themen: «Das gibt viel zu tun, aber ich habe wirklich das Gefühl, es wird sehr geschätzt.»
«Kämpfen wichtiger als siegen»
Dennoch, mit der Zeit habe sie gelernt, gelassener zu werden. In der Schweiz brauche es oft mehrere Anläufe, bevor sich etwas wirklich ändere: «Christine Egerszegi hat mal sehr treffend gesagt, oft sei kämpfen wichtiger als siegen. Das beste Beispiel dafür ist das neue Namensrecht.» Man müsse an das Vorhaben glauben und dürfe nicht zu früh Kompromisse eingehen, ist Susanne Leutenegger Oberholzer überzeugt.
Die Wahlbaslerin mit Bündner Wurzeln kommt aus einer gewerbetreibenden Familie. Nach der Trennung der Eltern baute ihre Mutter aus dem Nichts ein Modegeschäft in Chur auf. Als junge Studentin führte sie die Bücher des erfolgreichen Familienunternehmens. Neben dem Flair für Stil hat ihr die Mutter noch etwas anderes weitergegeben: «Trotz ihres florierenden Geschäftes hatte meine Mutter immer einen sehr starken Sinn für Gerechtigkeit.»
Die Leute wollen diese Ungerechtigkeiten nicht mehr
Susanne Leutenegger Oberholzer studierte in Basel Volkswirtschaftslehre, bevor sie mit 41 Jahren – neben ihrem ersten Nationalratsmandat– ein Zweitstudium der Rechtswissenschaften in Angriff nahm und mit dem Advokaturexamen abschloss.
Den Kapitalismus überwinden zu wollen, heisse nicht, totalitäre Systeme zu befürworten: «Ich bin einfach überzeugt, dass der Kapitalismus nicht das am besten funktionierende System ist.» Politik dürfe indes nicht ideologiegeleitet sein: «Ich erlebe es oft, dass Lösungswege abgelehnt werden, weil sie nicht zum Parteiprogramm passen. Gerade die Bürgerlichen tun sich in der Wirtschaftspolitik extrem schwer, pragmatische Entscheide zu fällen, trotz der desolaten Situation derzeit.»
Die SP habe es geschafft, sich vom Feindbild der SVP zu lösen und zu agieren, anstatt nur auf die politischen Kontrahenten zu reagieren. «In vielen Belangen, die jetzt aktuell sind, war die SP jahrelang die treibende Kraft, nur hat niemand die Notwendigkeit verspürt zuzuhören», sagt die Parlamentarierun mit einem Anflug von Genugtuung. Besonders vor dem Bankendebakel und der Währungskrise habe ihre Partei schon seit langem gewarnt: «Spätestens seit den letzten Entwicklungen wollen die Leute in der Schweiz diese Ungerechtigkeiten nicht mehr hinnehmen, davon bin ich überzeugt.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.10.2011, 14:37 Uhr
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30 Kommentare
Für mich ist Frau Leutenegger Oberholzer das typische Beispiel einer Generation von linken Politikerinnen und Politikern mit extremer kognitiver Disonanz. Keiffen gegen den Kapitalismus und leben wie die Made im Speck (Auto, Haus, Luis Vitton usw.). Antworten
Grande Dame ist doch etwas übertrieben. Die SP hat kein Programm mehr, und sie definiert sich ausschliesslich über ihr Feindbild SVP. Es gibt zur freien Marktwirtschaft keine Alternativen; alle andern Programme - und vor allem die fundamental-ideologischen der Sozialisten, Kommunisten und auch Grünen - sind grandios gescheitert. Der Tagi macht mit seiner Artikelserie seit Wochen linken Wahlkampf. Antworten
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