Wahlen 2011

Die Schweiz wählt

Alles zu den National- und Ständeratswahlen vom 23. Oktober 2011

Toni Brunner: «Sagen Sie mir Ihren Lohn!»

Von Claudia Blumer, Jan Derrer. Aktualisiert am 19.10.2011 170 Kommentare

Wirtschaftspolitik, Migration, AKW-Ausstieg: Die Parteipräsidenten kämpften gestern auf dem Podium des «Tages-Anzeigers» im Theater Neumarkt um letzte Wählerstimmen.

Heftige Debatten: Hans Grunder, Markus Hutter und Toni Brunner. (Video: Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Video: Jan Derrer

Vorbereiten auf die Diskussion: Christophe Darbellay im Theater Neumarkt. (Foto: Jan Derrer)

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21.35 Uhr: Der offizielle Anlass ist beendet, die Zuschauer gesellen sich auf die Bühne zu den Polit-Exponenten. Es war eine lockere Gesprächsrunde mit humorvollen Sticheleien unter den Kontrahenten. Die Parteipräsidenten scheinen fünf Tage vor den Wahlen erstaunlich gelassen zu sein. Auffallend war die Abwesenheit des FDP-Präsidenten Fulvio Pelli. Er müsse wohl im Tessin bleiben und dort um seine Wiederwahl kämpfen, mutmasste Moderator Iwan Städler zu Beginn der Debatte.

Subventionen und Zusammenhalt

21.30 Uhr: Für Aufruhr sorgt die Frage des DerBund.ch/Newsnet-Lesers Igor Bandolo: «Wie beurteilen Sie, FDP, die Gefahr für den sozialen Frieden in der Schweiz angesichts des Auseinanderklaffens der Einkommens- und Vermögensverteilung?» Markus Hutter verneint, dass die Schere auseinanderklaffe. Das provoziert Widerspruch bei Christian Levrat und Ueli Leuenberger, aber auch bei GLP-Präsident Martin Bäumle.

21.15 Uhr: Toni Brunner wird von einem Zuschauer gefragt, wie viel Subventionen er als Bauer und Radiomitarbeiter bezieht. Brunner ziert sich. Er sagt: «Ich nenne keine Zahl. Oder sonst sagen Sie mir Ihren Lohn!»

Bundesratsfrage

21.05 Uhr: Herr Brunner, welchen Sitz hätten Sie am liebsten? Den Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf, lässt Brunner durchblicken. Er kritisiert Darbellay, der sich verheddert habe. Darbellay ruft dazwischen: «Verwechsle mich nicht mit Zottel!» Brunner fährt fort: «Darbellay sagt, er stehe zur Konkordanz, wählt aber Widmer-Schlumpf wieder. Das widerspricht sich.»

21 Uhr: Was macht die FDP, wenn sie hinter die CVP zurückfällt? «Das ist doch keine Frage, die wir heute Abend lösen können», antwortet der FDP-Vize Markus Hutter. Der Moderator geht noch weiter: Darf ein abgewählter FDP-Bundesrat gegen seinen amtierenden Parteikollegen antreten? Hutter lässt sich nicht darauf ein: «Wir werden die drittstärkste Kraft bleiben und wir werden den zweiten Bundesratssitz behalten.»

AKW-Ausstieg dem Volk überlassen

20.50 Uhr: Toni Brunner muss sich zum AKW-Ausstieg äussern. Er delegiert die Frage ans Volk: «Beschlossen ist der Ausstieg erst, wenn sich das Volk dazu ausgesprochen hat.» Brunner erhält zum ersten Mal Applaus, als er für die Unabhängigkeit der Schweiz in der Atomstromproduktion plädiert. Christophe Darbellay kontert: «Die Atomnostalgiker sind immer noch am Werk.»

20.40 Uhr: Es geht um den AKW-Ausstieg. «Herr Grunder, Sie haben sich ja ziemlich wendig gezeigt beim Atomausstieg», spielt der Moderator den Ball dem BDP-Präsidenten zu. Grunder erklärt seine Umkehr damit, dass es unternehmerisch sei, sich den Begebenheiten anzupassen. «Die Zeiten haben sich geändert. Ich werde immer nur als Pferdezüchter wahrgenommen, ich muss vielleicht auch mal sagen, dass ich Dutzende Arbeitsplätze im Ingenieurwesen geschaffen habe in den letzten Jahren.»

«Der ökologische Fussabdruck zählt»

20.30 Uhr: Hans Grunder, Toni Brunner und Christophe Darbellay streiten sich über Sinn und Unsinn der Einwanderungsstopp-Initiative der SVP. Dann soll Ueli Leuenberger sagen, wie den negativen Folgen der Einwanderung zu begegnen sei: «Es geht doch darum, wie viel Ressourcen wir verbrauchen. Das ist doch egal, ob es ein Schweizer oder ein Ausländer ist! Es geht uns um den ökologischen Fussabdruck.» Und Christian Levrat sagt: «Wir sind die Ersten, die vor der Personenfreizügigkeit gewarnt haben.» Verhaltenes Lachen im Publikum. Levrat: «Sie müssen nicht lachen.» Lautes Lachen im Publikum. «Wir haben schon früh auf flankierenden Massnahmen bestanden und vor den negativen Folgen für die Arbeitnehmenden gewarnt.»

20.20 Uhr: Christian Levrat wirft Toni Brunner den Zickzackkurs der SVP in Sachen Nationalbank vor. Die SVP sei in Wirtschaftsfragen nicht zuverlässig, sagt er. Brunner kontert: «Ich hatte heute schon mal ein Podium mit Herrn Levrat, ich habe das alles schon einmal gehört.»

Was heisst Fitnessprogramm?

20.15 Uhr: Herr Bäumle, bleiben Sie bürgerlich, wenn es um Steuersenkungen geht? Der GLP-Präsident macht nichts, um seine Nähe zu den Bürgerlichen zu dementieren: «Wir werden auch Richtung Fitnessprogramm gehen, weiterhin genau auf die Finanzen schauen und dezidiert mitreden bei der Unternehmenssteuerreform.»

20 Uhr: Markus Hutter, Vizepräsident der FDP, wird gefragt: Heisst Fitnessprogramm Steuersenkung? Die Produktivität könne nur durch Reformen gesteigert werden, sagt er. Da gehöre die Unternehmenssteuerreform III dazu, die eine Steuersenkung beinhaltet.

Woher kommt das Geld?

19.50 Uhr: Woher kommt das viele Geld der SVP? Toni Brunner soll die Frage beantworten. Die SVP sei nun mal die grösste Partei im Land, auch im Detailhandel hätten wohl Migros und Coop die grössten Werbebudgets. Der SVP-Präsident wechselt bald das Thema, ärgert sich darüber, dass die Parteien den Schweiz-Slogan der SVP kopiert hätten. «Die SP ist eine wohltuende Ausnahme.» Zum CVP-Slogan «Keine Schweiz» ohne uns sagt Brunner: «Man müsste es probieren, es ginge wahrscheinlich schon ohne die CVP.»

19.45 Uhr: Christophe Darbellay muss das Glas mit Mineralwasser gleich wieder abstellen – er darf zuerst reden. Erst beim zweiten Anlauf beantwortet er die Frage, was ihn im Wahlkampf geärgert hat: Ein Journalist, heute Nachmittag. Mittlerweile habe er sich wieder mit ihm versöhnt.

19.30 Uhr: Der Saal ist voll, die Veranstaltung ist ausverkauft. Die Bühne ist allerdings noch leer, zuvor haben sich die Parteipräsidenten auf der Bühne begrüsst und ein wenig Small Talk betrieben.

Fragen an die Parteipräsidenten können die Leserinnen und Leser von DerBund.ch/Newsnet via Facebook (siehe links) oder in der Kommentarrubrik (siehe unten) stellen. Die Redaktion wählt einige Fragen aus und wird sie heute Abend den Parteipräsidenten stellen. Bringen Sie auch Ihre Meinung ein und diskutieren Sie auf der Facebook-Seite Tages-Anzeiger Politik oder in der Kommentarrubrik die Politik der Schweizer Parteien.

An der vom «Tages-Anzeiger» organisierten Podiumsdiskussion nehmen folgende Parteipräsidenten teil:

  • Toni Brunner (SVP)
  • Christian Levrat (SP)
  • Markus Hutter (FDP, Vizepräsident)
  • Christophe Darbellay (CVP)
  • Ueli Leuenberger (Grüne)
  • Martin Bäumle (GLP)
  • Hans Grunder (BDP)

Moderation: Iwan Städler (Ressortleiter Inland beim «Tages-Anzeiger») und Daniel Binswanger (Redaktor «Das Magazin»)

Datum und Ort: Dienstag, 18. Oktober, 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr) im Theater Neumarkt, Neumarkt 5 in Zürich. Eintritt: 15 Franken, mit der Carte Blanche 10 Franken.

DerBund.ch/Newsnet überträgt den Live-Videostream der Diskussion. Zudem können Sie auf Facebook laufend die Diskussion kommentieren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.10.2011, 21:34 Uhr

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170 Kommentare

Carlo Schnydrig

18.10.2011, 20:52 Uhr
Melden 92 Empfehlung

Toni Brunner, es ginge ohne CVP aber besser ginge es mit Sicherheit ohne SVP würde nichts verloren gehen Was Brunner da vom Stappel lässt, wird lediglich als "freches Gelaver" gewertet und bedarf auch einer weiteren Ueberlegung. Diese vorgeschwätzten Phrasen sind bereits abgedroschen und eine Zumutung. Bis jetzt haben sie nur verurteilt, geleistet haben sie noch nichts! "Dummes Blochergeschwafel"! Antworten


Pedro Baum

18.10.2011, 19:12 Uhr
Melden 86 Empfehlung

Meiner Meinung nach können fast alle Parteien nach Bern. Nur die SP hat diverse Probleme mit der Realität. Sie bringen keine richtigen Vorschläge, und eiern in der Gegend rum. Deshalb sollte man sicher nicht die SP wählen. Antworten




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