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TV-Kritik: Der selbstbewusste Herr Bäumle

Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 04.10.2011 86 Kommentare

Gestern Abend trat der Parteipräsident der Grünliberalen, Martin Bäumle, bei Roger Schawinski zum Interview an. Auf unangenehme Fragen gab er selten konkrete Antworten.

«Das war vor zwölf Jahren»: Bäumle kontert Schawinski (Screenshot SF1).

«Das war vor zwölf Jahren»: Bäumle kontert Schawinski (Screenshot SF1).

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Der Chef der Grünliberalen, Martin Bäumle, war gestern Abend Gast bei Schawinski. Dass der Mann mit Humor nicht allzureich gesegnet ist, wusste man schon vor diesem Auftritt. Gestern hatte man mit Bäumle aber nicht nur wenig zu lachen, der Politiker trat auch etwas gar grossspurig auf. Man wunderte sich jedenfalls nicht, dass er als 23-jähriger Jungpolitiker wegen charakterlicher Mängel als Präsident einer Kommission des Zürcher Kantonsparlaments abgesetzt wurde. An diese Episode wurde Bäumle von Interviewer Schawinski erinnert.

Bäumle sagte dazu, er habe daraus gelernt, und tat es als Jugendsünde ab. Aber die Zitate aus verschiedenen aktuellen Bäumle-Interviews, die Schawinski einblendete, erweckten einen anderen Eindruck. «Manchmal wäre es schön, König zu sein», lautete eines davon. In einem anderen Interview sagte Bäumle: «Die meisten Leute haben lieber ein grosses, schönes als ein kleines, hässliches Auto.» Er selber fährt auch ein grosses, schönes Auto. Entlarvend war dann aber vor allem ein anderes Zitat zum offenbar illegalen Gartenhäuschen in Wangen am Bodensee von GLP-Ständerätin Verena Diener. «Was meine Mitglieder in ihrem Privatleben machen, ist ihre Sache», sagte Bäumle dazu dem «Tages-Anzeiger».

Rundumschlag gegen die Presse

Seine Mitglieder? Bisher war man der Meinung, Verena Diener sei eine Galionsfigur der GLP und nicht bloss ein Mitglied der Bäumle-Partei. Leider hakte Schawinski hier nicht nach, wie Bäumle das mit«meine Mitglieder» genau meint. Er bohrte stattdessen weiter wegen dem angeblich illegalen Gartenhäuschen. Und bekam eine typische Bäumle-Antwort: Statt klärender Worte ein Rundumschlag gegen die Presse. Diese wüssten über nichts Besseres zu berichten als über ein Gartenhäuschen, «wo nicht alles optimal gelaufen ist». Für den GLP-Politiker ist der illegale Bau eines Gartenhäuschen offenbar eine Banalität, obwohl sich seine Partei den Kampf gegen die Zersiedelung der Landschaft auf die Fahne geheftet hat.

Auffallend war, dass Bäumle auf Fragen zu seinen Aussagen gegenüber Zeitungen selten konkret antwortete. Mehrmals wiederholte er, die eingeblendeten Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen. Zitate wie zum Beispiel «die Grünen müssten bereit sein, einen Bäumle als Bundesratskandidaten zu akzeptieren» oder dann zu den Bundesratsambitionen der Grünen «es braucht keinen Grünen im Bundesrat», sprechen allerdings für sich. Kann man aus diesen Zitaten etwas anderes ableiten, als das, was Schawinski Bäumle vorwarf: Nämlich dass dieser selber Bundesrat werden will (was er in Interviews auch zugegeben hat) und darum die Ambitionen der Grünen auf einen Bundesratssitz vehement bekämpft?

«Hast Du nichts Neueres gefunden»

Der GLP-Chef wich auch aus, als ihn der Talkmaster zu umstrittenen Bäumle-Entscheidungen in der Dübendorfer Exekutive befragte. Bäumle klammerte sich ans Amtsgeheimnis. Als ihm der Interviewer gegen Ende der Sendung vorwarf, er habe als Stadtrat in Dübendorf die Abschaffung der Altersbeihilfen bewerkstelligt, sagte Bäumle: «Das war vor zwölf Jahren. Hast Du nichts mehr Neueres gefunden, das Du mir vorwerfen kannst?»

Weiter hätte man von Bäumle gerne erfahren, wie man jahrelang im Vorstand des grünen Verkehrsclub der Schweiz (VCS) sitzen kann, der kleine, schadstoffarme Autos propagiert, Bäumle aber in Interviews grosse Autos propagiert. Als Schawinski ihn darauf hinwies, Politiker müssten ein bisschen auch leben, was sie vertreten würden, bekam er als Antwort: «Das erwarte ich von meinen Mitgliedern.»

Aber wird auch er den eigenen Erwartungen gerecht? Daran könnte man nach dem gestrigen Auftritt zweifeln. Dafür spielte sich Bäumle als der grosse Anti-Atom-Zampano auf. «Den Atomausstieg schaffe ich nur mit der CVP und der BDP», so Bäumle. Nur: Der Atomausstieg wurde ohne Bäumle im Parlament aufgegleist. Das war vor allem das Teamwork der CVP und der SP. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2011, 13:27 Uhr

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86 Kommentare

Walter Kuhn

04.10.2011, 14:05 Uhr
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Bäumle hat keine grossen Autos propagiert, das ist eine Erfindung des Kritikers. Bäumle hat gestanden, einen schweren BMW-Töff zu haben. Bäumle hat sich zu Recht gegen aus dem Zusammenhang gerissene Zitate gewehrt. Respektlos gegenüber dem Gast war Schawinski, als er ihm gegen das Ende sinngemäss sagte, jetzt müsse Bäumli seinen "Rasenmäher" (gemeint war seine "Schnurre") herunterschrauben. Antworten


Hans Christian Müller

04.10.2011, 18:20 Uhr
Melden 62 Empfehlung

Sowohl Bäumle als auch Diener waren ja - heute darf man sagen, wohl um der schnellen Karriere willen - einstmals grün. Ob es Einsicht und Ehrlichkeit waren, die zur Abspaltung und Gründung der GLP führten, mag bezweifelt werden. Die aktuellen Grünliberalen sind einfach Leute, die sich zu fein fühlen, um grün zu sein und zu feige sind, sich als echte Liberale der Kritik von links auszusetzen. Antworten




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