Wahlen 2011

Die Schweiz wählt

Alles zu den National- und Ständeratswahlen vom 23. Oktober 2011

Der Aufstand der Generalsekretäre gegen das Schweizer Fernsehen

Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 29.10.2011

«Mumpitz», «unseriös», «hochnotpeinlich»: Vier Vertreter von Bundesratsparteien kritisieren die SF-Berichterstattung mit den falschen Hochrechnungen am Wahlsonntag.

1/5 Kritische Runde (v.l.): Die Generalsekretäre Tim Frey (CVP), Thomas Christen (SP), SF-Moderatorin Sonja Hasler, Martin Baltisser (SVP) und Stefan Brupbacher (FDP) am Wahlsonntag. (23. Oktober 2011)
Bild: Steffen Schmidt/Keystone

   

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Alle vier Jahre, wenn sich der Pulverdampf des Wahlkampfes langsam verzieht, entlädt sich der Unmut der Wahlverlierer über das Schweizer Fernsehen. Das ist auch 2011 nicht anders. Nur haben die Parteien diesmal auch tatsächlich Grund für ein paar Beanstandungen: Die für die Hochrechnungen zuständige Arbeitsgemeinschaft Projections 2011 hat Endergebnisse aus einem Kanton falsch zugeordnet. Dies hat die zweiten und dritten Hochrechnungen des Schweizer Fernsehen verfälscht.

Der wissenschaftliche Leiter von Projections 2011, Rolf Nef, gab zwar gestern in einer Pressemitteilung des Schweizer Fernsehen den Lapsus zu. Sie hätten das «wegen unserer minutiösen Vorbereitung nicht für möglich gehalten», so Nef. Die erste Hochrechnung vom Wahlsonntag um 19 Uhr sei aber so präzise gewesen wie nie zuvor. Die Abweichung gegenüber den am Dienstag vom Bundesamt für Statistik publizierten Endergebnissen habe höchstens 0,2 Promille betragen.

Berichterstattung stützte sich auf falsche Zahlen

Nur stützen sich zum Beispiel Berichterstatter anderer Medien nicht unbedingt auf die ersten Hochrechnungen ab, sondern auf die darauffolgenden, weil man diese für präziser hält. Das Schweizer Fernsehen habe aber am Sonntag drei Wahlergebnisse präsentiert, die «von Hochrechnung zu Hochrechnung falscher wurden – obwohl die dritte Hochrechnung auf 25 ausgezählten Kantonen beruhte», sagt SP-Generalsekretär Thomas Christen. «Die Unterschiede waren teilweise sehr gross», kritisiert auch Tim Frey, Generalsekretär der CVP. «Wir waren am Sonntag zuerst bei 12,1 Prozent, dann kletterten wir auf 13,1 Prozent, und das? Schlussresultat steht bei 12,3 Prozent.»

Die SVP sah sich durch die Hochrechnungen des Schweizer Fernsehen praktisch auf die Werte von 2003 zurückgeworfen – ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Die Partei verlor zwar acht Sitze, brach aber bei den Wähleranteilen weit weniger ein, als dies die Hochrechnungen vermuten liessen. Kein Wunder, bezeichnet Generalsekretär Martin Baltisser die falsche Zuordnung von Wahlergebnissen als «hochnotpeinlich». Damit basiere die Erstanalyse der Wahlen auf falschen Zahlen. Auch für Sozialdemokrat Christen haben diese Hochrechnungen die Diskussion über das Wahlresultat verfälscht. Er hält das für «unzulässig, unverständlich und unseriös».

«Viel Mumpitz produziert»

Das Ganze zeige aber auch die Problematik der Monopolisierung der Berichterstattung über die Wahlen durch die SRG, so Baltisser. Die Fernsehanstalt nehme damit direkt Einfluss auf die Wahlen, deren Ausgang und deren Kommentierung. «Die Jagd auf Zahlen um jeden Preis – vor, während und nach den Wahlen – hat viel Mumpitz produziert», findet hingegen FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher.

Brupbacher und Frey von der CVP hätten lieber spätere und dafür richtige Hochrechnungen. Christen findet dagegen, sieben Stunden bis zur ersten Hochrechnung seien mehr als genug. Baltisser sieht ein generelles Qualitätsproblem der SF-Berichterstattung am Wahltag. Man habe grosse ausländische Fernsehanstalten kopieren wollen.

Wirklich daneben griff SF nur 1999

Allerdings müssen Radio und Fernsehen am Wahltag irgendwie ihre Sendezeit füllen, bis die Wahlergebnisse vorliegen. Dazu bieten sich die Hochrechnungen an. Dabei haute das Schweizer Fernsehen in den letzten zwölf Jahren ein einziges Mal krass daneben: Damals sagte die SRG-Hochrechnung des GfS für die CVP einen Verlust von vier Sitzen voraus – die CVP gewann einen. Die SP verlor nur zwei statt der acht prognostizierten Sitze. Und statt Wähleranteile zu verlieren, wie dies die Hochrechnungen androhten, konnten die Genossen ihre Anteile steigern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.10.2011, 18:44 Uhr


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