Wahlen 2011
Unter Druck blüht die Musterschülerin so richtig auf
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 28.10.2011 267 Kommentare
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Die Bundesratswahlen
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Sie war das einzige Bundesratsmitglied, das am Sonntagabend den Ausgang der eidgenössischen Wahlen kommentierte. Die BDP habe über ihre Gründerkantone hinaus Fuss gefasst, sagte Eveline Widmer-Schlumpf im Fernsehen. Und gestern kündigte sie in einem Interview im Wochenmagazin «Hébdo» an, sie werde dem Bundesrat «wenn möglich noch vor Dezember» eine ökologische Steuerreform präsentieren, ein «revolutionäres» Projekt, das sich für die Zusammenarbeit einer Zentrumsallianz eigne.
Die beiden Verlautbarungen zerstreuen letzte Zweifel: Eveline Widmer-Schlumpf empfiehlt sich für die Bundesratswahlen vom 14. Dezember trotz Mitgliedschaft in einer 5-Prozent-Partei zur Wiederwahl. Als gleichsam überparteiliche Vertreterin des «politischen «Zentrums». Und mit der angekündigten Ökosteuer lanciert die Bundesrätin entschlossen ihren Wahlkampf. Denn mit diesem Vorschlag sichert sie sich Stimmen im umweltfreundlichen Lager.
Acht Jahre – wie der Vater
Dass die 55-jährige Bündnerin freiwillig auf das Bundesratsamt verzichten könnte, um Platz für einen SVP-Vertreter zu machen oder die Abwahl eines FDP-Bundesratskollegen abzuwenden, war schon immer eher unwahrscheinlich. Sie wäre nie Bundesrätin geworden, wenn ihr das Amt nicht fast alles bedeuten würde. Als Widmer-Schlumpf 2007 anstelle Christoph Blochers gewählt wurde und sich eine 24-stündige Bedenkzeit ausbedingte, war für Vertraute klar, dass sie zusagt. Trotz des Zorns der SVP-Basis, trotz politischer Turbulenzen als Folge ihrer Wahl.
Halb im Witz und halb ernsthaft sagen ehemalige Weggefährten aus Graubünden, Widmer-Schlumpf werde erst nach acht Jahren zurücktreten. Genauso lange sei auch ihr Vater, Bundesrat Leon Schlumpf, im Amt gewesen, als er 1987 ging. Die enge Beziehung zum Vater hat den beruflichen und politischen Werdegang von Widmer-Schlumpf stark geprägt; er hatte sich für sie immer eine Karriere gewünscht, die im Bundesrat endet. Und die Tochter, so scheint es, hat alles getan, um ihm nachzueifern.
Die Beste zu sein, ist wichtig
Wie einst der Vater wurde sie zuerst Kreisgerichtspräsidentin und Anwältin. Und wie einst der Vater wurde sie später in den Regierungsrat gewählt. Für Bündner Beobachter sind diese Parallelen wichtig, um das Verhalten von Widmer-Schlumpf zu erklären.
Der Umstand, Bundesratstochter zu sein, brachte Vorteile. Doch die Karriere ist ihr nicht in den Schoss gefallen. Schon in der Kantonsschule sei die heutige BDP-Bundesrätin durch unbändigen Fleiss und Ehrgeiz aufgefallen, erzählt ein Schulkollege; nur so habe sie es zur Klassenbesten geschafft.
Die Beste zu sein, war ihr immer wichtig. Als sie bei Bündner Regierungsratswahlen ausnahmsweise nur das zweitbeste Ergebnis erzielte, soll sie sich gründlich enerviert haben. Widmer-Schlumpf will tadellos dastehen und deshalb keine Fehler machen. Das Bundesratsamt übt sie in fast aufopfernder Weise aus. Sie kennt ihre Dossiers bestens und bekommt als Finanzministerin Lob von vielen Seiten.
Verärgert über Sommaruga
Sobald jedoch ihre Leistung angezweifelt wird, reagiert die Bündnerin heftig. Zuletzt bekam dies Kollegin Simonetta Sommaruga zu spüren, die eine Untersuchung über unerledigte Asylgesuche anordnete, von denen Widmer-Schlumpf, als sie noch Justizministerin war, gewusst haben musste. Unwirsch reagierte Widmer-Schlumpf auch, als Kritik an ihrer Personalpolitik laut wurde, nachdem sie im Justizdepartement mehrere Chefbeamte entlassen hatte: «Die sind nicht mehr da, weil man sie eben nicht brauchen konnte.»
Ob es immer gerechtfertigt war, wenn Widmer-Schlumpf personell knallhart durchgriff, ist umstritten. Zumindest bei der Reorganisation des Bundesamts für Migration fehlte es ihr 2009 nach breiter Einschätzung am nötigen menschlichen Gespür; in ihrer Zahlen- und Faktengläubigkeit vertraute sie zu fest auf Umbauvorschläge angeblicher Experten, ohne zu merken, dass so ein ganzes Amt lahmgelegt und das Personal total verunsichert wird.
Ihre Laufbahn hat sie abgehärtet. Als dreifache berufstätige Mutter musste Widmer-Schlumpf in ihren politischen Anfängen gegen Vorurteile antreten, als Bündner Finanzdirektorin kämpfte sie wie eine Löwin für eine Steuererhöhung und scheiterte am Schluss doch, und als Bundesrätin musste sie am Anfang Schmähungen und Drohungen des SVP-Publikums aushalten.
Unerschrocken, hartnäckig
Doch Widmer-Schlumpf gilt als starke Frau, die in schwierigen Situationen umso unerschrockener an die Arbeit geht und umso hartnäckiger ihre Ziele verfolgt. Als 2001 die sogenannte Pelzmantelaffäre um FDP-Regierungsrat Peter Aliesch die Bündner Exekutive erschütterte, lief sie als Regierungspräsidentin und Krisenmanagerin zu Hochform auf. Und als sie 2008 für den erkrankten Finanzminister Hans-Rudolf Merz einspringen musste, um das UBS-Rettungspaket aufzugleisen, holte sie ebenfalls Lorbeeren.
Freude an der Macht und die Lust, Probleme zu lösen, treiben sie an, nicht Visionen. Was sie beginne, wolle sie zu Ende führen, sagen Vertraute. So hat sie sich etwa vorgenommen, den Finanzplatz Schweiz, mit Abkommen und Verträgen abgesichert, definitiv in die Weissgeld-Zukunft zu führen. Da wartet noch viel Arbeit – Arbeit, die in Widmer-Schlumpfs Selbstverständnis nur sie selber erledigen kann. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.10.2011, 22:16 Uhr
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267 Kommentare
Die beste Bundesrätin?Wenn ich das schon höre, bekomme ich einen Lachanfall!Was hat sie denn bisher geleistet?Ausser Leute rausgeschmissen und ein Chaos im EJPD hinterlassen,dass SS geerbt hat?Und jetzt im Finanzdepartement?Auf den Lorbeeren von Merz ausruhen. Superjob!Aber als Frau,Anti-SVP und Anti-Atom könnte sie auch Banken überfallen und wäre noch die Beste BR! Unglaublich diese Heuchelei Antworten
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