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Privatchauffeur gegen Trockenfleisch

Von Christian Brüngger. Aktualisiert am 03.01.2012 2 Kommentare

Vor der heutigen 5. Etappe in der Tour de Ski trennen Dario Cologna und Peter Northug nur 1,1 Sekunden. Weil im Fight um den Gesamtsieg Kleinigkeiten mitentscheiden, loten sie jedes Detail aus.

Nur durch 1,1 Sekunden voneinander getrennt: Dario Cologna (links) und Petter Northug lassen sich nicht mehr aus den Augen.

Nur durch 1,1 Sekunden voneinander getrennt: Dario Cologna (links) und Petter Northug lassen sich nicht mehr aus den Augen.
Bild: Reuters

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Dario Cologna und Petter Northug haben nur Augen füreinander. Wie ein frisch verliebtes Paar können sie sich während der Rennen kaum aneinander sattsehen. Das führte über Neujahr zum Problem. Da im Sprintfinal von Oberstdorf am Samstag der Schweizer im Windschatten des Norwegers lief, kam auch er zum Stillstand, als sich Northug im letzten Aufstieg selber zu Fall brachte. Die Podestränge waren damit für beide weg, dafür rang Cologna seinen Antipoden erstmals seit vielen Monaten in einem Sprint nieder.

Auch vorgestern beim Skiathlon (10 km klassisch, 10 km Skating) am zweiten Oberstdorf-Tag war zum Schluss der eine stets beim anderen. Diesmal hatte Northug die Skispitzen vorn. Nach vier von neun Rennen befinden sich die zwei 25-Jährigen damit auf Augenhöhe. Sie sind nur durch 1,1 Sekunden voneinander getrennt. Der drittplatzierte Alexander Legkow (Rus) weist hingegen schon einen Rückstand von 52,3 Sekunden auf.

Viel schlafen und reichlich essen

Gestern durften sich die Athleten am ersten von zwei Ruhetagen freuen. Cologna wie Northug waren froh darum. Beide berichteten nach dem Skiathlon über schwere Beine, beide nutzten den freien Tag, um viel zu schlafen und reichlich zu essen.

Das Schweizer Team war nach dem Rennen noch am Abend nach Toblach (It) gereist, wo heute die fünfte Etappe ansteht – ein Klassischrennen mit Einzelstart über 5 Kilometer. Grosse Abstände sind wegen der Kürze keine zu erwarten. Auch aus diesem Grund versuchen Cologna und Northug im Fight um den Tourtitel, Details für sich zu nutzen. Northug hat mit Eirik Myhr Nossums einen Jugendfreund engagiert, der ihn als Privatchauffeur von einem Tourort zum nächsten fährt und beim Skiservice mithilft. Auf diese Weise ist Northug im grossen norwegischen Team unabhängig und weiss stets eine Vertrauensperson um sich.

Lange Tage für alle Beteiligten

Cologna seinerseits wird familiäre Stimmung kreieren, indem er seinen Privatcoach Fredrik Aukland für die entscheidenden letzten zwei Etappen zu sich bat. Bei den Autofahrten, die oft mehrere Stunden dauern, hilft Cologna die Vorarbeit Guri Hetlands, der Teamchefin der Schweizer. Für die Tour hat die Norwegerin zwei Minivans organisiert, damit sich ihre Athleten ausbreiten und auch angenehm schlafen können. Weil nebst Cologna nur noch der stärker werdende Curdin Perl und Remo Fischer dabei sind, kann der Teamleader manchmal ebenso wie Northug von Privatchauffeurdiensten berichten, da er wegen Siegerehrung und/oder Dopingkontrolle manchmal im zweiten Van sitzt. Die Transporter werden stets vom Physiotherapeuten und dem Arzt gefahren. Damit sich Cologna nach dem Einsatz rasch erholt, trinkt er umgehend einen Protein-Shake. Für den kleinen Hunger während der Fahrten hat Hetland Snackboxen mit Getränken, Schokolade und Trockenfleisch zusammengestellt.

Sie fährt nach jedem Rennen sofort ab, damit sie vor dem Team die Hotelzimmer kontrollieren kann. Auch den Mahlzeitenplan spricht sie dann mit den Köchen nochmals durch. Wenn ihre Schützlinge eintreffen, sind die Zimmer bezugsbereit und das Essen angerichtet. «Damit sparen wir entscheidende Zeit», sagt Hetland. Dass ihre Tage wie auch diejenigen des Serviceteams lang sind, nimmt sie gelassen hin.

Obschon gestern wettkampffrei war, bewegte sich Cologna. Am Morgen lief er den letzten Streckenabschnitt der längsten Etappe vom Donnerstag über 35 km ab. Nach einem Mittagsschlaf folgte ein leichtes Jogging von 30 Minuten. Ab heute hat er wieder nur noch Augen für Petter Northug. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.01.2012, 20:49 Uhr

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2 Kommentare

Bruno Froehlich

03.01.2012, 11:32 Uhr
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Nur noch laufen muss Dario selbst ; aber was waere dieses Wert ohne die hervorragende Betreuung ! Sehr guter journalischer Blick hinter die Kulissen. Danke. Antworten


Christoph Burkart

03.01.2012, 11:16 Uhr
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Der Artkel von Christian Brüngger lässt mich doch einigermassen den Kopf schütteln. Wir schreiben das Jahr 2012 und Langlauf ist längst keine Randsportart mehr. Wissenschaftliche Trainingsmethoden und Ernährungslehre sind wie in anderen Sportarten selbstverständlich. Sind also ein Protein-Shake oder ein Tourbus mit Schlafgelegenheiten einen Artikel wert.?? Antworten



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