Eine Skipose empört Amerika
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 09.02.2010 57 Kommentare
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Stein des Anstosses in der Neuen Welt ist das Titelbild von Lindsey Vonn im US-Magazin, das sie in der Hocke und voller Optimismus zeigt. Nein, nicht etwa im Eva-Kostüm oder leicht bekleidet, sondern in voller Ski-Montur. Gewiss, kein Mann schaut weg, wenn die amerikanische Skifahrerin in die Kamera blickt – die 25-Jährige ist das, was man im Volksmund als attraktiv bezeichnet, und erfolgreich noch dazu.
Dass sie auf dem alten Kontinent (noch) der grössere Star ist als in ihrer Heimat, hat mit der Unkenntnis ihrer Landsleute in Sachen Skifahren zu tun. Das könnte sich nach Olympia, wo Amerika plötzlich auch den Schneesport zu entdecken pflegt, schlagartig ändern. Denn Vonn könnte dank ihren Fähigkeiten auf den alpinen Skibrettern zum ganz grossen Star von Olympia in Vancouver werden.
Der Ärger der Feministinnen
Aber Vonn hat sich mit einem für europäische Verhältnisse harmlosen Schnappschuss in die gesellschaftlichen Nesseln gesetzt. Das Foto in der «Sports Illustrated» – übrigens auch in der schweizerischen «SonntagsZeitung» abgebildet – hat nicht nur die Wächter und Wächterinnen von Sitte und Moral auf den Plan gerufen, sondern auch die hartnäckigen Vertreterinnen des Feminismus. Die Sportsoziologin Nicole M. La Voi von der Universität Minnesota, dem heimatlichen Bundesstaat der Athletin, schimpft: «Wenn Frauen auf dem Titel von ‹Sports Illustrated› auftauchen, dann tun sie es wahrscheinlich in sexualisierten Posen und nicht in Action. Das jüngste Vonn-Cover bildet da keine Ausnahme.» Die «Huffington Post» findet gar: «Vonns Foto auf dem Titel der Zeitschrift sorgt für eine Kontroverse.» Der bekannte Internet-Titel stört sich zudem an «der sexuell suggestiven Pose» der Sportlerin.
Vonn ist nicht das einzige Sport-Opfer, das von der amerikanischen Prüderie und Doppelmoral betroffen wurde. «Welt Online» erinnert sich, dass auch die US-Fussballerin Brandi Chastain für Entrüstung in ihrer Heimat sorgte, als sie vor gut zehn Jahren den entscheidenden Penalty gegen die Chinesinnen verwandelt, ihr Trikot aus Freude ausgezogen und nur ihren blanken BH gezeigt hatte. Nur ein juristisches Plädoyer bewahrte sie vor Strafen: «Kurzzeitige Unzurechnungsfähigkeit». Und freizügige Fotos der Spitzen-Schwimmerin Amanda Beard lösten Proteste im ganzen Land aus, namentlich in konservativ-christlichen Kreisen.
Unkenntnisse im Sport
Nur gut, dass das internationale Skivolk weiss, dass es sich bei Vonns Haltung auf besagtem Foto um eine sportliche Pose handelt. Wer sich in etwas anderes hineinsteigert, muss schleunigst das gleiche tun wie Tiger Woods: eine Sexklinik besuchen oder in die Skischule gehen. Merke: Hockende Frauen in voller Montur und auf Skibrettern rasen den Hang hinunter – und nichts anderes.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2010, 12:48 Uhr
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57 Kommentare
Ich finde es ist eine himmeltraurige Geschichte, dass in den USA Gewalt aller Art omnipotent und (siehe Hollywood) als Mittel der Wahl gerechtfertigt wird, hingegen alles was auch nur ansatzweise anzüglich ist verteufelt wird. Ich frage mich wann zum letzten mal ein Bild eines entblössten Menschen jemandem geschadet hat. Wie aktuell der Spruch aus den 60ern: "make love not war..." Antworten

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