Carlo Janka hat die grosse Kristallkugel im Blick
Von Christian Andiel, Garmisch. Aktualisiert am 10.03.2010
Heute Mittwoch beginnt in Garmisch-Partenkirchen der alpine Weltcupfinal 2009/10 mit den Abfahrten der Männer und Frauen. Bei den Männern sind die kleinen Kugeln in Abfahrt (Didier Cuche) und Superkombination (Benjamin Raich) vergeben, bei den Frauen erklärte die Deutsche Maria Riesch gestern die Amerikanerin Lindsey Vonn zur Gesamtsiegerin, obwohl die 245 Punkte Rückstand theoretisch gutzumachen wären.
So steht also das Duell zwischen dem 32-jährigen Österreicher Benjamin Raich (1019 Punkte) und dem 23-jährigen Bündner Carlo Janka (973) um die grosse Kristallkugel im Mittelpunkt. Nach Auswertung verschiedener Faktoren präsentiert sich das Duell völlig offen: Es steht 3:3.
Ausgangslage
Benjamin Raich hat 46 Punkte Vorsprung, und seit der Final in der jetzigen Form ausgetragen wird (1999), gewann der Führende vor den vier letzten Rennen achtmal die grosse Kristallkugel. 1999 konnte der Norweger Lasse Kjus 51 Punkte auf Landsmann Kjetil André Aamodt gutmachen. 2007 und 2009 gelang dem Norweger Aksel Svindal jeweils der Sprung von Rang 3 auf 1 - 2009 machte er acht Punkte auf den Kroaten Ivica Kostelic und Raich gut, 2007 lag Raich vor dem Final sogar 103 Punkte vor Svindal. Für diesen bislang unerreichten Coup benötigte Svindal allerdings drei Siege im Final - und einen 15. Rang im Slalom, den Raich gewann.
Raich - Janka 1:0
Formkurve
Janka hat während der Saison ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Er hat viermal gewonnen, aber auf seine drei Siege in Beaver Creek folgten drei Nuller. Raich fehlen die absoluten Topresultate, er hat nur einen Sieg (Superkombination Val-d’Isére), dazu kommen vier weitere Podestplätze. Aber der Österreicher zeigte diesen Winter eine grossartige Konstanz, er war 18-mal in den Top 10 (Janka 14), hatte nur einen Ausfall (Janka 6). Der Schweizer hat sich diese Taktik offenbar abgeschaut, zuletzt hat er sich mit fünf Top-10-Plätzen in Folge auf relativ hohem Niveau stabilisiert.
Raich - Janka 1:1
Restprogramm
Beide können in je drei Disziplinen sicher punkten. Doch beim Final sind nicht mehr alle Konkurrenten mit aller Konsequenz dabei, Bode Miller etwa tritt nicht einmal an. Deshalb steigen die Chancen, dass Janka gar im Slalom in die Punkteränge fahren könnte. Im Riesenslalom ist die Sache ausgeglichen, im Slalom liegen die Vorteile klar auf Seiten Raichs. Janka muss heute in der Abfahrt vorlegen. Umso mehr, als Raich auf einen Start verzichtet, nachdem er im Training fast viereinhalb Sekunden auf die Bestzeit verlor.
Raich - Janka 2:1
Nervosität
Raich hat die grosse Kugel bereits einmal gewonnen (2006), er war zwischen 2005 und 2009 nie schlechter als Zweiter. Janka erlebt erst seine dritte komplette Weltcup-Saison, aber er ist schon Weltmeister und Olympiasieger. Jankas Image als Eisblock, den rein gar nichts tangiert, entspricht nicht immer der Realität: Seine dreifache Nullnummer nach dem Dreifachsieg in Beaver Creek zeigte dies deutlich. Doch der Druck auf Raich ist ungleich grösser. Nachdem das österreichische Alpinteam der Männer ohne Medaillen von den Olympischen Spielen heimreisen musste und die kleine Abfahrtskugel bereits an Cuche verloren ist, bleibt nur ein Trost: die grosse Kugel für Raich.
Raich - Janka 2:2
Selbsteinschätzung
Carlo Janka: «Ganz egal, was hier in Garmisch passiert, ich bin mit meiner Saison sehr zufrieden. Und wenn es tatsächlich mit der grossen Kugel klappen sollte, dann wäre sie endgültig perfekt. Aber Benni ist der Favorit.» Benjamin Raich: «Natürlich ist eine gewisse Anspannung da, aber die braucht man auch, um schnell zu fahren. Carlo ist ein cooler Typ, er hat gute Karten, aber ich weiss, was ich kann.»
Raich - Janka 3:3 (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.03.2010, 07:54 Uhr

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