Sport

Wenn Doping ansteckend wird

Von Oliver Thommen. Aktualisiert am 24.02.2012

Das vielleicht ansteckende Gendoping soll das Doping des 21. Jahrhunderts werden und damit zu einer Gefahr für die Olympischen Spiele.

Doping mit veränderten Genen: Eine Urinprobe.

Doping mit veränderten Genen: Eine Urinprobe.
Bild: Reuters

Die Weltdopingagentur Wada beschäftigt sich seit einigen Jahren mit einem neuen unberechenbaren Gegner: Gendoping. Die Wada gründete eine Expertengruppe, um abzuklären, wie gegen dieses vom IOK und der Wada proklamierte Doping des 21. Jahrhunderts vorgegangen werden kann. Die Wada hat Gendoping bereits verboten, bevor überhaupt bekannt ist, wie und wo es angewendet wird. Die Expertengruppe der Wada zum Thema Gendoping warnte nun in der «Zeit», dass «Doping irgendwann de facto ansteckend wird».

Doping wie Schnupfen übertragbar

Die Gefahr dieser neuen Dopingvariante liegt in ihrer Einfachheit: Für 1000 Euro könnte sich ein Athlet mit veränderten Genen und Viren aus dem Internet ausstatten, sich diese spritzen und, falls es keine Nebenwirkungen gibt, produziert der Körper von nun an das Dopingmittel selbst: Gefässe erweitern sich oder der Muskelaufbau wird angeregt.

Doch die Viren, welche als Träger der veränderten Gene gespritzt werden müssen, bergen die Gefahr, dass sich nicht nur der Sportler selbst einer erheblichen gesundheitlichen Gefahr aussetzt, sondern auch sein Umfeld. Denn wenn sich die Trägerviren wieder aktivieren sollten, könnte dies laut Gendoping-Experte Perikles Simon dazu führen, dass sich Unbeteiligte das Doping und damit auch dessen tödliche Nebenwirkungen holen «wie einen Schnupfen».

Olympische Spiele in Gefahr?

Als im Januar 2006 gegen den deutschen Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein in Magdeburg prozessiert wurde, kam gemäss der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» ans Tageslicht, dass der Deutsche in Spanien bei einem Arzt per E-Mail nachgefragt hatte, ob dieser ihm das Gendoping-Mittel Repoxygen beschaffen könne. Und auch an den Olympischen Spielen 2008 in Peking sollen bereits Athleten mittels Gentechnik gedopt worden sein. Beweisbar ist das nicht, da die vorhandenen Testverfahren zwar existieren, bisher aber noch nicht angewendet werden können.

Folgt man dem Goldman-Dilemma, eine Studie, welche zwischen 1982 und 1995 alle zwei Jahre Sportler zu ihrer Doping-Akzeptanz befragte, sind mehr als die Hälfte der Sportler bereit, leistungssteigernde Mittel zu nehmen, auch wenn sie an den Folgen sterben könnten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2012, 15:21 Uhr

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