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Von Wunderanzügen und Djokovics Zauber-Ei
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Erinnern Sie sich an das Olympiajahr 2008, als im Schwimmsport mithilfe von Ganzkörperanzügen aus Kunststoff 133 Weltrekorde fielen? Es war die bislang grösste technische Revolution der sportlichen Neuzeit – und letzten Endes ein Ärgernis. Seit 2010 sind die von den Athleten spöttisch als Plastikmüllsäcke bezeichneten Wunderanzüge verboten und keiner trauert ihnen nach. «Es ist schön, wenn die menschliche Leistung und nicht die Wissenschaft im Vordergrund steht», bemerkte etwa die Deutsche Britta Steffen, die vor vier Jahren in Peking Gold über 50 und 100 Meter Freistil gewann.
Abseits des Schwimmbeckens darf die Wissenschaft aber weiter munter drauflos forschen. Und so wartete der US-Sportartikelhersteller Nike in diesem Jahr mit einem besonders aerodynamischen Laufanzug auf, der auf der 100-Meter-Strecke eine Zeitersparnis von 0,023 Sekunden bringen soll – was durchaus die Differenz zwischen der Bronzemedaille und dem undankbaren vierten Rang sein kann. Über 1000 Stunden testete Nike den sogenannten Pro TurboSpeed, dessen synthetischer Aeroswift-Stoff über kleine Grübchen verfügt, die bei Golfbällen für eine bessere Aerodynamik und einen schnelleren Flug sorgen. Die olympische Feuerprobe aber steht noch aus.
Die deutsche Konkurrenz von Adidas kontert mit einem 99,2 Gramm leichten Sprintschuh, der ihrem Paradeathleten Tyson Gay zu besserer Beschleunigung und effektiveren Richtungsänderungen verhelfen soll. Bedenkt man allerdings, dass der jamaikanische Weltrekordler Usain Bolt, seines Zeichens bei Puma unter Vertrag, die Konkurrenz selbst mit halboffenen Schuhen in Grund und Boden lief, erscheint es höchst fraglich, ob Gay die Innovation zum erhofften Olympiagold verhelfen kann.
Nur vier Prozent Verbesserung durch die Wissenschaft
Gemäss Berechnungen des englischen Sportingenieurs und Universitätsprofessors Steven Haake hält sich die Wirkung des technischen Hokuspokus im 100-Meter-Sprint ohnehin in Grenzen. Der Weltrekord erfuhr zwischen 1900 und 2008 eine Verbesserung um 24 Prozent, davon gehen aber nur gerade vier Prozent auf das Konto der Technik. Ganz anders sieht die Sache im Radsport aus, wo zwischen 1900 und 2008 eine Leistungssteigerung von 220 Prozent erreicht wurde, von denen der Wissenschaftler Haake 101 Prozent der Entwicklung aerodynamisch günstigerer Rennräder zuschreibt.
An der Grenze zum verbotenen Blutdoping bewegt sich eine Druckkammer in der Form eines Eis, die vor zwei Jahren am US Open der Tennisprofis Berühmtheit erlangte, weil der spätere Turniersieger Novak Djokovic von ihren Vorzügen schwärmte. Das alsbald als Ei des Djokovic apostrophierte und rund 75'000 Franken teure Konstrukt soll in der Lage sein, mithilfe von Ventilen und Vakuumpumpen Höhenluft zu simulieren. Wer sich pro Woche dreimal zwanzig Minuten lang in das Ei setze, könne sich über mehr rote Blutkörperchen und damit über mehr Ausdauer freuen, verspricht der Hersteller CVAC. Das CVAC-Ei erfreut sich auch bei Schwimmern und Volleyballern in den USA grosser Beliebtheit.
Federers Racket – ein technischer Dinosaurier
Ein Gegengewicht zum Technikwahn bildet das Racket von Roger Federer. Der Baselbieter spielt seit 2003, dem Jahr seines ersten Wimbledon-Triumphs, mit dem gleichen Modell. Als er damals die Schlägerfläche um zehn Quadratzentimeter vergrössern liess, empfand er dies bereits als Revolution. Andre Agassi, achtfacher Grand-Slam-Champion und 1996 in Atlanta Olympiasieger, behauptete sogar, die Farbe der Lackierung habe einen Einfluss auf den Charakter eines Tennisschlägers.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.07.2012, 13:53 Uhr




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