Unihockey: Der Abgang des Ausserirdischen

Von Denis Jeitziner. Aktualisiert am 22.03.2010

Die 2:6-Niederlage gegen Wiler-Ersigen markierte nicht nur das Saisonende der Unihockey Tigers Langnau, sondern gleichzeitig auch den Abgang ihres extravaganten Erfolgstrainers Philippe Soutter.

Philippe Soutters neue Ziele führen ihn ins Tessin. (Manuel Zingg)

Philippe Soutters neue Ziele führen ihn ins Tessin. (Manuel Zingg)

Die Luft war draussen. Die Unihockey Tigers hatten in den Playoff-Halbfinals gegen Wiler-Ersigen keine Chance. Am Samstag verloren die Langnauer auch das vierte Spiel der Best-of-seven-Serie, 2:6 lautete das Verdikt zugunsten des grossen Favoriten Wiler-Ersigen. Nach der knappen Playoff-Qualifikation im letzten Saisonspiel (notabene gegen Wiler), der Halbfinalqualifikation gegen Floorball Köniz und dem klaren Cupsieg gegen Waldkirch St. Gallen konnten die Unihockey Tigers Langnau keine zusätzlichen Kräfte mehr mobilisieren, um den Meister ernsthaft in Gefahr zu bringen: Saisonende für die Tigers und ihren Coach Philippe Soutter. Dieser wechselt – man höre und staune – zum Drittligisten Verbano-Gordola Unihockey.

Soutter, der Exot

Sein Übertritt in die exotischen Unihockey-Gefilde ist alles andere als ein Zufallsprodukt. Verbano-Gordola Unihockey gehört zum bedeutenden Leichtathletik-Club SAG Gordola, und die Macher des Vereins haben Grosses vor mit ihrer Unihockey-Sektion. Die perfekte Aufgabe für Soutter, der nach seinem zweijährigen Engagement im Emmental eine neue Herausforderung suchte. «Die Strukturen stimmen, der Verein ist ambitioniert – jetzt müssen wir alles nur noch mit Inhalt füllen», fasst der Winterthurer die Gründe für seinen Wechsel in die Sonnenstube zusammen. Doch es gibt natürlich noch einen anderen gewichtigen Antrieb: «Ich möchte mithelfen, den Unihockey-Sport im Tessin weiter und besser zu etablieren.»

Soutter, der Idealist

Soutter erhält bei Verbano-Gordola eine adäquate Entschädigung und kann also zumindest teilweise vom Trainerdasein leben. Den restlichen Lebensunterhalt verdient er sich mit Arbeiten als Konzepter und Texter. Das war auch bisher so. Soutter erhielt bei den Tigers zwar eine Anstellung zwischen 40 und 50 Prozent, das ist aber für ein Trainer-Engagement niemals ausreichend. «Unihockey bedeutet Idealismus. Selbst wenn sich der Sport in den letzten Jahren enorm entwickelt hat, kann man heute weder als Trainer noch als Spieler massgeblich davon leben.»

Soutter, der (Selbst-)Kritiker

Philippe Soutter hat in den vergangenen zwei Jahren viel erlebt, aber auch gelernt. Er wurde zweimal Cupsieger und scheiterte in der Meisterschaft zweimal an Wiler – letztes Jahr in einer denkwürdigen Finalserie nur äusserst knapp. Und trotzdem spricht Soutter davon, das Ziel verfehlt zu haben: «Nach der knappen Niederlage im Titelkampf letztes Jahr habe ich erkannt, dass wir in dieser Saison individuell und taktisch Fortschritte erzielen müssen. Wir haben dafür explizit die Regular Season nutzen wollen.» Der Winterthurer nimmt aber die Schuld an der Krise in dieser Phase auf seine Kappe. «Ich bin klar übers Ziel hinausgeschossen, was diese Entwicklung angeht. Es ist mir nicht gelungen, dies wunschgemäss einzubringen. Und der Identitätsverlust und die mangelnde Bereitschaft einiger Spieler, Neues anzunehmen, haben die Mannschaft destabilisiert.»

Selbst wenn es ein bisschen so tönt – Soutter ist alles andere als frustriert. «Ganz im Gegenteil, schliesslich haben wir ja auch etwas erreicht. Und ich hoffe, dass einige Impulse mit Verspätung fruchten. Denn nur so können die Tigers ihr grosses Ziel erreichen: endlich Schweizer Meister zu werden.»

Soutter, der Denker

Die schwierigste Phase erlebte Soutter letzten Herbst, als seine Unihockey Tigers zwischenzeitlich auf den 9. Rang abstürzten. «Da gerieten wir in eine Negativspirale, wie ich es noch nie erlebt habe. Die eigentlichen Leistungsträger haben als Leader meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllt, und die Jungen waren noch nicht ganz so weit.» Trotzdem zieht Soutter auch hier ein positives Fazit. «In der entscheidenden Phase haben wir uns toll zusammengerauft. Ehrlich gesagt, bin ich ein bisschen stolz auf die Entwicklung der jungen Spieler, welche in den nächsten Jahren die Identität der Tigers erfolgreich prägen können, wenn man zu ihnen Sorge trägt.» Der Winterthurer ist sich bewusst, dass er auch den Weg des geringsten Widerstands hätte gehen können. «Ich verfolge stets einen etwas philosophischen Ansatz, gute Resultate reichen mir nicht.»

Soutter hofft, dass sich seine Impulse langfristig auszahlen. «Eines der schönsten Erlebnisse hatte ich diese Saison, als ein ehemaliger Spieler zu mir kam und mir auf eine sympathische Art und Weise zu verstehen gab, dass einige Impulse mittlerweile bei ihm angekommen seien – das war fast mein persönliches Highlight in Sachen Unihockey.» (Der Bund)

Erstellt: 22.03.2010, 09:04 Uhr

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