Sport
«Sie werden keine Maschinenpistolen sehen in London»
Von Christian Brüngger, Benjamin Muschg. Aktualisiert am 01.04.2012 1 Kommentar
Olympia-Serie: Macher, Entwickler, Stars
In vier Monaten, am 27. Juli, werden in London die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Der Tages-Anzeiger nähert sich dem Höhepunkt dieses Sportjahres in fünf Schritten.
- Teil 1: IOK-Präsident Jacques Rogge im Interview
- Teil 2: Wie verändern Olympische Spiele eine Stadt?
- Teil 3: Unterwegs mit Organisationschef Lord Sebastian Coe
- Teil 4: Der Gigantismus nahm seinen Anfang 1984
- Teil 5: Die Stars der Spiele und solche, die es werden könnten
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Jacques Rogge
Der uneitle Sportdiplomat
Graf Jacques Rogge empfängt, wie es sich für den wichtigsten Sportfunktionär der Welt gehört: in einem grossen Büro mit Blick auf den Genfersee am Hauptsitz des IOK in Lausanne. Klassisch-elegant ist Rogge gekleidet, leicht französisch gefärbt sein gutes Englisch. In seiner Funktion als IOK-Präsident ist er der höchste Sportdiplomat. Seine aristokratische Aura passt da bestens zum Job.
Als der Belgier im Sommer 2001 zum Nachfolger des umstrittenen Spaniers Juan Antonio Samaranch gewählt wurde, bezeichnete ihn der «Tages-Anzeiger» als «Diplomat ganz ohne Spuren». Denn der frühere Orthopäde aus Gent hatte es trotz diverser IOK-Skandale Ende der 90er-Jahre geschafft, nie negativ aufzufallen. Es ist ihm auch über all die Jahre im Amt gelungen. Selbst als bekannt wurde, dass mit Lamine Diack und Issa Hayatou zwei IOK-Mitglieder in die ISL-Affäre verstrickt waren und Bestechungsgelder empfangen hatten.
Seine fehlende Aussenwirkung kann man unter anderem darauf zurückführen, dass der 69-Jährige in diesem Jahrzehnt auch als Präsident kaum substanzielle Spuren hinterlassen hat – obschon er für seine Arbeit 160 bis 170 Tage im Jahr von Land zu Land reist und als sehr integer gilt. Rogge aber war und ist kein Visionär, sondern ein Verwalter der Ringe. Gemessen an den eigenen Reserven, erledigte er diesen Teil seiner Arbeit exzellent. Unter seiner Führung versechsfachten sich die Reserven des IOK auf 600 Millionen Dollar. Er gibt sich in dieser Hinsicht bescheiden, sagt: «Wir haben eine anständige Arbeit bei der Geldbeschaffung geleistet.»
Keine Einmischung in die Politik
Rogge war mit einem durchaus ambitionierten Ziel angetreten: Er wollte den zunehmenden Gigantismus der Spiele begrenzen. Ein Jahr vor seinem Rücktritt sieht er dieses Ziel längst erreicht, wie er im TA-Interview erklärt. Gerade aber die Sommerspiele von Peking 2008 verdeutlichten, wie begrenzt die Macht des höchsten Sportfunktionärs ist, wenn sie auf das Geltungsbedürfnis eines Superstaates trifft. Da wird Mitmachen plötzlich zentraler als Siegen.
Die Peking-Spiele werden vor allem als propagandistische Selbstbeweihräucherung mit einer komplett neu gebauten Staffel an Stadien in Erinnerung bleiben. Rogge wehrte sich nicht. Als die Russen für die Spiele 2014 in Sotschi begannen, Regionen zu schleifen, blieb Rogge still. Stets verteidigte er sich damit, niemals souveränen Staaten dreinreden zu wollen.
Er ist darum ganz Diplomat geblieben – und trotz hoher Medienpräsenz ein bisschen unfassbar. Persönlich sei er stolz, dass er sich nicht verändert habe. «Ich bin noch immer derselbe Mensch wie vor elf Jahren», sagt er im Gespräch. «Und wissen Sie, in meiner Position trifft man sich mit Topathleten, Staatsoberhäuptern, Wirtschaftskapitänen. Da ist die Versuchung gross, etwas eitel zu werden.»
Beim Interview-Termin ist seine Lust auf flache Hierarchien kaum zu spüren. Die Sekretärin spricht ihn mit «Mr. President» an, als sie ihn fragt, was er während des Gesprächs trinken wolle. Rogge sagt auch: «Als ich mein Team zusammengestellt habe, achtete ich darauf, keine Jasager einzustellen.» Die beiden Frauen der Presseabteilung, welche das Interview protokollieren, nicken zustimmend.
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Korrektur-Hinweis
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Jacques Rogge, die Schweiz plant eine Kandidatur für die Winterspiele 2022. Was hätte sie davon?
Der Schweizer Sportdachverband und die involvierten Gemeinden haben gemerkt, dass Olympische Spiele viele Vorteile für das Gastgeberland bringen. Ich denke an die Nachhaltigkeit betreffend Sportanlagen, Motivation für die eigenen Athleten, einen Schub für den Tourismus und ein positives Image dank internationaler TV-Abdeckung. Die Schweiz verfügt über einige Vorteile: eine ideale Lage mit ihren Bergen und das Wissen, wie Wintersportereignisse durchgeführt werden. Zudem sind die Schweizer sehr sportbegeistert.
Wenn Sie der Chef der Schweizer Bewerber wären, wie würden Sie das IOK zu überzeugen versuchen?
Ich würde die Stärken und die eigene Vision betonen, von der die ganze Schweiz profitieren würde. Man müsste folglich die eigenen Kompetenzen in einer idealen geografischen Umgebung hervorheben.
Haben kleine Länder wie die Schweiz überhaupt noch eine Chance, die Spiele zu bekommen?
Natürlich. Nehmen Sie die Südkoreaner als Beispiel, welche die Winterspiele 2018 durchführen werden. Pyeongchang ist mit 30'000 Einwohnern keine grosse Stadt. Auch Lillehammer ist es nicht (Anm.: Die Norweger führten die Winterspiele 1994 durch). Solche Spiele kann es wieder geben. Wir haben uns für Pyeongchang und gegen grosse Städte wie München entschieden, weil wir an dieses Projekt glauben.
Die Schweizer Bewerber glauben, das IOK wünsche sich eine Rückkehr zu kleinen, «weissen» Spielen. Stimmt das?
Wir wären hoch erfreut, wenn wir über einen Bewerber mit einer solchen Strategie verfügen würden. Aber lassen Sie mich klar sein: Wir werden das Projekt mit der höchsten Qualität auswählen. Wir würden die Schweiz nicht um der Schweiz willen bestimmen, sondern weil ihr Dossier das Beste wäre.
Wenn Sie diese Vision mit derjenigen der russischen Stadt Sotschi vergleichen, die ohne bestehende Wintersport-Infrastruktur den Zuschlag für 2014 erhielt . . .
(unterbricht) Sotschis Vision ist eine andere und entspricht derjenigen von 2000 in Sydney. Damals gab es dort auch praktisch keine Infrastruktur. Vom Aufbau der Sportstätten profitiert die Stadt noch heute. Sotschi will sich ebenso neu positionieren. Aber das kann nicht die Vision der Schweiz sein. Die Schweiz muss keine neue Stadt bauen.
Das IOK gibt vor, dass ein Bewerber mindestens 10 000 Hotelzimmer in der Umgebung des Austragungsorts garantieren muss. Rund um St. Moritz wäre diese Zahl unerreichbar. Liesse das IOK diesbezüglich mit sich reden?
Sie brauchen nicht alles an einem Ort vorzufinden. Für die Winterspiele 2006 in Turin musste man rund zwei Stunden fahren, um an die Skirennen in Sestriere zu gelangen. Jede Bewerbung besitzt ihre eigene Identität und kann von anderen abweichen. Natürlich feilschen wir nicht um einzelne Zimmer. Aber ausreichend Platz muss sein.
Die Schweiz propagiert umweltfreundliche Spiele in den Bergen. Ist das kein Widerspruch?
Lillehammer zeigte, dass man umweltfreundliche und nachhaltige Spiele organisieren kann.
Aber Lillehammer hat Anlagen, die kaum mehr benutzt werden.
Ihre Aussage ist falsch. Die Anlagen werden im Winter regelmässig gebraucht – auch dank des Erfolgs norwegischer Sportler. Und der Schweizer Sport ist nicht schwächer als der norwegische.
Sie sagten bei Ihrem Amtsantritt, Sie wollten nicht immer noch grössere Veranstaltungen. Wie bewerten Sie die anstehenden Sommerspiele in London unter diesem Aspekt?
Wichtig sind die Anzahl Athleten, Sportarten und Wettkämpfe. Sie geben die Kosten und den Durchführungsaufwand vor. Seit den Spielen von 2000 hat sich die Zahl der Athleten bei 10 500 eingependelt. Das gilt für London und wird in Rio de Janeiro 2016 ebenso sein. Die Zahl der Sportarten haben wir bei 26 eingefroren, maximal zwei kommen hinzu. Mit anderen Worten: Den grössten Kostentreiber haben wir unter Kontrolle.
Für London werden um die sieben Millionen Tickets verkauft – gleich viele wie in Peking vor vier Jahren. Was aber sagen die Leute? Peking sei gigantisch gewesen. Das stimmt nicht. Natürlich ist das Land grösser, die Zahl der TV-Zuschauer höher. Aber diese TV-Zuschauer kosten uns keinen zusätzlichen Dollar. Wir wollen auch ein gesundes Vermächtnis der Sportstätten. Dies ist uns in London gelungen: Sechs der acht neu gebauten Stadien haben bereits einen Pächter gefunden.
Peking ist ein Negativbeispiel betreffend Infrastruktur. Mehrere der neu gebauten Stadien sind praktisch ungenutzt.
Es gibt eines oder zwei, aber nicht mehr. Die Chinesen haben clever geplant, nur spricht niemand davon. Die Anlagen sind in Universitätsnähe entstanden. Und diese Hochschulen vereinen Hunderttausende an Studenten. Diese benutzen die Stadien täglich.
Das prestigeträchtige Vogelnest aber, das Olympiastadion, wird kaum gebraucht.
Das stimmt. Allerdings ist es ein Nationalstadion. Das Wembley in London wird auch nur zu besonderen Gelegenheiten wie zu Länderspielen oder Cupfinals benutzt. Gleiches gilt für das Stade de France in Paris, das vielleicht zehn Mal im Jahr für Sportanlässe verwendet wird. Die Stadion-Hinterlassenschaft in Peking ist sehr nachhaltig.
Ist das Arbeitsverhältnis zu den Briten einfacher als zu den Chinesen?
(energisch) Da existieren keine Unterschiede! Beide Teams sind beziehungsweise waren enthusiastisch und kompetent. Die einzige Differenz besteht in geografischer Hinsicht. London ist von Lausanne aus viel rascher zu erreichen als Peking (lacht).
Aber in China herrschen doch ganz andere politische Strukturen als im Westen. Zensur war beispielsweise auch während der Spiele 2008 zentrales Thema.
Natürlich beeinflusst die Kultur die Zusammenarbeit – ebenso wie die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Als IOK-Präsident muss ich anpassungsfähig sein.
Die Londoner erwarten wegen der Spiele ein Verkehrschaos.
Vor den Spielen hört man immer solche Geschichten. Doch die Realität ist stets eine andere. Mich kümmern solche Negativstorys darum kein bisschen. Nehmen Sie das Beispiel Athen. Die Vorbereitungen gestalteten sich schwierig, viele Horrorgeschichten waren zu lesen. Und wie waren dann die Spiele? Wunderbar.
Die teuersten Plätze an der Eröffnungszeremonie kosten knapp 3000 Pfund. Kann ein Anlass so viel wert sein?
Er ist so viel wert, wie Leute auf einem freien Markt dafür zu zahlen bereit sind. Wir haben eine faire Preishierarchie festgelegt. Die billigsten Tickets kosten 20 Pfund, die teuersten 3000.
Allein auf den Anlagen in London werden 23 000 Sicherheitsbeamte zirkulieren. Wie viel Sicherheit vertragen Olympische Spiele?
Wir haben eine gute Balance zwischen den Sicherheitsanforderungen und dem intakten Erlebnisgefühl vor Ort gefunden. Sie werden keine Beamten mit Maschinenpistolen in den und um die Stadien in London sehen. Natürlich muss jeder Zuschauer einen Sicherheitscheck beim Stadioneintritt bestehen, aber das kennt man von vielen Läden, Hotels oder Flughäfen.
Für London wird eine Milliarde Franken allein für die Sicherheit veranschlagt. Dreht sich diese Kostenspirale weiter?
Sicherheit ist seit München 1972 (und dem Attentat auf israelische Athleten, Anm.) eines unserer Kernanliegen. Dann kam der 11. September 2001, der die Welt schlagartig veränderte. Überall und bei jedem Anlass kann seither ein Attentat stattfinden. Olympische Spiele ziehen potenzielle Terroristen wegen ihrer TV-Popularität an. Sie wollen auffallen und erhalten ein ideales Schaufenster.
Sind die Spiele diesen hohen Preis wert?
Das ist der Preis, den wir für Demokratie bezahlen. Investieren wir nicht massiv in die Sicherheit, sind Veranstaltungen wie Olympische Spiele unmöglich durchzuführen. Klar denke ich als Privatperson manchmal, wie brutal oder unfair die Welt ist. Diese Gedanken aber dürfen in meiner Funktion als IOK-Präsident keine Rolle spielen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin kein Roboter, der alles tut, um erfolgreich zu sein. Aber das Leben ist nun einmal unfair.
Sie haben im vergangenen Jahr mit der NBC einen langfristigen Vertrag für die Übertragung der Spiele 2014 bis 2020 in die USA abgeschlossen – zu denselben Konditionen wie für die vorhergehenden Spiele. Bisher waren die Einnahmen aus dieser wichtigsten Geldquelle des IOK jedes Mal grösser geworden. Sind die Zeiten des Wachstums vorbei?
Der Deal für Vancouver und London betrug 2,2 Milliarden Dollar. Nun bekommen wir 4,4 Milliarden Dollar für zwei Vierjahresperioden. Sie haben recht, das entspricht einer Abflachung der Kurve. Aber wir haben inmitten einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Krise verhandelt und ein gutes Resultat erzielt. Die Krise ist nicht vorüber, und es wird wohl ziemlich lange dauern, bis sie vorüber ist. Andere Sport-Lizenzgeber, die in jüngster Zeit ihre Verträge verlängern mussten, haben ihre Einnahmen schrumpfen sehen. Wir erhalten inflationsbereinigt denselben Betrag wie zuvor, und wir sind zufrieden damit.
Bisher wurden die Übertragungsrechte in der Regel nur für jeweils eine Olympiade verkauft. Warum haben Sie diesmal 2014/16 mit 2018/20 in ein Paket verpackt?
Es entsprach den Bedürfnissen der Bieter, die mehrheitlich einen langfristigen Vertrag wollten. Das gibt unserer Organisation Stabilität. Der Vorteil ist, dass wir nun den Organisatoren der Spiele 2020 sagen können: Wir können Sie unterstützen. Das Geld steht zur Verfügung.
Rom hat gerade seine weit fortgeschrittene Bewerbung für die Spiele 2020 zurückgezogen, weil Premier Monti nicht bereit ist, die vom IOK geforderten Defizitgarantien zu unterschreiben. Damit bleiben für 2020 noch fünf Bewerber – für 2004 waren es elf gewesen. Gehen dem IOK die Kandidaturen aus?
Wir sind glücklich mit den fünf Bewerbungen, die nun vorliegen. Das zeigt das Interesse in der Welt, die Spiele zu organisieren. Also machen wir uns keine grossen Sorgen. Was Italien betrifft, respektieren wir die Entscheidung. Italien ist in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Es war symbolisch etwas schwierig für Herrn Monti, die Garantien zu geben. Das verstehen wir.
Griechenland ist ja auch ein eher abschreckendes Beispiel.
Es ist sehr unfair zu behaupten, dass Griechenlands Probleme durch die Austragung der Olympischen Spiele entstanden sind. Die Ausgaben für Athen 2004 betrugen 9 Milliarden Euro, die Gesamtverschuldung des Staats beläuft sich auf 350 Milliarden. Das entspricht etwa zweieinhalb Prozent. Die Spiele haben in einem geringen Ausmass zu Griechenlands Überschuldung beigetragen, aber sie sind nicht deren Ursache. Aber Sie müssen auch fragen: Was haben die Spiele Athen gebracht? Die Verkehrssituation hat sich dramatisch verbessert.
Es gibt einen neuen Flughafen, eine neue Metro, eine neue Ringstrasse, der ganze Zugang zum Meer wurde geöffnet. Ja, es gibt weisse Elefanten (ungenutzte Stadien, Anm.) in Athen. Aber es gibt auch eine gute Hinterlassenschaft der Spiele. Nur spricht niemand darüber.
Warum muss eine Regierung für das Defizit einer privaten Sportveranstaltung garantieren?
Die Spiele sind kein privater Event. Sie sind ein Event, an dem auch die staatlichen Institutionen beteiligt sind. Die 9,3 Milliarden Pfund für London sind öffentliche Ausgaben. Das Budget für die Organisation beträgt 2 Milliarden Pfund. Diese Ausgaben werden durch Sponsoren getragen, durch Ticketverkäufe und auch durch das IOK. Das IOK wird mehr als eine Milliarde Dollar an die Kosten der Durchführung der Spiele beitragen.
In London rechnete man ursprünglich mit Ausgaben von 4 Milliarden Pfund für die Spiele, nun ist man bei 9,3 Milliarden. Warum werden die Budgets immer massiv überschritten?
Zwischen der ursprünglichen Kostenschätzung, die zwei Jahre vor der Durchführung gemacht wird, und der letzten Rechnung, die etwa sieben Jahre nach den Spielen bezahlt wird, liegen neun Jahre. In neun Jahren können sich sehr viele Dinge verändern. Der zweite Faktor: Wir stellen fest, dass Regierungen – nicht die Organisatoren – während der Vorbereitung auf die Spiele häufig neue Ausgaben beschliessen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das Olympiastadion in Athen war perfekt ohne Dach, aber die Regierung entschied, ein Dach zu bauen.
Wir sagten: Sorry, Gentlemen, nach unserer Einschätzung sollten Sie kein Dach erstellen, weil es den Bau komplizierter und teurer machen wird. Aber die Regierung sagte: Für uns ist das wichtig, denn das Stadion wird ein Wahrzeichen für Athen. Das IOK ist kein souveräner Staat. Wir arbeiten und organisieren die Spiele innerhalb eines Landes. Manchmal entscheidet dessen Regierung, den Rahmen der öffentlichen Massnahmen zu erweitern.
Als Sie die Präsidentschaft angetreten haben, verfügte das IOK über ein Kapital von etwa 100 Millionen Dollar, nun sind es 600 Millionen. Wofür brauchen Sie noch mehr Geld? Wir verteilen das Geld. Das IOK behält 6 Prozent seiner Einnahmen für seinen Betrieb und als Reserve. Warum sollten wir noch mehr Geld generieren? Weil der Bedarf der Entwicklungsländer nicht begrenzt ist. Wir müssen diesen Teil der Welt unterstützen. Die Schweiz erhält nicht viel vom IOK.
Der kürzlich zurückgetretene ehemalige Fifa-Präsident João Havelange war ein halbes Jahrhundert im IOK. Wäre es nicht sinnvoll, die Mitgliedschaft zeitlich zu beschränken?
Eine Amtsperiode beträgt zurzeit acht Jahre, aber sie kann erneuert werden. Die Länge des Mandats wird sicher in absehbarer Zukunft diskutiert werden.
Wird aus der trägen Funktionärsorganisation, die das IOK ist, irgendwann eine schlanke, professionelle Vermarktungsfirma?
Ich glaube, wir würden etwas verlieren, wenn eine kommerzielle Firma die Olympischen Spiele betreiben würde. Denn eine solche Organisation wäre nur an Einnahmen interessiert. Wir repräsentieren die Diversität der Welt. Wenn Sie die heutige Zusammensetzung des IOK anschauen, dann haben rund 40 Prozent der Mitglieder an den Olympischen Spielen teilgenommen, ich eingeschlossen. Diese Nähe zum Sport und seinen Werten ist wichtig. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.04.2012, 08:00 Uhr
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1 Kommentar
Wenn Herr Rogge etwas Ehre hätte, würde zugeben, dass die Idee der Olympischen Spiele schon lange gestorben ist. Peking und Sotschi sind nur vorläufige Höhepunkte.
Ich warte auf die ersten Spiele in Nordkorea, im Tibet oder in Xinjiang.
Alles im Namen der Völkerverständigung, dass ich nicht lache.
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