Sport
Seki mit grossem Sieg – und blutender Nase
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 08.07.2012
Wenger Kilian vs. Klitschko Wladimir
Während Gölä am Samstagabend kurz nach acht Uhr vom Ring aus die Audienz wissen liess, dass er früher einmal noch viel blöder getan hätte, hätte er damals schon gewusst, dass die Zeit zum Blödtun bald einmal vorbei sein würde, kam Schwingerkönig Wenger Kilian kaum mehr von der Absperrung weg – die Fans standen Schlange, um sich mit ihm ablichten zu lassen.
Für den «Bund» hatte er doch rasch Zeit. «I weisses nid rächt», sagte er auf die Frage, ob er Wladimir Klitschko im Armdrücken schlagen würde. Und nach einer kleinen Pause: «Är würd mi äuä möge.» Aber ins Sägemehl legen würde er ihn? «Mou, da bini fasch überzoge.»
Siege für Seferi und Szili
Der Burgdorfer Cruisergewichtler Nuri Seferi gewann gegen Giulian Ilie (Rum/It) durch Mehrheits-Entscheid der Punktrichter. Einer der drei Punktrichter wertete den Kampf seltsamerweise als unentschieden (78:72, 78:73, 77:77), obschon Seferi mit seiner Schlaghärte das Geschehen dominierte. Im achten und letzten Umgang sorgte Seferi mit einem krachenden rechten Haken für den spektakulärsten Niederschlag in diesem Duell. Für Seferi war es der 32. Sieg im 38. Kampf als Profi.
Der international vergleichbar hoch wie Seferi einzustufende Istvan Szili (Un/Frenkendorf) wurde bei seinem einstimmigen Punktsieg im Mittelgewicht über acht Runden vom Polen Daniel Urbanski nur bedingt gefordert. Flavio Turelli (Montreux) wiederum war dagegen überfordert; in einem Mittelgewichts-Kampf gegen den von Startrainer Emanuel Steward gecoachten Amerikaner Tony Harrison wurde Turelli nach einem unbeantworteten Schlaghagel bereits in der ersten Runde aus dem Kampf genommen (TKO).
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«Doch, ich glaub schon, dass das der wichtigste Sieg meiner Karriere ist», sagte Aniya Seki nach dem 20. Sieg in ihrem 24. Kampf. Eben hatte die Bernerin gegen die Rumänin Eva Marcu einen klaren Punktesieg gelandet – damit verteidigte sie ihren WM-Titel nach GBU-Version und holte sich zudem den bedeutenderen WM-Titel der WIBF im Superbantamgewicht (bis 55,225 Kilogramm). Am Stephanstag vergangenen Jahres hatte Aniya Seki diesen Titel noch verpasst. Damals war sie Marilyn Hernandez aus der Dominikanischen Republik nach Punkten unterlegen. Weil die Dominikanerin den Titel nicht fristgerecht verteidigte, war er nun wieder vakant.
Blutende Nase
Und nun schlug Aniya Seki zu – zu Beginn des Kampfes allerdings meist ins Leere. Immer wieder versuchte es die Bernerin nach dem gleichen Muster: mit der linken Führungshand vorzubereiten und dann mit ihrer rechten Schlaghand Treffer an den Kopf der 22-jährigen rumänischen Herausforderin zu landen. Doch voll traf sie ihre Gegnerin zunächst nie. So kam es meist zum Infight, und auch da gelang es Seki kaum, ihre Aufwärtshaken wirkungsvoll anzubringen. Dies auch deshalb, weil die Ungarin wieder und wieder ungestüm und kopfvoran auf Seki zukam – und diese mit dem Kopf auch traf.
Schon nach der ersten Runde blutete Aniya Sekis Nase, hinterliess rote Sprenkel auf dem weissen Hosenbund. Doch dann wurde Aniya Seki von Runde zu Runde dominanter, «Chumm Aniya, Hopp Aniya», tönte es von den kurz vor 20 Uhr noch nicht all zu gut gefüllten Rängen.
«Wenn ich verloren hätte, wären die Schmerzen nun unerträglich»
Die 33-jährige Bernerin landete nun auch harte Treffer und hatte ihre Gegnerin im Griff, von der sie vor dem Kampf kein einziges Video hatte finden können und nicht einmal gewusst hatte, ob sie eine Rechts- oder Linksauslegerin ist. Als die Rumänin nach dem letzten Gong die Arme nach oben riss, wusste sie selbst, dass sie verloren hatte. Aniya Seki gewann einstimmig und eindeutig nach Punkten.
Ihre Nase sei zu, sagte Aniya Seki nach dem Kampf, sie habe im Ring kaum mehr atmen können. «Wenn ich verloren hätte, wären die Schmerzen nun unerträglich», sagte sie. Doch sie hatte gewonnen, und deshalb lacht sie und sagte: «Ich habe so eine kleine Nase, aber ausgerechnet dort hat sie mich getroffen.» Eva Marcu habe nicht sehr fair geboxt und habe auch nach der ersten Runde noch mehrmals Kopfstösse gelandet. Ihr Trainer, Bruno Arati, habe den Ringrichter mehrmals darauf hingewiesen – ohne jedoch Gehör zu finden.
Das Schwerste für sie sei es gewesen, im Ring geduldig zu bleiben. «Manchmal hatte ich das Gefühl: Oh Gott, es wird langweilig, für mich und für die Zuschauer.» Aber sie habe auf ihre Chancen gewartet – und diese seien gekommen. «Jetzt bin ich einen Schritt weiter», sagte Seki, und danach gleich: «Jetzt fängt es wieder von vorne an.»
Am Montag wird Aniya Seki wieder im Boxkeller im Steinhözli trainieren. Sie wird ihre beiden Titel wohl am traditionellen Boxing Day vom nächsten Stephanstag verteidigen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.07.2012, 11:10 Uhr





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