Sport
Noch nicht der neue Fritz
Von Peter Pflugshaupt. Aktualisiert am 27.12.2012 1 Kommentar
Profikämpfe am Boxing Day
Boxing Day. Profikämpfe. Schwer (8 Runden): Arnold Gjergjai s. Juri Bihuzeu durch TKO 3. Runde. - Leicht (6): Alain Chervet - Siarhei Afonin unentschieden (57:57, 58:57, 57:58). - Halbschwer (6): Hakim Zoulikha s. Sofiane Sebihi mit 2:1 Richterstimmen (58:56, 58:57; 56:58).
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Es war mit Spannung erwartet worden: das Profidebüt von Alain Chervet. Am Ende eines harten und ausgeglichenen Kampfes durften die 1250 Zuschauer im Berner Kursaal aber nur verhalten jubeln. Die drei Punktrichter werteten den Kampf zwischen Chervet und dem Weissrussen Siarhei Afonin als unentschieden. Chervets Gegner war nicht der erwartet schwache Gegner – er hatte vorher aus 17 Kämpfen einen einzigen Sieg errungen –, sondern machte dem Berner von der ersten Runde an das Leben schwer. Insbesondere bewies Afonin gute Nehmerqualitäten, liess sich von den Treffern Chervets nicht verunsichern und landete selbst immer wieder platzierte Schläge. Dass Chervet im ersten Profikampf ausgerechnet gegen eine schwierig zu boxenden Rechtsausleger antreten musste, war sicher kein Vorteil für den Berner. Manager Daniel Hartmann meinte: «Nach seinen starken Amateurkämpfen und der guten Vorbereitung habe ich dem vielleicht ein bisschen zu wenig Beachtung geschenkt.»
Enttäuschter Chervet
Alain Chervet stand unter erheblichem Druck. Er ist der Sohn des ehemaligen Schweizer Meisters Walter und Neffe von Fritz Chervet, Europameister von 1972 und bekanntester Schweizer Boxer überhaupt. Das mediale Interesse vor seinem Profidebüt war entsprechend gross – wie seine Nervosität zu Beginn des Kampfes. Er war zu verspannt, wollte zu sauber boxen. Trainer Bruno Arati: «Alain ist noch zu wenig durchtrieben. Aber daran arbeiten wir, ich bin mit seinem Auftritt zufrieden.» Chervet selbst war nach dem Kampf enttäuscht: «Ich bin nicht zufrieden, ich wollte gewinnen.» Dass es gegen den auf dem Papier schwachen Gegner nicht zum Sieg reichte, ärgerte ihn. «Doch Afonin war stärker als erwartet, ein harter und erfahrener Boxer. Ich war ein bisschen überrascht, wie gross der Unterschied zum Amateurboxen ist. Ich wusste, dass es hart wird. Aber so hart . . .»
Noch kein neuer Boxheld
Seit 1973 wird am Stephanstag in Bern geboxt. Nach einem Abstecher in die Wankdorfhalle im vergangenen Jahr fand der traditionelle Boxing Day gestern wieder im umgebauten Berner Kursaal statt. Das Publikum dürstete nach einem neuen Berner Boxstar und war am Ende ein bisschen enttäuscht. Chervet blieb nichts anderes, als sich beim «super Publikum» zu bedanken. Seine Karriere soll jetzt vorangetrieben werden. Bereits im Februar, März und April sind weitere Kämpfe geplant. Denn was ihm fehlt, ist die Erfahrung. Es ist geplant, dass der Profi-Palmarès von Chervet bis Ende 2013 acht bis neun Kämpfe aufweist. Und schon bald sollen auch Siege gefeiert werden. (Der Bund)
Erstellt: 27.12.2012, 06:45 Uhr
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