Neuenschwanders Strahlen

Die Bernerin Maja Neuenschwander läuft am 28. Schweizer Frauenlauf auf Platz 3. Der Sieg geht zum dritten Mal in Folge an die Ukrainerin Vitorii Pogorielska.

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Keine der Elite-Läuferinnen hatte beim Zieleinlauf ein so entspanntes ­Lächeln auf den Lippen, und keine schien sich so sehr über ihre Leistung zu freuen wie Maja Neuenschwander. In Siegerpose überquerte die 35-jährige Bernerin die Ziellinie auf dem Bundesplatz. Zu Recht, hatte sie doch Eindrückliches ­geboten auf dem anspruchsvollen Parcours durch Bern. So spielte es eine untergeordnete Rolle, dass sie der Siegerin des letzten Jahres und von 2011, Viktorji Pogorielska (Ukraine), sowie die Siegerin vom vorletzten Jahr, Cynthia Kosgei (Kenia), nicht ganz zu ­folgen vermochte. Maja Neuenschwander gewichtete anders: «Ich bin überrascht, wie sich meine Beine anfühlten und wie viel Zug ich drauf hatte.»

Zu tun hatte diese Bewertung mit der Vorbereitung. Sie war nicht ausgerichtet gewesen auf den Schweizer Frauenlauf. Vielmehr plant die zweitbeste Marathonläuferin der Schweizer Geschichte auf ein grosses Ziel in gut zwei Monaten hin: den EM-Marathon vom 16. August in Zürich. Nur rund ein Drittel der spezifischen Vor­bereitung hat sie bisher hinter sich. Am Vortag erst war sie direkt nach dem ersten Höhentrainingsblock in St. Moritz in Bern angekommen. «Das habe ich noch nie gewagt», sagte sie. Und das in-sich-Hineinhören am Vortag schien die Befürchtungen zu bestätigen: Schwer waren die Beine, unsicher der Kopf.

600 km in den Beinen

Das war nicht verwunderlich: 600 km hatte sie in den 21 Tagen im Engadin zurückgelegt, und sich noch am Freitag in einer strengen Einheit gefordert. Im Nachhinein aber machte sich dieses Experiment bezahlt. Neuenschwander lief als regelmässige Frauenlauf-Starterin – «für mich als Bernerin gehört dieser phantastische Event einfach dazu» – schneller denn je. Nach 16:37 Minuten war sie im Ziel. Bei ihrer bisherigen ­Bestzeit im vorletzten Jahr hatte sie 20 Sekunden mehr benötigt. «Das ist ein gutes Zeichen, zeigt mir die Fortschritte», erklärte sie. Und das widerspiegelte sich auch rangmässig mit dem dritten Platz. Einen Podestplatz hatte sie zuvor bei sämtlichen Anläufen noch nie geschafft– in einem äusserst starken Feld notabene. Erfreut nahm sie dies zur Kenntnis: «Jetzt können die schnellen Einheiten, die Intervalls kommen.»

Ryffels Kompliment

Auch Markus Ryffel, der frühere Olympia-Zweite und am Frauenlauf für die ­Topläuferinnen zuständig, taxierte die Vorstellung Neuenschwanders als «Klasseleistung» und sah sie «aufgestiegen in eine neue Liga». Als unbeschwert, locker und ruhig beschrieb er sie. Dieser Aussage schloss sich Neuenschwander an. «Bei all meinen bisherigen Teilnahmen war ich im Vorfeld immer extrem nervös gewesen, diesmal hatte ich dies besser im Griff.»

Auf dieser «spannenden Erkenntnis» will sie ebenso aufbauen wie auf dem, was sie konsequent wie noch nie im Training leistet. Für zwei Wochen ist sie nun nach Bern zurückgekehrt. Anschliessend ist ein zweiter, diesmal dreiwöchiger Höhentrainingsblock geplant. Auf dass sie dann Mitte August bereit ist für neue Grosstaten. Dafür hat sie am Samstag ­noch einen zusätzlichen Motivationskick erhalten: Mit Anna Hahner (5.) und Irina Mikitenko liess sie gleich beide deutschen Marathon-Leistungsträgerinnen, die mit besseren Zeiten über die 42,195 km dastehen, hinter sich.

Wyders Formkurve

Beim Frauenlauf 2014 sorgte noch eine weitere Bernerin mit ihrem Resultat für Aufsehen: Judith Wyder. Die OL-Europameisterin lief als nächstbeste Schweizerin auf Rang 6, nur 34 Sekunden hinter Neuenschwander. «Ich bin sehr zufrieden und erhielt die Bestätigung meines guten Gefühls», freute sich die 26-Jährige. Sie befindet sich beim Feinschliff des Formaufbaus im Hinblick auf die Weltmeisterschaften von Anfang Juli.

Wie Neuenschwander sieht auch sie sich auf «einem sehr guten Weg». Nicht nur wegen den starken Leistungen der Berner Topläuferinnen zeigten sich auch die Organisatoren zufrieden. Es war ein exzellenter Berner Lauftag bei Wunschwetter. Mit 13 833 Klassierten resultierte einmal mehr auch quantitativ ein Topergebnis. (Der Bund)

Erstellt: 15.06.2014, 15:03 Uhr

Infobox

Podest 5 Kilometer:

1. Viktorii POGORIELSKA (UKR) – 16.08,8
2. Cynthia KOSGEI (KEN) – 16.19,0
3. Maja Neuenschwander (SUI) – 16.37,9

Podest 10 Kilometer
1. Gabi NYFFELER (Stnr. 53), Thunstetten: 36.53,9
2. Renate WYSS (50), Rheinfelden: 37.19,0
3. Denise JOHANNSEN, Cham (1004): 37.31,2

Die komplette Rangliste: //services.datasport.com/2014/lauf/frauenlauf/

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