Nach dem Abstieg wieder Mut gefasst
Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 01.04.2011 1 Kommentar
Rugby auf dem Pausenplatz populärer machen
Réto Gasser ist auch mit über 50 Jahren noch ein begeisterter Rugbyspieler. Er spielt bei den Veteranen des Rugby-Clubs Bern. Der Berner Fürsprecher hat auch den Lead inne beim Projekt «Rugby at School», welches letztes Jahr an Berner Schulen gestartet wurde. Rugbyinstruktoren besuchten Sportlektionen von Schulklassen und brachten ihnen das Einmaleins dieser Sportart bei. Den Abschluss des Projekts bildete ein Turnier, an dem etliche Klassen teilnahmen.
«Rugby at School» verfolgt zwei Ziele: Erstens soll die Randsportart Rugby fester Bestandteil des Schulsports werden; zweitens soll sie ein Ventil für Jugendliche sein, die Dampf ablassen wollen. «Rugbyspieler müssen austeilen können, doch nur so viel, wie sie auch einstecken können», sagt Gasser. Das Engagement des RC Bern in Berner Schulen hat sich zumindest finanziell bereits ausbezahlt: «Rugby at School» wurde 2010 von der Sanitas als innovativstes Jugendprojekt ausgezeichnet. Das Preisgeld von 15 000 Franken war für Gasser eine zusätzliche Motivation, «die intensive Sportarbeit mit den Jungen weiterzuführen». Das Handbuch für interessierte Lehrkräfte wurde überarbeitet, und die Schulen wurden erneut angeschrieben. Mit dem Feedback ist Gasser zufrieden: «Die Zahl der teilnehmenden Klassen hat sich 2011 verdoppelt.»
Roger Zubler hebt beschwörend die Stimme. «Guys, am Sonntag gilts ernst. Denkt daran: Einer für alle, alle für einen!» Zubler ist Assistenztrainer des Rugby-Clubs (RC) Bern, der an diesem Abend auf der Berner Allmend eine seiner beiden wöchentlichen Übungseinheiten abhält. Über 20 junge Männer aus mehr als einem halben Dutzend Länder lauschen andächtig, bevor sie sich auf eine Auslaufrunde begeben und die Muskeln dehnen. Einer von ihnen ist Hanspeter Bieri, der Klubpräsident. Er wird später sagen: «Wir sind ein Team mit viel Herz und Willen, haben jedoch nicht das Talent, um ganz vorne mitzumischen.» Der Abstieg aus der obersten Liga am Ende der letzten Saison war für ihn keine Überraschung. «Wir hatten ein zu wenig breites Kader, um Ausfälle wegen Verletzungen oder beruflicher Abwesenheiten wegstecken zu können.»
In der Nationalliga B hat der RC Bern zum Siegen zurückgefunden. Vor Beginn der Rückrunde belegt er hinter Freiburg den zweiten Rang. Gut möglich, dass sich Berner und Freiburger in dieser Saison noch mehr als einmal begegnen. Beide liebäugeln mit dem Playoff-Final. Wer es bis dorthin schafft, ist in der nächsten Saison in der Nationalliga A spielberechtigt, da diese von heute 8 auf 10 Mannschaften aufgestockt wird.Die mögliche Rückkehr in die höchste Spielklasse löst beim RC Bern unterschiedliche Gefühle aus. Einerseits trauen sich die Berner zu, ihre Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. Andererseits gibt es Befürchtungen, wieder zum Prügelknaben der Liga zu werden. «Für uns käme ein Aufstieg ein bisschen zu früh», sagt Präsident Bieri. Der Klub benötige noch zwei, drei Jahre, um die Nachwuchsförderung auf solidere Beine zu stellen. Eine wichtige Rolle kommt dabei Felix Zulauf und Réto Gasser zu. Zulauf amtet als Nachwuchschef, Gasser schaut in der letzten Herbst gegründeten Rugbyschule für Acht- bis Zwölfjährige zum Rechten. Letzterer leitet auch das Projekt «Rugby at School», welches die Sportart bei Jugendlichen bekannter machen will.
Red Devils mischen vorne mit
Der 1972 gegründete RC Bern zählt rund 150 Aktive. Seit 1995 existiert auch ein Frauenteam, die Red Devils. Die roten Teufel haben bisher eine überaus erfolgreiche Saison absolviert. Von sieben Spielen haben sie deren sechs für sich entschieden. Zusammen mit dem führenden GC und Luzern werden sie den Meistertitel unter sich aus machen. Bieri freut sich über die jüngsten Erfolge des Frauenteams, dem nach der Anfangseuphorie zwischenzeitlich wegen Spielerinnenmangels die Auflösung drohte. (Der Bund)
Erstellt: 01.04.2011, 10:51 Uhr
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