Münchenbuchsee: Hart gekämpft – hart gelandet

Der Traum vom Cupfinal ist ausgeträumt: Münchenbuchsee verlor die Halbfinal-Partie gegen Lugano 2:3. Das versprochene Volleyballfest gab es trotzdem.

Alles Verbiegen nützte nichts: Münchenbuchsee (Stefan Nüesch im Angriff) verlor gegen Lugano (Thierry Nicolas am Block).(Manuel Zingg)

Alles Verbiegen nützte nichts: Münchenbuchsee (Stefan Nüesch im Angriff) verlor gegen Lugano (Thierry Nicolas am Block).(Manuel Zingg)

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Draussen standen die Leute schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn Schlange. Und drinnen waren die Plätze auch bereits gut gefüllt. Am Ende waren es rund 500 Zuschauer, die der Halbfinal im Schweizer Cup zwischen dem B-Ligisten Münchenbuchsee und Lugano, dem Team aus der NLA, in die Halle der Sekundarschule Bodenacker gelockt hatte. Die Bänke oben auf der Galerie waren restlos besetzt, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Beachcenter geholten Mini-Tribünen unten in der Halle ebenso. Am Ende standen die Leute um das ganze Spielfeld.

Die Kulisse war das eine, die Akustik das andere. Während die Anhänger von Münchenbuchsee zwar in der Überzahl waren, machten sich die Tifosi der Luganesi mit ohrenbetäubenden Hupen bemerkbar. So ging die Musik, die jeweils bei Unterbrüchen abgespielt wurde, fast ein wenig unter. Und die Fans des Heimteams mussten kräftig in die Hände klatschen und laut schreien, um ebenfalls gehört zu werden.

Ein Schweizer – ein Ausländer

Standen auf der einen Seite des Netzes mit einer Ausnahme ausschliesslich Ausländer auf dem Feld, war es auf der anderen, bei Münchenbuchsee, nur der Kubaner Gilberto Herrera, der (noch) keinen Schweizer Pass hat. Angesichts der Kräfteverhältnisse auf dem Papier hätte es eine klare Angelegenheit werden können. Doch die Seeländer wussten, dass Lugano bisweilen auch wankt. So kamen die Tessiner im Cup jeweils nur knapp weiter – gegen die NLB-Teams Lutry-Lavaux und Einsiedeln brachten sie die Entscheidung erst im fünften Satz herbei.

Und das war gestern nicht anders. Zwar startete Lugano, das vom Brasilianer Fabio Alves Martins gecoacht wird, besser in die Partie. «Wir waren wohl zu nervös», blickte Münchenbuchsees Diagonalspieler Benjamin Heimgartner am Ende zurück. Der grosse Zuschaueraufmarsch sei zwar nicht unerwartet, aber doch ungewohnt gewesen, der Erwartungsdruck trotz Aussenseiterrolle gross. «Da spielten wir unter unserem Niveau.» Viel lief über Luganos Neuzugang aus den USA, Kyle Granit, der am Service (ein Ass), am Block und im Angriff gleichermassen punktete. Münchenbuchsees Rückstand wurde immer grösser; erst zum Satzende vermochten sie diesen noch zu verkürzen.

Dritter Satz der Knackpunkt

Dann aber war das Heimteam im Spiel und glich nach Sätzen wieder aus. Im dritten hätte bereits eine Vorentscheidung fallen können: Erst lag Münchenbuchsee zurück (8:12), dann startete es eine Aufholjagd und ging seinerseits in Führung (18:15), gab diese jedoch umgehend wieder ab, wie auch den Satz. «Den hätten wir heimbringen müssen», sollte Münchenbuchsees Trainer Jürg Wüthrich später sagen.

Doch dem war nicht so, und auch im vierten Satz geriet sein Team wieder in Rücklage. Den Ausgleich schafften sie erst beim 24:24 (!). Mit ein wenig Hilfe des Schiedsrichters, der einen Übertritt eines Lugano-Spielers pfiff, stand es plötzlich 25:24. Und weil der Lugano-Trainer im Anschluss wegen «ungebührlichen Verhaltens» die gelbe Karte und Münchenbuchsee somit einen weiteren Punkt erhielt, gewann das Heimteam den Satz und glich das Spiel wieder aus. «Im fünften Satz hatten wir den Kopf wohl nicht mehr ganz bei der Sache», sagte Präsident und Cup-Libero Urs Kolb am Ende. In der Tat war es zum Schluss eine klare Angelegenheit, Lugano entschied den Satz 15:9 und somit das Spiel mit 3:2 für sich.

Fest ohne abschliessende Feier

Das Volleyballfest in der Bodenacker-Turnhalle hat es gegeben. Nur gab es nach dem Spiel nichts zu feiern. «Es ist eine Mischung zwischen Enttäuschung und Zufriedenheit», fasste Heimgartner seine Gefühle in Worte. Enttäuschung über das Aus, Zufriedenheit über die gute Leistung. Denn das hatten die Münchenbuchsner gezeigt. Sie hatten gekämpft und sich gegen ein NLA-Team, das praktisch nur aus ausländischen Spielern bestand, gut verkauft. Das sah auch Trainer Wüthrich so: «Dass wir uns nach dem verlorenen dritten Satz zurückgekämpft haben, spricht für unsere Moral.» Er war zufrieden mit dem, was er gesehen hatte. «Aber wenn am Ende so wenig fehlt, sieht man natürlich überall kleine Fehler.»

Trotzdem: Münchenbuchsee kann sich nichts vorwerfen. Matthias Schönthal (und für kurze Zeit auch Michael Müller) machte mit seinen Pässen die Vorarbeit für Heimgartner und Herrera, Stefan Nüesch, Lukas Urfer, Patrick Trachsel und Fabio Zulauf, die aus allen Positionen angriffen. Die Blockarbeit gelang wieder viel besser als noch im Viertelfinal gegen Ecublens, und auch Libero Urs Kolb spielte diesmal konstanter und grub wichtige Bälle aus. Gegen die Angriffe des Olympiateilnehmers bei Lugano, den Serben Goran Bjelic, waren die Seeländer aber manchmal einfach machtlos, ebenso wie wenn der 2,05-Meter-Mann mit dem noch um drei Zentimeter grösseren US-Amerikaner Ronald Joseph Goubeaux zum Block am Netz stand.

Fokus ändern, Niveau mitnehmen

Am Cup-Märchen hat das Team mit dem in der Vereinsgeschichte erstmaligen Einzug in die Halbfinals in diesem Jahr weitergeschrieben. Für das Happy-End, den Final im Wankdorf, reichte es nicht. So heisst es nun, nachdem sich die Münchenbuchsner in den letzten Wochen auf den Cup konzentriert hatten, den Fokus wieder auf die Meisterschaft in der NLB zu verlegen, wo die Finalrunde schon frühzeitig erreicht worden war. Diese beginnt am nächsten Wochenende. Und beim Gedanken daran huschte Wüthrich auch schon wieder ein Lächeln über das Gesicht: «Wenn wir das Niveau, das wir gegen Lugano gezeigt haben, mitnehmen können, werden sich an uns noch ein paar Gegner die Zähne ausbeissen.» (Der Bund)

Erstellt: 11.01.2010, 09:30 Uhr

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