«Ich habe mein Ziel des Jahres erreicht»
Von Emil Bischofberger. Aktualisiert am 06.04.2010 3 Kommentare
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Fabian Cancellara, es war schon einige Kilometer vor dem Ziel klar, dass Sie die Flandern-Rundfahrt gewinnen würden. Hatten Sie bereits unterwegs Zeit, den Sieg zu realisieren?
Zu realisieren nicht. Aber mir wurde klar, was ich geschafft hatte an diesem Tag. Im Ziel brach dann eine riesige Lawine los. Der emotionelle Aspekt bei diesem Sieg in Belgien, das ganze Drumherum, das ist ein einzigartiges Erlebnis gewesen.
Wie spürten Sie die Emotionen der Fans unterwegs?
Dieses Feeling unterwegs, das ist unbeschreiblich. Man kann das Rennen dann auch nicht eindrücklicher gewinnen. Es hat seine eigenen Gesetze - und ich konnte sie alle brechen. Ich war so ruhig, alles ging auf. Seit Jahren war der Sieger nicht mehr so früh im Rennen weggekommen. Und dann gegen den Lokalmatador, Tom Boonen ist ein Nationalheld. Das ist nicht ohne.
Was ist das Besondere am Flandern-Feeling?
Es ist intensiver, weil man sich auf so engem Raum bewegt, man mehr bei den Leuten ist. Ich habe das genossen, auch wenn es bei der Muur in Geraardsbergen nicht einfach war, als oben die Leute buhten. Aber das ist ja irgendwie legitim, dieser Patriotismus, wenn das Nationaldenkmal am Bröckeln ist und vorne die Schweizer Ambulanz zu fahren kommt. . .
Kurz vor Ihrem ersten Angriff mussten Sie zweimal das Rad wechseln. Wurden Sie auch da nicht nervös?
Ich hatte ein Problem mit der Bremse. Aber da brachte mich meine Querschulung aus der Jugend weiter. Die Wechsel gingen so locker vonstatten. Ich sprang aufs Velo und gleich wieder in die Pedalen. Der Mechaniker brauchte mich gar nicht mehr anzuschieben.
Am Schluss trennten Sie nicht Sekunden, sondern mehr als eine Minute von Verfolger Boonen. War es Ihr Ziel, den grossen Gegner so zu dominieren?
Letztlich ist es ja egal, ob du mit 30 Sekunden oder mit 1.30 Minuten Vorsprung gewinnst. Aber ich habe trotzdem alles rausgeholt. Ich wollte einfach meine Stärke zeigen: «I’m the king.»
Wenn Sie Ihre drei Siege bei den Monumenten des Radsports miteinander vergleichen . . .
(unterbricht) Alle drei sind unbeschreiblich. Ich habe alle auf meine eigene Art gewonnen. Ich kam bei allen solo ins Ziel, und wie. Und das zwei Mal als Favorit. Es gibt nicht manchen im Feld, der drei dieser Rennen gewonnen hat (Anm. der Red.: keiner). Nun habe ich die Chance auf die fünf, respektive die Siege in Lüttich und in der Lombardei. Das ist - mit einer anderen Vorbereitung - machbar.
Die Italiener umschreiben solche Siege mit «alla grande», auf die Art der Grossen. So zu siegen spornt Sie an?
Es macht dich unsterblich. Ich habe nicht einfach gewonnen. In 20 Jahren wird man sich noch erinnern: 44 Kilometer vor dem Ziel fuhr er mit Boonen weg, hängte ihn an der Muur ab, kam alleine an. An der Muur wegzufahren, das ist wie ein Sieg auf der Alpe d’Huez. Wie ein 6:0, 6:0, 6:0 in einem Grand-Slam-Final. Wie ein Hole-in-one. Das Non plus ultra. Ich pushe mich bewusst, um das Spezielle zu erreichen. Mein Kopf funktioniert einfach so.
Ihr Anspruch sind die Geschichtsbücher.
Ja, irgendwie schon. Wenn man die Siege anschaut in den vier Jahren bei Saxobank - das waren nicht irgendwelche Siege. Ich gewann in London (Tour-Prolog). Bei Olympia. Fuhr an der Tour in Gelb und gewann in Gelb. Fuhr bei der Vuelta eine Woche in Gelb. Tour de Suisse, Eroica, den Tirreno, Sanremo, Roubaix . . .
Paris-Roubaix folgt als nächstes grosses Rennen am kommenden Sonntag, mit Ihnen als Favorit Nummer 1.
Das Double Flandern-Rundfahrt/Paris-Roubaix ist jetzt meine grosse Motivation. Aber ich stresse mich nicht. Ich habe mein Ziel des Jahres erreicht, ich bin überglücklich. Ich könnte jetzt eigentlich die «Scheichen» hängen lassen, wie auch schon. Ich werde mich jetzt noch ein, zwei Tage gehen lassen, und dann neu fokussieren. Das ist d i e Chance. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2010, 09:11 Uhr
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3 Kommentare
Fäbu, für mich bist du einfach un Monsieur, a Champion, un Campionissimo. Grande classe, wie du die Rennen fährst und im entscheidenden Moment zuschlägst. Dann, wenn's den Kontrahenten am meisten schmerzt. Power pur. Und dann wie ein TGV eine Spur ziehst, für die Gegner leider nur noch von hinten anzusehen. Du hast dir in Belgien ein Denkmal gesetzt, verdientermassen, man kennt dich, chapeau! Antworten

