Gran Prix: OK hat schon nächsten Rekord im Kopf
Von Jörg Greb. Aktualisiert am 21.05.2010 1 Kommentar
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Am letztjährigen GP war Viktor Röthlin von den beiden Lungenembolien gezeichnet und deshalb «bloss» Ehrenstarter. Nun ist der Zweite von 2006 nicht mehr Rekonvaleszenter, sondern wieder ambitionierter Spitzensportler. Und er ist wieder Strahlemann und witziger Gesprächspartner. Einer Frage widmet sich der Olympia-Sechste 2008, WM-Dritte 2007 und EM-Zweite 2006 indes mit aller Ernsthaftigkeit: «Was kann ich auf den 16,093 anspruchsvollen GP-Kilometern leisten?» Die Antwort ist für ihn wegweisend.
Unmittelbar nach dem Rennen will Röthlin seinen weiteren Saisonverlauf bestimmen. Der Marathon an den Europameisterschaften in Barcelona vom 1. August oder der New York Marathon vom 7. November stehen zur Disposition. Drei Aspekte zieht er für die Entscheidungsfindung heran: das Training, den medizinischen Aspekt und das Rennen am GP als solches. Zu den ersten beiden Punkten hat er die nötigen Antworten erhalten. Im Training hat er in den letzten Wochen enorme Fortschritte erzielt. Sie geben ihm Anlass zur Freude, auch wenn er noch nicht auf dem einstigen Level laufen kann. Auch im Lungen-MRI am letzten Dienstag liess sich nichts Hinderndes feststellen. «Aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen meine Spitzensportlerpläne», hält Röthlin fest. Dazu zählt auch, dass die Fersenoperation den gewünschten Effekt erzielte.
Bleibt also der Wettkampf. «Ich bin selber gespannt», sagt er und verweist auf die Tatsache, dass «ich nur im Rennen in den sechsten Gang schalten kann». Als Entscheidungsgrundlage für die EM oder New York zieht er nicht nur Rang und Zeit heran, sondern «ebenso das Laufgefühl und die Körperreaktionen in den ersten 30 Minuten nach dem Rennen».
Neuenschwander mit Heimvorteil
Spannung ist ebenso angesagt im 10-Meilen-Rennen der Frauen. Besonderes Augenmerk geniessen die drei Schweizer EM-Teilnehmerinnen Maya Neuenschwander, Patricia Morceli (beide Marathon) und Martina Strähl (10 000 m). Die Bernerin Neuenschwander möchte den Heimvorteil nutzen und im Bereich ihrer GP-Bestzeit von 58:11 Minuten einlaufen. Ähnlich wie Röthlin befindet sie sich bereits seit (sechs) Wochen im Marathon-spezifischen Training.
Belz zurück auf der Kurzstrecke
Ambitionen auf den Tagessieg im Altstadt-GP über 4,7 km hegt Christian Belz. Der 10 000-m-Rekordhalter befindet sich in der Favoritenposition. Bereits sechs Siege konnte der Berner auf der Kurzstrecke feiern. Der letzte Triumph liegt allerdings bereits sieben Jahre zurück. «Mir geht es nicht allein um den Platz auf der obersten Podeststufe», sagt er, «sondern ebenso um den Quervergleich mit den vorhergegangenen Jahren.» Dass er über die Kurzdistanz läuft, bezeichnet er als Sieg des Kopfes über das Herz. «Die Erholungszeit wird so kürzer, und im Hinblick auf die EM zählt jeder Tag.»
Jenni noch vorsichtig
Bei den Frauen tritt im Altstadt-GP Mirja Jenni als Favoritin an. Im Hinterkopf hat auch die TVL-Langstrecklerin die EM-Limite. Nach ihrer langen Verletzungspause bis im letzten Spätherbst (Achillessehnen-Operation) aber bleibt sie vorsichtig: «Barcelona wäre das Optimum, als Ziel formuliert ist dieses aber noch nicht.» Und nicht zu vergessen: Der GP Bern wie der Altstadt-GP zählen auch in diesem Jahr zur nationalen Post-Cup-Serie. Es geht also in sämtlichen Rennen auch darum, in der Schweizer Hierarchie zu bestehen.
Die Vision für 2011
Die Elite-Läuferinnen und –Läufer sind für den GP Bern wichtig, aber nicht nur sie. Der Erfolg der Veranstaltung basiert nicht zuletzt darin, dass jeder und jedem viel geboten wird, vor, während und nach dem Rennen. Das hat sich herumgesprochen. 25 521 sind in diesem Jahr gemeldet und somit 287 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2006 beim 25-Jahr-Jubiläum. «Wir profitieren vom günstigen Datum, vom anhaltenden Boom im Laufsport sowie von unserem Effort bei der Jugend», sagt OK-Präsident Urs Stauffer. Und er stellt eine Vision vor: «30 000 zum 30. GP im nächsten Jahr wären ein Hit.» (Der Bund)
Erstellt: 21.05.2010, 09:52 Uhr

