Bernerin in Magglingen auf dem Podest

Die erst 17-jährige Bernerin Mujinga Kambundji gewann an den Schweizer Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Magglingen über 60 und 200 Meter die Silbermedaille.

Mujinga Kambundji war in Magglingen zweimal die Zweitschnellste.

Mujinga Kambundji war in Magglingen zweimal die Zweitschnellste.

Stichworte

Nicole Büchler mit Schweizer Hallen-Rekord

Die Berner Stabhochspringerin wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie übersprang in Magglingen die neue Hallen-Rekordhöhe von 4,47 Meter. Bereits vor dem Wettkampf war klar, dass sich die 26-Jährige nur selber schlagen konnte. Diese Gefahr bannte sie sofort. Als sie ihre Anfangshöhe von 4,10 Metern meisterte, waren die Konkurrentinnen bereits ausgeschieden. Trotzdem entging sie einer bescheidenen Siegerhöhe nur knapp: 4,30 Meter bewältigte sie im dritten Versuch. Sodann liess sie die Latte auf 4,47 Meter legen. Auch diese Höhe übersprang sie im dritten Durchgang. Erst auf 4,52 Metern scheiterte sie. Diese Höhe hätte zwei Zentimeter über ihrer Freiluft-Bestmarke von 4,50 m gelegen.

Büchler freute sich auch so: «Dieser Rekord vermittelt mir Sicherheit.» Eine gewisse Unsicherheit konnte sie in der bisherigen Hallensaison nie ganz ablegen. Im Training fehlte bei den Sprüngen die Kon­stanz. Nun will sie im Hinblick auf die Hallen-Weltmeisterschaften in Doha vom zweiten März-Wochenende nochmals aufbauen. «Ich habe das Niveau für 4,50 Meter», weiss sie.Bereits ist aber ihr Blick auf die Sommersaison gerichtet. Im Fokus hat Büchler die Europameisterschaften Ende Juli in Barcelona, wo sie einen Finalplatz anstrebt. Als Vorbereitung auf die EM reist sie nochmals nach Arkansas (USA), um bei Earl Bell zu trainieren. «Im Gegensatz zur Schweiz steht mir dort der Trainer ganztags zur Verfügung, weil er als Profi arbeitet», sagt Büchler. (gg)

Zufall war es nicht. Als sich Mujinga Kambundji in der 60-m-Konkurrenz mass und Vorlauf, Halbfinal und Final bestritt, erschien auf der Haupttribüne Mireille Gigandet-Donders zusammen mit ihrer 14 Monate alten Tochter Florence. Sie hatte Ende der 1990er-Jahre die nationale Sprintszene geprägt. Jetzt unterstützt sie ihren einstigen Trainer Jacques Cordey, der auch Kambundji fördert. «Mireille hilft tatkräftig und bringt Elemente ein, für die ich nie besorgt sein könnte», erzählt Cordey. Dabei geht es um eigene Erfahrungen oder frauenspezifische Fragen.

Aber auch zwischenmenschlich klappt die Beziehung zwischen der ehemaligen Spitzenläuferin und der Zukunftshoffnung und aktuell doppelten Schweizer Meisterin im Freien. Mireille Gigandet-Donders ist eine der wichtigen Bezugspersonen von Mujinga Kambundji. Kürzlich hat sie ein Versprechen eingelöst und mit der 17-Jährigen eine Reise unternommen. Gigandet-Donders hatte sie als Belohnung ausgesetzt für den Fall, dass Kambundji einen ihren Rekorde unterbietet. Das war letztes Jahr sowohl in der Halle wie auch im Freien der Fall (U-20-Bestmarken). Die Altmeisterin lud die Gymnasiastin im Januar nach Zürich, von wo es nach London weiterging. Die beiden Frauen besuchten in der Olympiastadt 2012 das Abba-Musical und liessen sich von der Metropole begeistern.

In der Planung von Cordey, Gigandet und Kambundji ist London 2012 indes kein vorrangiges Ziel. «Wir gehen Schritt für Schritt, und ich fordere Geduld», sagt der Trainer der letztjährigen WM-Sechsten an den U-18-Titelkämpfen. Deshalb ist auch die diesjährige EM in Barcelona kein Thema. Hingearbeitet wird stattdessen auf die U-20-Weltmeisterschaften in Moncton (Ka).

«Ich bin sehr glücklich»

Mujinga Kambundji ist in ihrem Alter weiter als ihr Vorbild Gigandet-Donders. Für Cordey ist es nicht erstaunlich: «Mireille kam vom Eiskunstlaufen und war mit 18 zwei Jahre im Rückstand.» Erst in den nächsten Jahren werde sich zeigen, in welchen Bereichen sich die Leistungskurven der beiden Frauen unterschieden.

Mujinga Kambundji schätzt die zurückhaltende Art ihres Trainers. Das zeigt sich auch in ihren Äusserungen an den Hallen-Titelkämpfen dieses Wochenende in Magglingen. «Ich bin sehr glücklich», sagte die Sprinterin nach ihren beiden zweiten Plätzen hinter der sechs Jahre älteren, aber auch erst 24-jährigen Titelverteidigerin Ellen Sprunger (Nyon). Keine Spur von Enttäuschung. «Im Freien sprinte ich viel lieber», sagt sie.

Kein Rückschritt

Der Rang ist das eine Kriterium, die Zeit das andere. Im Vergleich zum letzten Winter, als sich Kambundji in den Sprint-Disziplinen hinter Mehrkämpferin Sprunger ebenfalls die Silbermedaille sicherte, gelang es ihr diesmal nicht, ihre Zeiten zu toppen. Cordey wollte nichts von einem Rückschritt wissen: «In diesem Alter kann nicht von einer linearen Leistungskurve ausgegangen werden, da sind auch körperliche Entwicklungen zu berücksichtigen.» Hinzu komme die psychische Komponente. «Als Aussenseiterin läuft es sich ganz anders denn als Favoritin», so Cordey. Seit dem Doppel-Meistertitel an den Freiluftmeisterschaften 2009 in Zürich kann sich Kambundji nicht mehr hinter den Namen der etablierten Sprinterinnen verstecken. (Der Bund)

Erstellt: 22.02.2010, 10:09 Uhr

KOMMENTAR SCHREIBEN







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.


Jetzt gratis für alle «Bund»-Abonnenten

Meistgelesen in der Rubrik Sport

BLS

Emil Frey AG Autocenter Bern

Die Top-Themen im






© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten