«Ammann macht auf Federer»
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 21.02.2010
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Österreich (Ö, Online-Ausgabe):
«Ammann wird zur Skisprung-Legende» - Fast schon kultig erschien Simon Ammann standesgemäss als Erster der drei Medaillengewinner zur Pressekonferenz. Mit weisser Sonnenbrille lächelte der smarte Schweizer vom Podium und war sich wohl noch gar nicht bewusst, dass er mit diesem neuerlichen Olympia- Double nicht nur in der Heimat, sondern auch weltweit zur Skisprung- Legende geworden ist.
Spiegel-Online (De): «Mann für besondere Momente» - Er flog allen davon: Simon Ammann hat zum vierten Mal Olympiagold geholt. Damit hat er sich zum überragenden Skispringer der Geschichte gemacht - und die favorisierten Österreicher erneut zu Statisten. (...) Er hat gerade die Sonnenbrille abgenommen, mit der er wie ein Jugendlicher aussieht, der die Spuren der Nacht verdecken will. Er ist jetzt 28 und spricht wie ein 40-Jähriger über die Vergangenheit und die Gegenwart. Die besteht im Wesentlichen aus zwei weiteren Goldmedaillen.
Süddeutsche(De):
«Magie mit Brille» – Er trug wieder Brille. Ein weisses, grossflächiges Pilotenmodell mit getönten Gläsern. Simon Ammann sah aus wie der Star eines Roadmovies der siebziger Jahre, als er in Vancouver das Podium erklomm, um sich für seine zweite Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2010 feiern zu lassen. Vor einer Woche hatte der 28 Jahre alte Schweizer auf der Normalschanze gewonnen, am Samstag liess er den Sieg auf der Grossschanze folgen. Es war seine ingesamt vierte Olympia-Goldmedaille. Damit ist er der erfolgreichste Schweizer bei olympischen Winterspielen und löst den Finnen Matti Nykänen als besten Einzel-Skispringer bei Olympia ab: Nykänen sammelte ebenfalls vier Goldmedaillen, eine davon jedoch im Team-Wettbewerb.
«Ich hatte wieder diese magische Kraft» sagte Ammann nach seinem Rekordflug. Eine gewollte Anspielung? «Harry Potter» hatten sie ihn gerufen, 2002, als der damals 21 Jahre alte Spross einer Bergbauernfamilie aus dem Toggenburg in der Ostschweiz in Salt Lake City triumphierte. Gold auf der Normal-, Gold auf der Grossschanze. Es war eine Sensation. Auch damals trug Ammann Brille, ein rundes, schwarzes, dünnes Gestell. Es war nicht viel Kreativität nötig, um den fliegenden Schweizer mit dem Zauberlehrling aus Joanne K. Rowlings Bestseller zu vergleichen. Zumal sich Ammann sehr bescheiden gab. Es sei eine Ehre, «zwischen diesen Champions»zu sein, sagte der Schweizer im Hinblick auf die damaligen Zweit- und Drittplatzierten Sven Hannawald und Adam Malysz. «Vielleicht bin ich auch einer», fügte er schüchtern hinzu.
orf.at (Ö):
«Doppelter Vorteil» - Dem Österreichischen Team war seine Bindung magisch vorgekommen, weshalb sich in den Tagen vor dem Grossschanzen-Bewerb ein teilweise skurriler medialer Zirkus entwickelt hatte. ÍDabei ist die Geschichte ja gar nicht neu», betonte Ammann. «Schon vor zwei Jahren wurde das diskutiert.»
Zunächst habe es es eine finnische Bindung gegeben, die diesen Lösungsansatz hatte. «Die hat mir aber nicht gefallen, weil da sehr viel Metall war», berichtete der Nationalheld. «Dann gab es einen österreichischen Springer, der hatte auch eine eigene Lösung.» In Diskusionen unter Journalisten stellte sich heraus, dass es sich dabei um Bastian Kaltenböck gehandelt haben könnte.
oe24.at (Ö):
«Der Ammann in einer eigenen Liga» – Bereits im ersten Durchgang hatte Simon Ammann auch im zweiten Bewerb wie erwartet seinen Stempel aufgedrückt und war auf 144 Meter hinunter gesegelt. Die Landung war allerdings schlecht, daher war der Vorsprung mit 6,6 Zählern noch kein beruhigender. Doch mit einem nicht völlig ausgereizten zweiten Sprung gab es letztlich keinen Zweifel über den Sieger. Ammann hat damit bisher nie Erreichtes in dieser Sportart geschafft, acht Jahre nach Salt Lake City holte er - erneut in Nordamerika - wieder Doppel-Gold in den Einzelbewerben. Ausserdem ist Ammann zum erfolgreichsten Schweizer in der Olympia-Geschichte überhaupt und endgültig zum Nationalhelden aufgestiegen. Der sympathische Athlet hat damit die bisher führende Vreni Schneider (3 Gold und je 1 Silber und Bronze) übertroffen. Kurier (Ö):
«Ammann Gold, Schlierenzauer Bronze» – Am Ende blieb nichts als Spott und Häme. Und dagegen brauchen die österreichischen Skispringer erst gar nicht lange protestieren. Wer tagelang mit Bindungs-Ängsten herum lamentiert, allerorts Verschwörungen wittert, neunseitige Protestnoten verfasst und die gesamte nicht-österreichische Skisprung-Szene gegen sich aufbringt, der darf sich nicht wundern, wenn es rund um den Schanzentisch Schadenfreude erntet.
Simon Ammann hat sich jedenfalls durch die Debatten um seine Bindung - die FIS-Kontrolle sahen keinen Verstoss gegen die Material-Vorschriften - nicht draus bringen lassen. Mehr noch: Er hat den Österreichern auf der Grossschanze die richtige Antwort gegeben. Auf seine Art, mit weiten Flügen und der zweiten Goldmedaille. Selten zuvor war eine sportliche Ohrfeige so schmerzhaft, wie jene die Ammann am Samstag dem ÖSV-Springerteam verpasst hat. FAZ (De):
«Der Schweizer Ammann schreibt Geschichte» – Er war 2002 der kleine Harry Potter des Skispringens - nun ist er der Grösste in der olympischen Geschichte dieses Sports: Simon Ammann, der 29-jährige Schweizer, hat am Samstag beim Springen von der Grossschanze seine vierte Einzel-Goldmedaille gewonnen - das hat vor ihm noch nie ein Springer geschafft; der Finne Matti Nykänen erzielte drei Einzelsiege und war einmal mit dem Team erfolgreich. Ammann springt derzeit in einer anderen Liga, mit einer Ruhe und Lockerheit wie kein anderer kam er auf 144 und 138 Meter und hatte schliesslich mehr als 14 Punkte Vorsprung auf Adam Malysz aus Polen und Gregor Schlierenzauer, dem Österreicher.
Die drei Springer bilden eine Klasse für sich: schon von der Normalschanze hatten sie in dieser Reihenfolge die Medaillen gewonnen.
Die Presse (Ö):
«Ammann ist doppelter Doppel-Olympiasieger» – Simon Ammann darf sich nun doppelter Doppel-Olympiasieger nennen. Wie schon in Salt Lake City 2002 dominierte der Schweizer auch in Vancouver die Sprungbewerbe. Nach Gold von der Normalschanze hat der 28-jährige am Samstag auch von der Grossschanze gewonnen - und das deutlich.
Den Grundstein für seinen vierten Erfolg legte Ammann bereits im ersten Durchgang mit einem Satz auf 144 Meter, die Festspiele gingen in der Entscheidung (138 Meter) weiter. Mit Bestweiten in beiden Durchgängen setzte er sich erneut klar vor dem Polen Adam Malysz sowie dem Tiroler Gregor Schlierenzauer durch. Damit glich das Siegerbild jenem vom ersten Einzelbewerb.
Die Welt (De):
«Simon Ammann springt in die Rekordbücher» – Simon Ammann streckte seine Zunge raus und strahlte nach dem historischen Triumph übers ganze Lausbubengesicht. Der Schweizer siegte bei den Winterspielen am Samstag auch auf der Grossschanze und kürte sich zum erfolgreichsten Schweizer Wintersportler der olympischen Geschichte – und zum grössten Skispringer überhaupt. Acht Jahre nach Salt Lake City und eine Woche nach seinem Sieg vom kleinen Bakken machte der 28-Jährige in Whistler seinen zweiten goldenen Doppel-Coup perfekt. Ammann übertrumpfte damit den legendären Finnen Matti Nykänen mit seinen drei Einzel- Siegen.
Kleine Zeitung (Ö):
«Ammanns Flug für die Ewigkeit» – Wer geglaubt hat, dass die Bindungs-Posse Simon Ammann aus der Ruhe bringen könnte, der lag völlig falsch. Der Schweizer, in seiner Heimat bereits «Vogelmensch» genannt, lieferte auf der Grossschanze eine beeindruckenden Antwort, sicherte sich nach dem Triumph auf der Normalschanze auch den Sieg auf der Grossen und ist nach seinem Doppel-Gold 2002 in Salt Lake City der einzige Springer der Geschichte mit vier Mal Einzel-Gold. Zwar hat auch Matti Nykänen vier Goldene in seiner Vitrine hängen, doch eroberte er eine davon mit der Mannschaft.
Leichte Kritik musste der heimische Adler-Horst sogar aus den eigenen Reihen hinnehmen. So erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss: «Ich bin nicht glücklich. Das muss ich ehrlich sagen. Natürlich, wenn man glaubt, jemand verstösst gegen ein Reglement, ist es durchaus gerechtfertigt, das einmal aufzuzeigen. Doch ich hätte es bevorzugt, wenn man sich mit den anderen Verbänden abgestimmt hätte. Jetzt hängt uns das Image des schlechten Verlieres nach - das ist nicht gut.» Ausserdem würden die grossartigen Ergebnisse der österreichischen Springer in dieser Saison Bände sprechen. «Daher war das jetzt auch entbehrlich.»
Die Reaktionen der heimischen Adler fielen auch durchwegs negativ aus: «Jetzt ist halt der schale Beigeschmack dabei, den wird man jetzt nicht mehr los», meinte Wolfgang Loitzl. Und Tournee-Triumphator Andreas Kofler: «Ich glaube nicht, dass das alles notwendig war. Wir als Athleten sind im Endeffekt die Leidtragenden.»
CTV (Ka):
«Ammann macht auf Federer» – Simom Amman hat vielleicht nicht den weltweiten Bekanntheitsgrad des 16-fachen Grand-Slam-Gewinners und Tennis spielenden Landsmanns Roger Federer, aber er holt schnell auf.
Ottawa Citizen (Ka):
«Der König des Berges gewinnt sein zweites Gold 2010» – Obwohl der Kanadier Stefan Read der einzige Skispringer von der samstäglichen Prüfung im Gastgeberland war, fühlte sich die Schweizer Senation Simom Ammann wie zu Hause.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.02.2010, 18:34 Uhr
