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Wer ist denn hier der König?
Von René Stauffer, Melbourne. Aktualisiert am 22.01.2010
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Roger Federers Lage war verzwickt; unten, im theaterähnlichen Interviewraum des Melbourne Park, wo die Spieler zu den Reportern hochschauen und sich wie eingekesselt vorkommen müssen. Die Frage tönte harmlos, doch er merkte sofort: Sie war ein Wolf im Schafspelz, ein mit viel Unterschnitt an die Linie gespielter Angriffsball.
«Welches war die beeindruckendste Person, die je gekommen ist, um eine ihrer Partien zu verfolgen?», wollte der australische Reporter wissen.
Federer spürte, seine Antwort barg jede Menge mögliche Fallstricke und Fettnäpfchen. Erwähnte er Tiger Woods, würde dies angesichts des Images seines gestürzten Freundes auf ihn zurückfallen - und überhaupt: Wenn er jemanden namentlich anspräche, würden sich Dutzende anderer übergangen fühlen. Immerhin liesse sich mit all den Stars, Sternchen, grösseren und kleineren Bekanntheiten, die da während seiner über 800 Spiele in wachsenden Scharen kamen und gingen, während er unten schwitzte, ein beträchtlicher Sektor einer Tribüne füllen. Von Oscarpreisträgern und Filmstars wie Robert de Niro, Robbie Williams oder Dusin Hoffmann über Musikstars wie Gwen Stefani, Seal, Sting oder Elton John, Modegrössen wie Anne Wintour oder Giorgio Armani, Sportstars wie Tiger Woods, Thierry Henry oder Valentino Rossi, Models wie Giselle Blümchen oder Heidi Klum, Tennislegenden wie Pete Sampras oder Björn Borg, Politiker aller Schattierungen bis zu königlichen Thronfolgern, wie an diesem Abend in Melbourne – die Auswahl war riesig.
Da glückte Federer, typisch, ein schlauer Befreiungsschlag. «Früher waren es meine Freunde und Eltern», antwortete er. «Dann kamen Athleten, Schauspieler, Musiker, königliche Hohheiten. Es ging immer weiter, es gab so viele.» Es sei für ihn aber «eine grosse Ehre» gewesen, dass er gekommen und ausgerechnet ihm zugeschaut habe, schon seine Mutter sei ja einst in Wimbledon gewesen. Nächste Frage?
Er, das war Prinz William, dessen Blitzbesuch am Aussie Open ein willkommener Nebenschauplatz für das Turnier und die Medien war – nicht nur in Australien und Grossbritannien.
Derweil stellte sich mir die Frage, wer von den beiden denn nun der wahre König ist: Der vielleicht grösste Tennisspieler aller Zeiten, der sich alles erarbeiten musste, oder der Prinz, der seine Popularität allein dem Zufall zu verdanken hat, als Sohn von Lady Di, der Königin der Herzen, und des Superprinzen Charles zur Welt gekommen zu sein?
PS: Federers Antwort war, etwas näher betrachtet, wahrscheinlich sogar richtig. Wenn ihm früher seine Eltern zuschauten oder plötzlich ein Marc Rosset am Spielfeldrand auftauchte, beeindruckte ihn das weit mehr als inzwischen alle Ehrengäste zusammen. Wenn Robert und Lynette am Gitter standen, drohte Ungemach, da konnte er sein Racket nicht mehr ungestraft durch die Landschaft schleudern. Das hatte dann grössere Konsequenzen, als wenn er vor Prinz Willi einen Doppelfehler geschlagen hätte, was ihm allerdings erspart blieb. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.01.2010, 13:06 Uhr




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